Erbgut-Vergleich Maus und Mensch sind fast identisch

Zwischen dem Erbgut von Mensch und Maus besteht, wie eine Analyse des Mäuse-Chromosoms 16 zeigt, offenbar kaum ein Unterschied. Vom Nager trennen uns demnach nicht einmal drei Prozent der Gene.


Menschliche Chromosomen: Kaum Unterschiede zur Maus
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Menschliche Chromosomen: Kaum Unterschiede zur Maus

Mäuse und Menschen sind verblüffend ähnlich - zumindest in Hinblick auf ihre Gene. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, nachdem es das Chromosom 16 des Nagers nahezu vollständig entschlüsselt und mit Bereichen des menschlichen Genoms verglichen hat. Ihre Analyse veröffentlicht die Gruppe in der aktuellen Ausgabe des US-Fachmagazins "Science".

Die Wissenschaftler um Richard Mural von der US-Firma Celera Genomics identifizierten auf dem Erbgutträger der Maus insgesamt 731 Gene. Für den Großteil dieser Nager-Gene fanden die Forscher Entsprechungen im menschlichen Erbgut, nur für 14 scheint es keinen humanen Doppelgänger zu geben. Auf der anderen Seite fanden sich in den verglichenen Abschnitten nur 21 menschliche Gene, die nicht bei der Maus vorkamen.

Frühere Hochrechnungen waren von einem deutlich größeren Unterschied zwischen den Arten ausgegangen. Die Arbeit lässt vermuten, dass sich beide Genome offenbar nur geringfügig geändert haben, seit die Entwicklung vor rund 90 Millionen Jahren getrennte Wege ging. Im Schnitt bildete sich ein neues Gen oder verschwand ein altes nur alle 192.000 Jahre, so vorläufige Schätzungen.

Die große genetische Ähnlichkeit zwischen Maus und Mensch zeigt nach Ansicht der Wissenschaftler, wie wertvoll der Nager als Modelltier für die humanmedizinische Forschung ist. So enthielten viele der miteinander verglichenen Erbgutregionen Gensequenzen, die bei menschlichen Krankheiten eine Rolle spielen.

An der Analyse des Maus-Chromosoms waren mehr als hundert Forscher beteiligt, darunter auch Craig Venter, der Ex-Chef von Celera Genomics. Die Gruppe sequenzierte den Erbgutträger mit der so genannten Shotgun-Methode. Dasselbe Verfahren hatte Celera Genomics auch zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms eingesetzt.



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