Erderwärmung: Wasserverbrauch belastet Weltklima stärker als angenommen

Das Erdklima wird stärker als angenommen durch den weltweiten Wasserverbrauch belastet. Erstmals haben Forscher den sich daraus ergebenen Energieverbrauch gemessen: Allein die Wassernutzung in den USA verursacht fünf Prozent der Treibhausgas-Emissionen.

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dapd

Klärwerk: Energieverbrauch im Wassersektor steigt an

Britische Wissenschaftler von der University of East Anglia in Norwich fordern in einer Veröffentlichung im Fachmagazin "Nature Climate Change" eine genauere Analyse der Wasserkreisläufe. In ihrer Publikation kommen Declan Conway zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Der Wasserverbrauch durch Landwirtschaft, Industrie und Haushalte belastet das Erdklima stärker als bisher angenommen.

Declan Conway und seine Kollegin Sabrina Rothausen analysierten die bisher wenig beachteten Zusammenhänge zwischen Wasser, Energieverbrauch und Ausstoß von Treibhausgasen. In ihrer Übersichtsstudie werteten die Forscher erstmals Einzeldaten von insgesamt 100 wissenschaftlichen Berichten aus, um daraus die möglichen Folgen für die globale Erwärmung abzuleiten.

"Der Energieverbrauch durch den Wassersektor steigt an und bisher wird seine Bedeutung unterschätzt", sagt Conway. So verursache die Wassernutzung in den USA etwa fünf Prozent der landesweiten Treibhausgas-Emissionen. In Indien summiere sich der Ausstoß von Treibhausgasen, der allein von den Wasserpumpen für die Bewässerung der Felder verursacht werde, auf etwa sechs Prozent der klimarelevanten Emissionen, schreiben die Forscher in "Nature Climate Change".

Vier Gründe für den hohen Energiebedarf der Wasserwirtschaft nennen die Forscher in ihrer Analyse:

  • das Pumpen von Grund- und Oberflächenwasser
  • die anschließende Aufbereitung in Wasserwerken
  • das Aufheizen und Abkühlen in Haushalten und Industrie
  • die grobe Reinigung des Abwassers
Mit etwa 70 Prozent benötigt die Landwirtschaft den größten Anteil der jährlich genutzten 3800 Milliarden Kubikmeter Frischwasser weltweit. Im globalen Vergleich verbrauchen die indischen Landwirte am meisten Wasser: 646 Milliarden Kubikmeter. Auf Platz zwei folgen chinesische Bauern mit 550 Milliarden Kubikmeter. Amerikanische Farmer verbrauchen jährlich 477 Milliarden Kubikmeter Wasser.

Mit der anwachsenden Weltbevölkerung wird die Nahrungsmittelproduktion bis 2030 um etwa 50 Prozent zunehmen und dadurch den Wasser- und Energiebedarf der Landwirtschaft deutlich ansteigen lassen. Gemäß einer Schätzung der Landwirtschaftsbehörde der Vereinten Nationen vergrößert sich dabei die künstlich bewässerte Ackerfläche jedes Jahr um 0,6 Prozent.

Die Wissenschaftler halten intelligent gesteuerte Bewässerungssysteme und energiesparende Wege zur Wassergewinnung für nötig, um den Anstieg der Treibhausgas-Emissionen zu verlangsamen. Zusätzlich sollen weltweit einheitliche Messmethoden helfen, den Energieverbrauch und die Bedeutung der Wasserwirtschaft für die Erderwärmung Land für Land vergleichen zu können.

cib/dapd

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insgesamt 252 Beiträge
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    Seite 1    
1. Pumpspeicherkraftwerk Waldeck
Enrico_Fermi 27.06.2011
Was hat denn das Pumpspeicherkraftwerk Waldeck mit dem weltweiten Wasser- und damit verbundenen Energieverbrauch zu tun?
2. Macht nix...
unclevanya 27.06.2011
Dann holen wir uns das Wasser eben von anderen Sternen. Technik macht's möglich. - Hauptsache mehr Menschen auf Planet Erde, die immer mehr Junk produzieren, damit die "Wirtschaft wächst". Auf Teufel komm raus!
3. Tja...
sappelkopp 27.06.2011
...wir sind wohl zuviele, als dass wir noch schonend mit der Erde umgehen können. Jede Handlung auf der Erde hat eine Konsequenz. Auch das Einschalten des Rechners, um SPON zu lesen, ist klimaschädlich. Aber solange Gewinne bei Konzernen oder aber der Wohlstand des Einzelnen wichtiger als der Zustand unserer Erde ist, solange wird sich nichts ändern. Als Folge wird der Mensche aussterben, weil er sich seine Lebensgrundlage nimmt. Aber dann wird die Erde sich weiterentwickeln, neues Leben wird entstehen. Also, kein Grund zur Sorge!
4. ...
M. Michaelis 27.06.2011
Zitat von sysopDas Erdklima wird stärker als angenommen durch den weltweiten Wasserverbrauch belastet. Erstmals haben Forscher den sich daraus ergebenen Energieverbrauch gemessen: Allein die Wassernutzung in den USA verursacht fünf Prozent der Treibhausgas-Emissionen.
Es wird immer absurder. Am Ende kommt heraus dass der Mensch ansich das Weltklima belastet. Rettet das Klima, reduziert die Menscheit. Natürlich erfordert alles was der Mensch unternimmt Energie und diese Energie kommt weitgehend aus Quellen die bei der CO2 Gewinnung CO2 emittieren. Im übrigen bin ich gespannt was man draus folgert. Wenn das wie ich vermute wieder zu Wasserersparmaßnahmen führt geht der Schuß nach hinten los. Es gibt schon jetzt jede Menge unerwünsche Folgen des Wassersparens. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Verzicht auf das Erhitzen von Wasser.
5. EHEC ist vorbei, das Sommerloch naht und
nitram1 27.06.2011
schon sind wieder die hysteriker der Klimakirche am Märchenerzählen!?
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