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Erbgut entschlüsselt Wir sind alle ein bisschen Neandertaler

Knochenfunde: Ein Fitzelchen Neandertaler in uns
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Frank Vinken / Max-Planck-Gesellschaft

2. Teil: Puzzlearbeit mit Milliarden von DNA-Teilchen

Nun ist der erste Entwurf der Sequenz des Neandertaler-Genoms für jedermann frei zugänglich, in der "GenBank" der National Institutes of Health. Es ist eine zusammengestückelte Abfolge von Basenpaaren: Das genetische Material stammt von mehreren etwa 38.000 Jahre alten Knochen dreier weiblicher Neandertaler aus der berühmten Vindija-Höhle in Kroatien. Knapp 300 Milligramm Knochenpulver genügten den Wissenschaftlern. Daraus isolierten sie mehr als eine Milliarde DNA-Fragmente. Die meisten Schnipsel sind nur 50 bis 60 Basenpaare lang.

Es könne zwar sein, dass der Entwurf noch mit Fehlern behaftet sei, sagt Green. Doch das Herausragende dieser Arbeit ist, dass es Forschern erstmals gelungen ist, das Neandertaler-Genom mit dem des Homo sapiens zu vergleichen. Dazu sequenzierte das Team das gesamte Erbgut von fünf modernen Menschen europäischer, asiatischer und afrikanischer Abstammung.

Die Resultate überraschten die Forscher: Nicht nur, dass jetzt tatsächlich bewiesen ist, dass Neandertaler und Homo sapiens sich zumindest zu einem geringen Maße gekreuzt haben - wonach es zunächst nicht aussah. Überdies stellte sich heraus, dass der Neandertaler mehr genetische Gemeinsamkeiten mit den Menschen außerhalb Afrikas hat als mit Afrikanern. Zugleich ähnelt das Neandertaler-Genom der Sequenz von Europäern ebenso sehr wie der von Ostasiaten.

Doch wie kann das sein? Bis heute hat noch niemand Überreste von Neandertalern im Osten Asiens ausgegraben, weshalb Forscher davon ausgehen, dass sie vornehmlich in Europa und in Westasien zu Hause waren.

Beweiskatalog der positiven Selektion

Das einfachste Szenario der frühen menschlichen Entwicklungsgeschichte, das Pääbo und seine Kollegen skizzieren, leuchtet ein: "Neandertaler haben sich wahrscheinlich mit dem frühen modernen Menschen vermischt, bevor er sich in Europa und Asien in verschiedene Gruppen aufspaltete", sagt Pääbo. In Frage kommt dafür ein Zeitraum von 50.000 bis 100.000 Jahren im Mittleren Osten, in dem Menschen und Neandertaler dieselbe Region bewohnten.

Die Frage nach der geschlechtlichen Beziehung zwischen Neandertaler und Homo sapiens ist bei weitem nicht das einzige, was die Forscher interessiert. "Natürlich ist es eine reizvolle Vorstellung, dass einige von uns ein wenig Neandertaler-DNA in sich tragen", sagt Pääbo. "Aber für mich liegt der wahrscheinlich faszinierendste Aspekt dieses Projekts in der Möglichkeit, Beweise für eine positive Selektion kurz nach der Trennung der beiden Spezies zu suchen."

Welche Gene sind es also, die sich nach Teilung der zwei Menschenarten in der Bevölkerung ausbreiteten - und dem Homo sapiens am Ende einen Überlebensvorteil bescherten?

Manche Genmutationen brachten uns Vorteile

Einige Antworten darauf liefert die Tabelle - jener Katalog genetischer Regionen, deren Sequenzvariationen zwar beim Menschen häufig auftreten, nicht aber beim Neandertaler. 212 solcher Regionen fanden die Anthropologen. 20 davon lieferten besonders starke Hinweise auf eine positive Selektion.

Darunter befinden sich zum Beispiel drei Gene, die eine Rolle bei der geistigen Entwicklung spielen - und auch mit Down-Syndrom, Schizophrenie und Autismus in Verbindung gebracht werden. Bestimmte Mutationen, also Veränderungen in der Abfolge der Basenpaare, könnten jene kognitiven Fähigkeiten hervorgebracht haben, die letztlich zur Überlegenheit des Menschen führten. Zwei weitere auffällige Gene spielen beim Energiestoffwechsel und bei der Entwicklung des Schädelskeletts, des Schlüsselbeins sowie des Brustkorbs eine Rolle.

Jetzt ist es an der Gemeinde der Anthropologen, sich aus dem Katalog von Green, Pääbo und ihrer zahlreichen Kollegen zu bedienen - und zu erforschen, warum ausgerechnet diese genetischen Merkmale allen modernen Menschen gemein sind, nicht aber den Neandertalern.

