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Ernährung von Kindern: Flaschennahrung erhöht Risiko für Übergewicht

Wie lange soll man seinem Baby das Fläschchen geben? Nicht zu lange, meinen Forscher aus den USA. In einer Großstudie mit Tausenden Kleinkindern haben sie gezeigt: Wer mit zwei Jahren noch an der Flasche nuckelt, neigt bereits als Fünfjähriger zu erhöhter Fettleibigkeit.

Kind mit Milchfläschchen: Stillen soll vor Übergewicht schützen Zur Großansicht
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Kind mit Milchfläschchen: Stillen soll vor Übergewicht schützen

Frisch gebackene Eltern stehen vor einem Wust an Entscheidungen. Es gilt, das Beste fürs Kind zu tun. Doch was ist wirklich das Beste? Allein wenn es um die richtige Ernährung für den Nachwuchs geht, ist die Vielfalt an Empfehlungen und Ratschlägen verwirrender denn je. Einer der Streitpunkte ist die Dauer der Stillzeit, die oft zwischen den Extremen schwankt: Entweder gar nicht stillen, oder stillen, bis das Kind schon längst laufen und reden kann.

Ähnlich ausufernde Diskussionen lassen sich über Flaschennahrung führen. Eine Großstudie aus den USA liefert möglicherweise nun einen weiteren Eintrag in Ratgeber für Mütter. Wie im Fachmagazin "Journal of Pediatrics" nachzulesen ist, haben sich Rachel Gooze von der Temple University in Philadelphia und Kollegen mit der Frage beschäftigt, ab wann Flaschennahrung das Risiko für Übergewicht steigen lässt.

Zu diesem Zweck analysierten die Wissenschaftler die Daten von insgesamt 6750 Kindern, die alle im Jahr 2001 in den USA geboren wurden. 22 Prozent der Kinder gehörten zur Gruppe der längeren Fläschchentrinker. Dazu zählten jene Kinder, die im Alter von zwei Jahren hauptsächlich mit der Flasche gefüttert wurden und/oder vor dem Schlafengehen noch eine Flasche Muttermilchersatz bekamen.

Das Ergebnis der Studie: 23 Prozent dieser Kinder waren übergewichtig, als sie das Durchschnittsalter von 5,5 Jahren erreicht hatten. Oder wie Robert Whitaker, einer der Studienautoren es ausdrückt: "Kinder, die im Alter von 24 Monaten immer noch mit der Flasche gefüttert werden, haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, mit 5,5 Jahren übergewichtig zu sein." Die Ergebnisse seien unabhängig davon, welches Gewicht etwa die Mutter hatte, oder welches Gewicht das Baby bei seiner Geburt auf die Wage brachte. Ebenso habe es keine Rolle gespielt, so Whitaker, wie die Stillpraktiken der Mütter während des Säuglingsalters gewesen seien.

Vor dem Schlafengehen ein Fläschchen Milch

Die Forscher glauben, das Füttern mit der Flasche über das Säuglingsalter hinaus, könne zu Übergewicht führen, weil die Kinder so leichter dazu gebracht würden, zu viele Kalorien aufzunehmen. "Ein zweijähriges Mädchen, das durchschnittlich groß und schwer ist und abends im Bett noch rund 200 Milliliter Milch zu trinken bekommt, nimmt ungefähr zwölf Prozent ihres Kalorienbedarfs über dieses Fläschchen ein", erklärt Rachel Gooze.

Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, Kleinkindern im Alter von einem Jahr das Flaschentrinken abzugewöhnen. Den Kindern würde das nicht schaden, und es würde helfen, Fettleibigkeit zu vermeiden, so Gooze.

Dass Flaschennahrung mit dem Risiko für Übergewicht in Zusammenhang steht, hatten Ernährungsforscher von der Universität München 2009 schon einmal ähnlich nachgewiesen: Sie konnten zeigen, dass Babys, die gestillt werden, langsamer zunehmen als Kinder, die mit der Flasche gefüttert werden. Dieser langsamere Gewichtsaufbau trägt dazu bei, dass gestillte Kinder später weniger zu Übergewicht neigen. Die Forscher untersuchten zwei Jahre lang 934 Kinder. Während 298 Babys gestillt wurden, bekamen die übrigen 636 Säuglinge im ersten Jahr Muttermilchersatz, wobei der Eiweißanteil der Fertignahrung schwankte.

