Gedächtnis Faust hilft Hirn

Wer sich etwas merken will, sollte vorher die rechte Hand zur Faust ballen - das zumindest wollen Psychologen herausgefunden haben. Im Experiment zeigte sich: Wer den Faust-Trick richtig anwendet, erinnert sich besser.

Geballte Faust: Wer erst die Rechte und dann die Linke anspannt, erinnert sich besser
DPA

Geballte Faust: Wer erst die Rechte und dann die Linke anspannt, erinnert sich besser


Ballt sich die Hand zur Faust, bedeutet das meist vor allem eins: Es wird in naher Zukunft Ärger geben. Jetzt aber hat ein Experiment ergeben, dass eine solche Fingerübung auch dabei helfen kann, sich an Erlerntes zu erinnern.

Das gilt zumindest für Rechtshänder, wie US-Psychologen jetzt im Online-Fachjournal "PLoS ONE" berichten. Das Team um Ruth Propper von der Montclair State University bat 51 Rechtshänder zum Experiment: Sie sollten gar nicht oder zweimal kurz hintereinander mit derselben Hand für 45 Sekunden einen kleinen Gummiball zu drücken und sich dabei auf ein X auf einem Bildschirm zu konzentrieren. Anschließend sollten alle Probanden versuchen, sich die 36 Wörter zu merken, die auf dem Bildschirm vor ihnen erschienen. Zuletzt sollten sie so viele Wörter wie möglich wiedergeben, nachdem sie zuvor wieder mit einer Hand zugedrückt oder nichts dergleichen getan hatten.

Dabei zeigte sich, dass die Probanden am besten abschnitten, die beim Lernen mit rechts, beim Abrufen der Information aus ihrem Kurzzeitgedächtnis dagegen mit links gedrückt hatten. Sie erinnerten sich im Schnitt an elf Wörter, von denen neun korrekt waren. Damit war die Trefferquote fast doppelt so hoch wie bei der Gruppe, deren Mitglieder sowohl beim Lernen als auch beim Erinnern die linke Faust geballt hatten. Am zweitbesten schnitten die Probanden ab, die überhaupt nicht gedrückt hatten: Sie waren nur wenig schlechter als die Top-Gruppe.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass einfache Bewegungen das Gedächtnis verbessern können, etwa durch zeitweise Veränderung der Gehirnaktivität", meint Propper. Diese Aktivität wurde bei den Versuchen allerdings nicht gemessen, schränkt sie ein. Dennoch könnten diese Versuche sich als eine wertvolle und einfache Methode erweisen, die unterschiedliche Spezialisierung der beiden Gehirnhälften für verschiedene Aufgaben zu untersuchen.

Trotz der geringen Probandenzahl sind die Ergebnisse nach Auskunft der Forscher statistisch signifikant. Die Studie unterstreiche zudem die zuvor schon bekannte These, dass eine vordere linke Hirnregion für das Merken von Wörtern zuständig ist und eine rechte für deren Wiedergabe. Im Gehirn kreuzen sich die Nervenstränge, so dass Bewegungen der rechten Körperhälfte in der Regel mit der linken Gehirnhälfte verbunden sind und umgekehrt.

mbe/dpa



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