Erbgutanalyse Moderne Menschen paarten sich mit Frühmenschen aus Sibirien

2008 sind die Überreste der Denisova-Menschen entdeckt worden. Nun hat sich herausgestellt, dass unsere Vorfahren vermutlich Sex mit den archaischen Menschen aus Sibirien hatten. Dies belegen Spuren im Erbgut. Die Spuren finden sich allerdings nur bei einem Teil der Menschheit.

Denisova-Höhle im Altai-Gebirge (Sibirien): Genetische Spuren der archaischen Verwandten
AP/ NATURE

Denisova-Höhle im Altai-Gebirge (Sibirien): Genetische Spuren der archaischen Verwandten


Washington - Unsere Vorfahren waren bei der Partnerwahl nicht allzu wählerisch. Nach der Auswanderung des modernen Menschen aus Afrika kam es mindestens zweimal zu einer Vermischung mit archaischen Menschengruppen, die bereits auf dem eurasischen Kontinent lebten. Zum einen zwischen den modernen Menschen und den Neandertalern, zum anderen zwischen den Vorfahren der Bewohner Ozeaniens.

Doch unsere Vorfahren haben sich auch mit den sogenannten Denisova-Menschen gepaart, wie schwedische Forscher nun im Fachblatt "Proceedings of the National Academies of Sciences" berichten. Von diesen archaischen Menschen sind in der namensgebenden Denisova-Höhle in Sibirien nur sehr wenige Überreste gefunden worden: ein Glied eines kleinen Fingers, ein Zahn und ein Zehenglied.

Pontus Skoglund und Mattias Jakobsson von der Universität Uppsala untersuchten Variationen im Erbgut der Frühmenschen und verglichen sie mit denen von mehr als 1500 heute lebenden Menschen aus aller Welt. Die Untersuchung ergab, dass es auch auf dem asiatischen Festland, vor allem in Südostasien, zu einer Vermischung von modernen und Denisova-Menschen kam. Im Erbgut der heute lebenden Menschen fanden sich genetische Spuren der archaischen Verwandten.

Bei Menschen aus anderen Teilen der Welt fanden die Forscher diese Spuren aber nicht. Sie folgern daraus, dass die Vermischung zwischen den beiden Populationen erfolgte, nachdem sich die Wege der Südostasiaten und der Europäer getrennt hatten. Dieser Zeitpunkt wird auf eine Spanne vor etwa 23.000 bis 45.000 Jahren geschätzt, er könne jedoch auch schon bedeutend früher gelegen haben, schreiben die Wissenschaftler.

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Denisova-Mensch: Der unbekannte Verwandte
Die Überreste der Denisova-Menschen waren erst 2008 von russischen Archäologen in der Höhle in Südsibirien entdeckt worden. Die Analyse des Erbguts aus den Knochen hatte ergeben, dass diese von einer zuvor unbekannten Urmenschenform stammten. Sie hatte zwar eine gemeinsame Herkunft mit dem Neandertaler, schlug dann aber einen anderen Entwicklungsweg ein.

hda/dpa

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