Nach zwei Jahren hatten jene Kinder, die mit eiweißärmerem Milchersatz ernährt wurden, bei gleicher Größe weniger Gewicht als jene, deren Milch mehr Protein enthielt. Eine Studie aus Dortmund aus demselben Jahr kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Kleinkinder ab einem Jahr häufig zu viel Eiweiß zu sich nehmen - hauptsächlich über Kuhmilch. Hersteller von Babynahrung haben längst das Potential dieser Ergebnisse entdeckt und bieten deshalb spezielle Kindermilch an.

cib

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1. Empfehlung
ein netter Mann 05.05.2011
Zitat von sysopWie lange soll man seinem Baby das Fläschchen geben? Nicht zu lange, meinen Forscher aus den USA.*In einer Großstudie*mit Tausenden Kleinkindern haben sie gezeigt:*Wer*mit zwei Jahren noch an der Flasche nuckelt, neigt bereits als Fünfjähriger zu erhöhter Fettleibigkeit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,760672,00.html
Empfehlung: Als Mutter und Großmutter kann ich nur raten: stillen (auch 2 Jahre). Nach der Geburt kein Zufüttern - nur stillen. Statistisch können nur ca. 2 Prozent der Mütter organisch nicht stillen. Gestillte Kinder benötigen bis zum 9 Lebensmonat keine Zusatznahrung. Leider mögen diese Feststellungen unsere Lebensmittelkonzerne nicht so gern hören, diesen geht es nur um den Profit. Flaschennahrung - nur wenns unbedingt sein muß!
2. @ ein netter Mann
nine1011 05.05.2011
Als Mutter und Großmutter sollten Sie darüber aufgeklärt werden, dass Muttermilch ab vier Monaten für die Ernährung eines Kindes sehr wohl nicht mehr ausreicht. Die Eisenvorräte des Kindes, sowie die Calciumvorräte müssen aufgefüllt werden. Frauenmilch kann dies allein nicht decken. Aus diesem und auch aus allergieprohylaktischen Gründen sollte zugefüttert werden. Denn das Stillen macht nur Sinn, wenn die sog. Antiallergene der Muttermilch auch mit Allergenen aus der Nahrung in Kontakt kommen. Die jahrelange Vermeidungsstratgie hat allein dazu geführt, dass ausschließlich gestillte Kinder (so wie Sie es empfehlen!) nicht nur mangelernährt sind, sondern auch erhöht zu Allergien neigen. Das Argument die Nahrungsmittelindustrie verdient an der Babynahrung und sog. Muttermilchersatz, lasse ich nicht gelten. Ich sage: sogenannte Stillberaterinnen, Milchpumpenhersteller, Stillöl-hersteller, Hersteller für Still-BHs, Still-Tee, Nahrungsersatzmittel für stillende Mütter und die Zugehörigen zahlreicher Stillkommissionen verdienen auch nicht zu knapp an dem ganzen STILL-DRILL. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass Hebammen, Ärzten etc. verboten werden sollte, Werbung fürs Stillen zu machen; einzig aus dem Grund, dass eine (werdende) Mutter die Möglichkeit haben soll, ihre eigene Meinung zu bilden und nicht beeinflusst werden soll von vorgefertigten Meinungen und Überzeugungen, die sie in eine Richtung drängen, die sie letzlich evtl. sogar am Stillen hindern könnte. Es geht gar nicht um ein Entweder Oder. Das Stillen und das Zufüttern sollte lange nebeneinander existieren können. @ ein netter Mann: bevor Sie solche Plattitüden verbreiten, sollten Sie sich doch in Zukunft genauer überlegen, was die Basis dessen ist, was Sie da sagen/schreiben und das die Konsequenz ist, dass es Menschen gibt, die mit den Folgen ein Leben lang leben müssen.
3. Seit der Steinzeit haben Mütter ihre Babies
IsaDellaBaviera 05.05.2011
ausschließlich mit Muttermilch großgezogen. Und wie man sieht, hat es prächtig funktioniert. Die Natur weiss also ganz genau, was Sie tut und welche und wieviel Nahrung Babies brauchen. Das hohe Geburtsgewicht von vielen Neugeborenen und das extrem hohe Körpergewicht von bemerkenswert vielen Babies und Kleinkindern macht mir sehr große Sorgen, denn eine unserer vielen Zivilisationskrankheiten ist die Überernährung, die unter anderem auch zu Übergewicht führt. Übergewicht kann aber durchaus auch andere Ursachen haben - beispielsweise können Toxine, also Gifte wie Weichmacher, die sich in der Nahrung, dem Schnuller, dem Fläschchen, der Kleidung, der Windel und dem Spielzeug befinden, dafür verantwortlich sein. Denn diese Weichmacher, die aus allen Kunststoffen und jedem Plastikprodukt ausdampfen, stehen mittlerweile im Verdacht auch bei unserem Nachwuchs für Übergewicht zu sorgen. LIEBE ELTERN! Bitte sehen Sie sich meinen Film auf YOUTUBE unter dem Suchbegriff 'IsaDellaBaviera' oder dem Suchbegriff 'Fashion Model Diät' an --- dort erkläre ich Ihnen die Zusammenhänge zum Thema: Weichmacher sind Dickmacher! Denn obwohl es bei diesem Beitrag eigentlich um 'Abnehmen & schlank werden durch Entgiften' für Jugendliche und Erwachsene geht, werden Sie das Prinzip verstehen und erkennen, dass das im Grunde auch auch für Babies und Kinder gilt.
