Erbgut des Menschen Gen für Körpergröße entdeckt

Forscher haben erstmals ein Gen für die Körpergröße des Menschen identifiziert: Wer eine bestimmte Variante davon besitzt, wird im Durchschnitt einen Zentimeter größer.


Auf die Größe kommt es an, sagen die Einen. Stimmt nicht sagen, die Anderen und verweisen auf durchaus erfolgreiche, aber eher kurz geratene Menschen wie Napoleon. Dass die Körpergröße hauptsächlich eine Frage der Gene ist, wissen Forscher schon länger. Welche Gene aber genau darüber entscheiden, ob jemand das Zeug zum Basketballer hat oder nicht, war bislang unklar.

Längenfrage: Gene entscheiden über Körpergröße
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Längenfrage: Gene entscheiden über Körpergröße

Nun haben Wissenschaftler von der Peninsula Medical School in Exeter ein Gen namens HMGA2 entdeckt, das mit darüber entscheidet, wie groß man wird. Für ihre Studie durchsuchten Michael Weedon und seine Mitarbeiter das Erbgut von knapp 5000 Probanden und schauten, welches Gen sich mit der Körpergröße in Zusammenhang bringen ließ. Der dabei entdeckte Erbgutabschnitt enthält die Bauanleitung für das HMGA2-Protein.

Dieses Eiweißmolekül dockt an die DNA an und beeinflusst so die Aktivität anderer Gene. Bereits im menschlichen Embryo ist es aktiv und bestimmt, wie lang die Knochen des Menschen einmal werden. Wie eine zusätzliche Analyse der Gene von weiteren 30.000 Freiwilligen zeigte, reicht bereits eine kleine Veränderung im HMGA2-Gen aus, um den Menschen wachsen zu lassen: Tausche man Buchstaben im DNA-Code aus, werde der Mensch im Schnitt um einen Zentimeter größer, erklären die Forscher im Fachblatt "Nature Genetics" (Online-Vorabveröffentlichung).

Die Körpergröße wird zu 90 Prozent von den Genen bestimmt, nur 10 Prozent seiner Größe verdankt der Mensch Einflüssen aus der Umwelt. Das HMGA2-Gen sei dabei nur ein Gen unter vielen, die die Größe des Menschen festlege, betonen die Forscher. Sie hoffen nun, in Zukunft noch mehr Gene zu entdecken, die bestimmen, ob ein Kind später eher klein oder groß sein wird.

Wenn ein Kind kleiner ist als Gleichaltrige, könne dahinter eine gefährliche Krankheit stecken, schreiben die Wissenschaftler. Gelänge es dagegen vorauszusagen, dass die Gene dafür verantwortlich sind, müssten sich viele Eltern weniger Sorgen machen. Allerdings hat das HMGA2-Gen auch eine gefährliche Seite: Wenn es mutiert, kann das zu Krebs führen

hda/ddp



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