Ernährungsstudie Gesunde Lebensweise senkt Risiko für chronische Leiden

Wer nicht raucht, sich viel bewegt, gesund isst und kein Übergewicht hat, senkt sein Risiko für chronische Krankheiten um 78 Prozent. Einer Langzeitstudie aus Potsdam zufolge sinkt die Diabetes-Gefahr sogar um 93 Prozent.


Potsdam - Eine gesunde Lebensweise senkt das Risiko für chronische Krankheiten noch deutlicher als bislang vermutet: Wer noch nie geraucht hat, viel Obst, Gemüse, Vollkorn und dafür wenig Fleisch isst, kein massives Übergewicht hat und sich pro Woche mehr als dreieinhalb Stunden bewegt, reduziert im Vergleich zu Menschen mit gegenteiligem Verhalten sein Erkrankungsrisiko um 78 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke mit mehr als 23.000 Teilnehmern.

Rauchen und Übergewicht: Zwei wichtige Risikofaktoren für chronische Krankheiten
DPA

Rauchen und Übergewicht: Zwei wichtige Risikofaktoren für chronische Krankheiten

Im Einzelnen sinkt bei einer derart bewussten Lebensweise das Diabetes-Risiko sogar um 93 Prozent und die Gefahr eines Herzinfarkts um 81 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, vermindere sich immerhin um die Hälfte und das Krebsrisiko um 36 Prozent, teilte das Institut am Montag mit.

Die Wissenschaftler hatten 23.153 Teilnehmer im Alter zwischen 35 und 65 acht Jahre lang beobachtet. In regelmäßigen Abständen mussten sie Fragebögen zu ihrem Gesundheitszustand und zu Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten beantworten. Für ihre Untersuchung definierten die Forscher vier Faktoren, die sich günstig auf die Gesundheit auswirkten:

  • Body-Mass-Index unter 30
  • mindestens 3,5 Stunden Bewegung pro Woche
  • gesunde Ernährung (viele Früchte, Gemüse und Vollkorn-Produkte, wenig Fleisch)
  • niemals rauchen

Die Wissenschaftler analysierten das Auftreten von Diabetes mellitus Typ 2, Krebs, Schlaganfällen oder Herzinfarkten.

Neun Prozent der Testpersonen erfüllten alle vier Kriterien einer gesunden Lebensweise. Nur vier Prozent der Probanden wiesen keine dieser positiven Merkmale auf. Den meisten Teilnehmern konnten die Wissenschaftler ein bis drei der Kriterienpunkte zuordnen. Generell galt nach Auskunft des Instituts: Je mehr der vier Merkmale die Teilnehmer aufwiesen, desto geringer war ihr Erkrankungsrisiko.

Niedriger BMI besonders wichtig

Die Forscher untersuchten auch, welche Kombination der gesundheitsfördernden Verhaltensweisen besonders günstig ist. Wer etwa einen Body-Mass-Index (BMI) unter 30 aufweist, vermindert laut der in der Fachzeitschrift "Archives of Internal Medicine" veröffentlichten Analyse allein dadurch sein Risiko für chronische Krankheiten um mehr als die Hälfte. "Dies trifft besonders auf das Typ-2-Diabetesrisiko zu", sagte Studienleiter Heiner Boeing. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat.

Wer nicht nur einen BMI unter 30 hat, sondern darüber hinaus noch nie geraucht hat, senkt die Gefahr, chronisch zu erkranken, sogar um 70 Prozent. "Aber auch Raucher und Ex-Raucher können ihr Risiko durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht um bis zu 70 Prozent senken", so Boeing. Am wenigsten Krankheiten hatten durchschnittlich jene Teilnehmer, die nach alle vier Kriterien lebten: Ihr Risiko chronisch zu erkranken konnten sie um 78 Prozent senken.

Das Fazit der Forscher: Wer vier einfache Regeln zu einem gesunden Lebensstil befolge, könne einen großen Einfluss auf das Risiko der Entwicklung von chronischen Krankheiten nehmen, schreiben sie in ihrer Publikation.

Immer wieder kommen Studien zu dem Schluss, dass die Kombination aus Rauchen und Übergewicht die Lebensdauer besonders stark verkürzt. Schwedische Wissenschaftler berichteten etwa im "British Medical Journal", dass jene Jugendliche ihrer Gesundheit besonders schaden, die schon als Kinder zu dick sind und als Jugendliche zusätzlich noch rauchen: Die Arterien verkalken, der Blutdruck steigt, Diabetes droht.

Und das ist nicht nur gefährlich, sondern auch teuer: In den USA beziffert eine neue Studie die Ausgaben für Krankheiten in Zusammenhang mit Übergewicht auf inzwischen 147 Milliarden Dollar (103 Milliarden Euro) pro Jahr. Das entspreche einem Anstieg von 89 Prozent seit 1998, heißt es in einem Ende Juli veröffentlichten Report der US-Regierung und des Forschungsinstituts RTI International.

hei/AP



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