4. Das gesunde Mittelmaß
annakusa, 05.05.2011
STILL-DRILL - das hat mir gefallen ;-) Man wird - besonders in Deutschland - schon ziemlich unter Druck gesetzt, wenn man nicht stillt. Viele halten einen gleich für eine Rabenmutter, für zu faul, ausgehgeil oder was auch immer. Ich konnte nicht stillen (nein ich erkläre jetzt NICHT, warum). Und nein, ich habe meinen Sohn nicht mit der "chemischen Ersatzmilch, die eigentlich nur Zuckerplörre ist und mit der die bösen Hersteller schon Babys abhängig machen, abgefüllt". Sondern ich habe meinen Sohn liebevoll mich Säuglingsersatznahrung gefüttert, einem Produkt, das sicher zu den meistkontrollierten und bestüberwachten überhaupt zählt. Mein Sohn wird übrigens demnächst vier Jahre alt und ist so dick wie ein Fahrradspeiche ;-) Ich denke, das gesunde Mittelmaß ist wie immer der richtige Weg. Einige Monate stillen (wer kann), irgendwann mit Beikost starten, wer mag kann auf die Flasche umsteigen - es gibt ja auch Frauen, die aus beruflichen Gründen gar nicht anders können. Zwei Jahre NUR stillen halte ich für unverantwortlich. Steinzeit hin oder her. Mag sein, dass die Steinzeitmenschen ihre Kinder bis zum 2. Lebenjahr noch zusätzlich gestillt haben, aber nicht ausschließlich. Und von der Sterblichkeitsrate wollen wir mal lieber nicht reden!
5. ...
CorvusCornix 05.05.2011
Zitat von annakusaSTILL-DRILL - das hat mir gefallen ;-) Man wird - besonders in Deutschland - schon ziemlich unter Druck gesetzt, wenn man nicht stillt. Viele halten einen gleich für eine Rabenmutter, für zu faul, ausgehgeil oder was auch immer. Ich konnte nicht stillen (nein ich erkläre jetzt NICHT, warum). Und nein, ich habe meinen Sohn nicht mit der "chemischen Ersatzmilch, die eigentlich nur Zuckerplörre ist und mit der die bösen Hersteller schon Babys abhängig machen, abgefüllt". Sondern ich habe meinen Sohn liebevoll mich Säuglingsersatznahrung gefüttert, einem Produkt, das sicher zu den meistkontrollierten und bestüberwachten überhaupt zählt. Mein Sohn wird übrigens demnächst vier Jahre alt und ist so dick wie ein Fahrradspeiche ;-) Ich denke, das gesunde Mittelmaß ist wie immer der richtige Weg. Einige Monate stillen (wer kann), irgendwann mit Beikost starten, wer mag kann auf die Flasche umsteigen - es gibt ja auch Frauen, die aus beruflichen Gründen gar nicht anders können. Zwei Jahre NUR stillen halte ich für unverantwortlich. Steinzeit hin oder her. Mag sein, dass die Steinzeitmenschen ihre Kinder bis zum 2. Lebenjahr noch zusätzlich gestillt haben, aber nicht ausschließlich. Und von der Sterblichkeitsrate wollen wir mal lieber nicht reden!
Danke... während unsere Tochter gegen alle Widrigkeiten von meiner Frau 6M voll gestillt wurde, bevor sie mit der Beikost anfing, haben unsere Söhne die Brust energisch verweigert und bekamen Säuglingsersatznahrung. Erstaunlich, daß unsere (mittlerweile) schlanke Tochter, die zudem das geringste Geburtsgewicht hatte, gegenüber ihren Brüdern eine richtiger Moppel war. Was uns bei dieser Fläschchendiskussion immer schon gestört hat, ist, daß in KEINER Untersuchung darauf eingegangen wird, daß es PRE, 1er, 2er UND 3er Nahrung gibt. Es ist nämlich ein beträchtlicher Unterschied, ob ein Kind bis zum "Abflaschen" nur die PRE bekommt oder aber schnellstmöglich nach Herstellerempfehlung an die 3er rangeführt wird. Woher wissen Sie das? Selbst die von uns immer als glorreiches Beispiel herangezogen Naturvölker füttern teilweise schon ab den ERSTEN Tag zu. Also woher wissen Sie, daß Steinzeitmütter ausschließlich stillten. Wie kommt es dann, daß die Natur ein Verhungern der Säuglinge in Kauf nimmt in Zeiten der Nahrungsknappheit (mangelnde Milchbildung) oder durch fehlende "Stillbereitschaft" seitens Mutter und/oder Kind? Kommt übrigens auch öfter als man denkt im Tierreich vor.
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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40


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