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Erhöhtes Sterberisiko: Trauer kann tödlich sein

Manche Menschen sterben buchstäblich an gebrochenem Herzen. Eine neue Studie zeigt, dass Personen, die eine geliebte Person verloren haben, mit einem erhöhten Risiko leben, selbst kurze Zeit später zu sterben.

Männer verwinden den Tod ihrer Frau schlechter als Frauen den ihrer Männer - das ergab eine Analyse von Margaret Stroebe und ihren Kollegen von der niederländischen Utrecht University, die nun im Fachblatt "The Lancet" erschien. Männer tragen ein stärker erhöhtes Risiko, kurz nach dem Tod der Gattin selbst zu sterben. Um 21 Prozent erhöhte sich bei Witwern das Risiko, in den Monaten nach dem Tod der Ehefrau ums Leben zu kommen. Bei verwitweten Frauen stieg das Risiko um 17 Prozent. "Die Muster sind recht konsistent", schreiben die Autoren der Studie, "sie erlauben den Schluss, dass die Sterblichkeit durch Trauer zu einem großen Teil auf ein sogenanntes gebrochenes Herz zurückzuführen ist, das psychologische Leid, das der Verlust auslöst."

Grabmal: Trauer um einen verstorbenen Ehegatten kann das eigene Leben verkürzen
DPA

Grabmal: Trauer um einen verstorbenen Ehegatten kann das eigene Leben verkürzen

Die konkreten Todesursachen sind allerdings andere: Im Zusammenhang mit Alkoholkonsum stehende Erkrankungen, Herzkrankheiten, Lungenkrebs und auch Selbstmord zählen dazu. In einer der zahlreichen Studien, die in die Analyse einflossen, wurde ein dreifach erhöhtes Suizidrisiko für Männer festgestellt, die ihre Frau verloren hatten.

Trauernde tragen auch ein erhöhtes Risiko für eine Reihe anderer medizinischer Probleme und erleiden auch häufiger psychische Störungen. Zu den häufigeren Problemen gehören Depression, Verzweiflung, Appetitlosigkeit und Erschöpfungszustände. Besonders Männer greifen nach dem Tod ihrer Frau auch häufiger zur Flasche - Alkoholkonsum und erhöhter Stress tragen zu den übrigen Problemen noch zusätzlich bei.

Mit wachsendem Abstand sinkt das Risiko

Die Zeit kann seelische Wunden aber auch heilen, bestätigt Margaret Stroebe: "Die gesteigerte Sterblichkeitsrate bei Verwitweten ist in den ersten Monaten besonders hoch und nimmt mit zunehmender Dauer der Trauerzeit ab. Personen, die erst kürzlich jemanden verloren haben, tragen ein größeres Risiko als Menschen, die schon länger trauern, auch wenn ein erhöhtes Risiko fortbestehen kann."

Inwieweit Trauer auch beim Verlust anderer Angehöriger als dem Ehegatten ein Gesundheitsrisiko darstellt, geht aus den ausgewerteten Studien nicht klar hervor - es mangelt an Daten. Eine dänische Studie etwa zeigte, dass Väter und Mütter besonders in den ersten 30 Tagen nach dem Verlust eines Kindes ein erhöhtes Suizidrisiko tragen - das umso größer ist, je jünger das verstorbene Kind war.

cis

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