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Erde zu langsam: Silvesternacht wird um eine Sekunde verlängert

Eine kleine Pause haben Wissenschaftler der Welt verordnet: In der Silvesternacht bleiben Funkuhren um 0:59:59 für eine Sekunde lang stehen. So soll ausgeglichen werden, dass sich die Erde immer langsamer dreht.

Die Uhren werden angehalten - aber einen Jetlag braucht niemand zu fürchten. Denn die kommende Silvesternacht wird um lediglich eine Sekunde verlängert. Die International Earth Rotation and Reference systems Service (IERS) in Paris hat die Zugabe verordnet, da unsere Erde und die Atomuhren wieder etwas zu sehr aus dem Gleichtakt gekommen sind, und die exakte Uhrzeit der Erdbewegung nun eine Sekunde vorauseilt. Die letzte Schaltsekunde gab es im Jahr 2006.

Sekundenzähler: Der Forscher Andreas Bauch steht vor der Atomuhr CS 2 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig
DPA

Sekundenzähler: Der Forscher Andreas Bauch steht vor der Atomuhr CS 2 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig

Am ersten Januar 2009 werden Funkuhren nach 0:59:59 beim nächsten Sekundentick nicht auf 1 Uhr springen, sondern für eine Sekunde innehalten. Das Signal dafür wird die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig geben. Ausschließlich Funkuhren können es empfangen, herkömmliche Quarzuhren müssen per Hand nachgestellt werden.

Die Schaltsekunde ist nötig, damit auch künftig um 12 Uhr mittags die Sonne am höchsten steht und es um 24 Uhr mitten in der Nacht ist. Denn die Erde schwankt und torkelt ein wenig vor sich hin und wird in ihrer Drehbewegung sogar tendenziell langsamer – Ebbe und Flut wirken wie eine permanent schleifende Bremse.

Die Zeiteinheit Sekunde wurde 1967 als das 9.192.631.770-fache der Periodendauer eines Übergangs im Cäsiumatom festgelegt. Diese Definition orientierte sich an astronomischen Daten vergangener Jahrzehnte, in denen sich die Erde noch etwas schneller drehte als heute. Somit ist die damals definierte Sekunde kürzer als jene Zeiteinheit, die sich ergibt, wenn man den irdischen Tag von heute durch 24 mal 60 mal 60 teilt - exakt so viele Sekunden hat ein Tag. Der Unterschied habe sich im Mittel über die Jahre 1960 bis 2000 auf etwa eine Dreiviertelsekunde pro Jahr summiert, teilte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt mit.

Im Jahr 1972, als bereits eine Zeitdifferenz von zehn Sekunden aufgelaufen war – entschloss man sich, fortan eine Zeitskala mit Extrasekunden, eben den Schaltsekunden, als weltweite Referenzzeit zu verwenden. Schaltsekunden machen seitdem aus der Atomzeit die sogenannte koordinierte Weltzeit. Wie unregelmäßig schnell sich die Erde dreht, sieht man daran, dass zwischen 1999 und 2006 sieben Jahre vergehen mussten, bevor eine Schaltsekunde nötig wurde, nun wieder nur drei Jahre.

Das alle vier Jahre stattfindende Schaltjahr hat übrigens wenig mit der Schaltsekunde gemein. Mit dem eingefügten 29. Februar soll der Unterschied zwischen planmäßigem Kalenderjahr und dem mittleren Sonnenjahr ausgeglichen werden. Ohne Schaltjahre würden die Monate sich gegenüber den Jahreszeiten immer mehr nach vorn schieben - irgendwann würde der Dezember im Hochsommer liegen.

hda

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