Ergebnisse des Klimagipfels im Überblick: Neue Abkommen und ungelöste Probleme

Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert, die Entscheidung für ein weltweites Abkommen zum Klimaschutz ist auf 2015 vertagt. Und auch die Entwicklungsländer müssen auf Hilfe gegen die Folgen des Klimawandels warten: Die Ergebnisse des Klimagipfels im Überblick.

Kyoto-Protokoll verlängert

37 Industrieländer haben sich im Kyoto-Protokoll verbindliche Ziele zur Reduktion des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen gesetzt, darunter die 27 Staaten der EU. Die Vereinbarung galt ursprünglich nur bis Ende 2012 - nun wird sie bis 2020 verlängert. Vertreter mehrerer EU-Länder hatten sich zudem dafür ausgesprochen, künftig mehr CO2 einzusparen als geplant. Der Vorschlag scheiterte jedoch zunächst an den Einwänden Polens. Ende April 2014 wollen die Unterzeichner-Staaten noch einmal über eine mögliche Verschärfung der Ziele beraten.

Polen hatte sich zudem für eine weitere Sonderregelung eingesetzt: Die Staaten können Emissionsrechte aus der Zeit vor dem Abkommen - sogenannte "Hot Air" - weiter nutzen und unter bestimmten Einschränkungen auch verkaufen.

An anderer Stelle wurde die Regelung verschärft: Zu den sechs bislang entsprechend ihrer Klimaschädlichkeit in die CO2-Bilanz eingerechneten Treibhausgasen kommt im neuen Abkommen ein siebtes hinzu: Stickstofftrifluorid (NF3) dient zur Produktion von Flachbildschirmen und Solarzellen und wird oftmals als Ersatz für die verbotenen FCKW eingesetzt. Seine Produktionsmenge ist seit Mitte der Neunziger Jahre stark gestiegen.

Pläne für weltweites Klimaabkommen

Global gesehen sind die Auswirkungen des Kyoto-Protokolls begrenzt: Die Unterzeichnerstaaten sind nur für knapp 15 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Russland, Kanada, Japan und Neuseeland sind an der zweiten Verpflichtungsperiode nicht mehr beteiligt, die bedeutendsten CO2-Emittenten China und USA haben das Abkommen nie unterzeichnet.

Um langfristig alle Staaten in eine Klimaschutzvereinbarung einzubeziehen, soll bis 2015 ein neues Abkommen ausgehandelt werden. Dieses soll 2020 in Kraft treten. In Doha wurde dafür ein grober Arbeitsplan beschlossen. Die nächste Klimakonferenz findet im kommenden Jahr in Warschau statt. Bis dahin soll es mehrere Treffen geben, unter anderem in Bonn. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte zudem einen Weltgipfel für Klimaschutz im Jahr 2014.

Unterstützung von Entwicklungsländern

Die Entscheidung über finanzielle Hilfen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern wurde auf das kommende Jahr vertagt. Ab 2020 sollen dafür jährlich 100 Milliarden zur Verfügung zu stellen - die Finanzierung ist jedoch weitgehend ungeklärt. Am Rande der Klimakonferenz hatten verschiedene europäische Staaten insgesamt rund sieben Milliarden Euro zugesagt. Deutschland würde sich demnach mit 1,8 Milliarden Euro jährlich beteiligen. Eine Arbeitsgruppe soll ausloten, wie das Gesamtziel erreicht werden kann.

Auch für bereits entstandene oder nicht mehr vermeidbare Schäden des Klimawandels ("Loss and Damage") wird es zunächst keine Entschädigungen geben. Im Abkommen wird jedoch gefordert, die Verbindung von Erderwärmung und extremen Wetterereignissen weiter zu erforschen. Details für einen möglichen Hilfsmechanismus sollen auf der nächsten Konferenz ausgearbeitet werden.