Außerdem müssen die Max-Planck-Forscher auch noch das restliche Neandertaler-Genom entschlüsseln. Und vielleicht wird das Puzzle dann eines Tages tatsächlich vollständig sein - und verraten, warum es heute nur noch eine menschliche Spezies gibt.

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insgesamt 104 Beiträge
LJA 06.05.2010
Da bemühen sich doch die Forscher in aller Welt jahrzehnte lang verzweifelt (häufig auch aus religiösen Motiven) jegliche Verwandtschaft der heutigen Menschen mit den Neandertalern zu leugnen und dann so was. Eine kleine Gruppe [...]
Da bemühen sich doch die Forscher in aller Welt jahrzehnte lang verzweifelt (häufig auch aus religiösen Motiven) jegliche Verwandtschaft der heutigen Menschen mit den Neandertalern zu leugnen und dann so was. Eine kleine Gruppe mit High-Tec-Methoden wirft innerhalb kürzester Zeit alles wieder um. Werden wir mit dieser Schande leben können ? Der Schande unserer Herkunft meine ich, nicht mit der unserer teilweise sehr bornierten Paläontologenzunft. Damit dürfte auch klar sein, dass der Homo neanderthalensis nicht einfach verdrängt wurde. Er wurde assimiliert. Das heute nur noch wenig von seinem Erbgut in uns vorhanden ist, liegt vermutlich zum einen darin begründet, dass seine Zahl immer deutlich geringer war, als die des Homo sapiens. Seuchen und Naturkatastrophen, welche in den letzten 50.000 Jahren den menschlichen Genpool mehr als einmal kräftig dezimiert haben, dürften ein übriges getan haben.
atomkraftwerk 06.05.2010
Also was nun, da steht das Erbgut ist zu 99.7% identisch. Warum sollen wir dann nur 1-4% vom Neandertaler haben?
Also was nun, da steht das Erbgut ist zu 99.7% identisch. Warum sollen wir dann nur 1-4% vom Neandertaler haben?
fatalismo 06.05.2010
Das ist ja nun ein SPON-Schwachfug sondergleichen: Die von Ihnen 'entlüfteten' Rätsel hat - Scheißspiel - 'Bild der Wissenschaf' schon drei Jahre vor Ihnen aufgedeckt. Wenn Sie so weitermachen, werden Sie bald Josef Stalin [...]
Zitat von sysopEin zentrales Rätseln in der Evolution des Menschen ist gelüftet: Im Erbgut des modernen Menschen finden sich Spuren des Neandertalers - die beiden Arten haben sich vor Jahrtausenden tatsächlich gepaart. Anthropologen erhoffen sich von der nun veröffentlichten Genomsequenz neue Erkenntnisse. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,692855,00.html
Das ist ja nun ein SPON-Schwachfug sondergleichen: Die von Ihnen 'entlüfteten' Rätsel hat - Scheißspiel - 'Bild der Wissenschaf' schon drei Jahre vor Ihnen aufgedeckt. Wenn Sie so weitermachen, werden Sie bald Josef Stalin als Erfinder der Glühbirne outen.
unente 06.05.2010
Was ist denn daran neu, außer dass sich endlich jemand traut, das laut zu äußern. Was glauben denn alle, wie Menschen entstanden sind - plötzlich und dazu noch in so großer Anzahl, dass sie sich nur untereinander paaren konnten? [...]
Was ist denn daran neu, außer dass sich endlich jemand traut, das laut zu äußern. Was glauben denn alle, wie Menschen entstanden sind - plötzlich und dazu noch in so großer Anzahl, dass sie sich nur untereinander paaren konnten? Natürlich ist es eine langsame Entwicklung gewesen. Aus den gemeinsamen Vorfahren fächerten sich verschiedene Entwicklungen aus, die sich am Anfang auch noch kreuzten, bis ihre verschiedenen Entwicklungen so weit entfernt waren, dass man von "Menschen" und "Affen" sprechen kann. Wie viele Menschenunterarten es gab, weiß niemand. Man kennt den "Neandertaler" und findet immer wieder Hinweise auf andere Unterarten - gerade auch in diesem Jahr. Am Ende jedenfalls war der Homo sapiens die erfolgreichste Gattung und glaubt seitdem, sie wäre nie ein Verwandter des Affen gewesen.
Monastrol 06.05.2010
war eh klar. Neu ist, dass man bislang dachte, H. neanderthalensis hat sich parallel aber unabhängig zum H. sapiens entwickelt. Dass beide auf einen gemeisamen Urahn zurück gehen war unbestritten. Auf wiki findet man gute links [...]
war eh klar. Neu ist, dass man bislang dachte, H. neanderthalensis hat sich parallel aber unabhängig zum H. sapiens entwickelt. Dass beide auf einen gemeisamen Urahn zurück gehen war unbestritten. Auf wiki findet man gute links dazu. Gruss
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Homininen und Hominiden
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbenen gemeinsamen Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbenen Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.





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