usp/dapd/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
günter1934 08.12.2012
Zitat von sysopDas Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert, die Entscheidung für ein weltweites Abkommen zum Klimaschutz ist auf 2015 vertagt. Und auch die Entwicklungsländer müssen auf Hilfe gegen die Folgen des Klimawandels warten: Die Ergebnisse des Klimagipfels im Überblick. Ergebnisse des Weltklimagipfels in Doha im Überblick - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ergebnisse-des-weltklimagipfels-in-doha-im-ueberblick-a-871786.html)
Je weniger ein Klimagipfel an Ergebnissen bringt, desto besser hat er seinen Zweck erfüllt. Denn: Ändern tut sich sowieso nichts.
2. Wäre das Klima eine Bank
infernum 08.12.2012
... dann gäbe es schon lange ein richtiges Nachfolgeprotokoll und die 2°C wäre theoretisch noch zu halten. Wäre......
3.
günter1934 08.12.2012
Zitat von infernum... dann gäbe es schon lange ein richtiges Nachfolgeprotokoll und die 2°C wäre theoretisch noch zu halten. Wäre......
Klar! Wir wissen ja, was die Bankenrettungen gekostet haben. Für nix. Das müssen wir uns doch beim Klima nicht auch noch geben. Ich weiss nicht, wo Sie wohnen, aber wenn ich hier aus dem Fenster gucke und den Schnee sehe, mache ich mir um das Klima keine Sorgen. Ich weiss, das ist Wetter, aber schon seit 4 Jahren.
4. Ach Guenter1934
jomo17 09.12.2012
Zitat von günter1934Klar! Wir wissen ja, was die Bankenrettungen gekostet haben. Für nix. Das müssen wir uns doch beim Klima nicht auch noch geben. Ich weiss nicht, wo Sie wohnen, aber wenn ich hier aus dem Fenster gucke und den Schnee sehe, mache ich mir um das Klima keine Sorgen. Ich weiss, das ist Wetter, aber schon seit 4 Jahren.
Wenn Sie doch nur mal ueber den Tellerrand schauen wuerden - oder über das hinaus, was Sie aus Ihrem Fenster sehen. Selbst in Deutschland haben sich Vegetationsperioden verschoben, vermehren sich die Wetterextreme und steigt die Durchschnittstemperatur langsam aber stetig. Die letzten 10 Jahre gehörten allesamt zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Temperaturmessungen. Die USA erleben gerade das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Aber das sieht man natürlich nicht, wenn man im Winter aus dem Fenster schaut und meint, damit hatte man eine wissenschaftliche Erkenntnis gewonnen, die fundierter ist, als die gewissenhafte Arbeit seriöser Wissenschafter. Schauen Sie sich doch mal die Bilder der NASA zur Ausdehnung des Eisschildes in der Arktis an. Dazu brauchen Sie nicht einmal aus Ihrer Wohnung gehen. Danach koennen Sie sich ja wieder am Blick auf die Winterlandschaft aus Ihrem Fenster erfreuen.
5. Naja...
richardson-dutch 10.12.2012
Zitat von jomo17Wenn Sie doch nur mal ueber den Tellerrand schauen wuerden - oder über das hinaus, was Sie aus Ihrem Fenster sehen. Selbst in Deutschland haben sich Vegetationsperioden verschoben, vermehren sich die Wetterextreme und steigt die Durchschnittstemperatur langsam aber stetig. Die letzten 10 Jahre gehörten allesamt zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Temperaturmessungen. Die.....
"damit hatte man eine wissenschaftliche Erkenntnis gewonnen, die fundierter ist, als die gewissenhafte Arbeit seriöser Wissenschafter" als seriös würde ich das absolut nicht bezeichnen, was die Herren Klimaforscher so an Vermutungen und Theorien als unerschütterliche Tatsache in die Welt setzen! Es wird immer betont, man könne und dürfe einzelne Wetterereignisse nicht mit dem Klima verquicken. Doch genau das machen die Herrschaften ja mit Wonne. Jeder Herbststurm und Starkregen wird mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. "Schaut her, das kriegen wir dann immer öfter". Dabei ist nach wie vor kein Zusammenhang zwischen Einzelereignissen und dem Klimawandel an sich nachweisbar.
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