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Ernüchterndes Konterfei: Antike Silbermünze zeigt hässliche Kleopatra

Sie gilt als die Traumfrau der Antike: Shakespeare, Hollywood und Asterix trugen zum Image Kleopatras als ätherischer Schönheit bei. Historiker fürchten schon lange, dass dies nicht der Realität entspricht. Jetzt fanden britische Forscher eine Silbermünze mit dem Profil einer sehr mediokren Kleopatra.

Ihr gutes Aussehen ist fast jedem ein Begriff - doch in Wirklichkeit war Kleopatra keine besondere Schönheit. Eine fliehende Stirn, das Kinn spitz, die Nase kantig und die Lippen schmal: So zeigt eine antike Münze, die britische Archäologen jetzt präsentieren, die angebliche Schönheitskönigin.

Von William Shakespeare bis zu Asterix wurde ihr gutes Aussehen gepriesen, und in dem berühmten Film "Kleopatra" wurde die ägyptische Königin von der schönen Elizabeth Taylor gespielt. Tatsächlich aber sei die Herrscherin keineswegs hübsch gewesen, sagen britische Archäologen von der Universität Newcastle. Sie haben das Abbild der Königin und ihres Geliebten Marcus Antonius auf einer Münze untersucht, die sie jetzt in Newcastle vorstellten.

Die von den Wissenschaftlern untersuchte antike Münze stammt aus dem Jahr 32 vor Christus. Ihr Wert betrug ein Dreihundertstel des Soldes eines römischen Soldaten und wurde vermutlich zur Bezahlung der Soldaten in Ägypten genutzt. Seit 1920 befand sich das Geldstück bereits in Newcastle - lag seitdem aber in einem Banktresor. Erst kürzlich wurde es wiederentdeckt. Münzen zu untersuchen gilt als eine der besten Methoden zu Bestimmung der Gesichtszüge von Herrschern.

Keine Ähnlichkeit mit Königin Liz

Ähnlichkeit mit Elizabeth "Liz" Taylor in dem berühmten Film "Kleopatra" von 1963 habe sie keineswegs gehabt. Und auch Marcus Antonius, in dem Film von Richard Burton dargestellt, kommt bei den Wissenschaftlern nicht gut weg. Der langjährige Liebhaber von Kleopatra habe hervortretende Augen, einen langen Hals und eine Hakennase gehabt, berichten sie.

"Die römischen Schriftsteller erzählen von einer intelligenten und charismatischen Kleopatra, sie sagen, dass sie eine verführerische Stimme hatte", sagte Lindsay Allason-Jones, Direktorin des Archäologischen Museums der University of Newcastle. Aber: "Sie erwähnen nie ihre Schönheit."

Das Bild von Kleopatra als schöne Verführerin sei deutlich jünger, es gehe auf den mittelalterlichen englischen Dichter Geoffrey Chaucer und auf Shakespeare zurück. "Das ist eine dieser ewig währenden Mythen, die verewigt wurden, weil Menschen wie Elizabeth Taylor Kleopatra spielten. So etwas ist sehr schwer aus der Vorstellung der Menschen zu bekommen."

Kleopatra VII. regierte von 48 bis 30 vor Christus in der ägyptischen Stadt Alexandria. Sie war die Geliebte Caesars, mit dem sie einen Sohn hatte, und konnte auf diese Weise ihre Machtstellung im römischen Protektorat bewahren. Ihre spätere Beziehung zu Marcus Antonius war nicht zuletzt deshalb zum Scheitern verurteilt, weil dieser im römischen Machtkampf gegen Octavianus, den späteren Kaiser Augustus, unterlag. Daraufhin nahmen sich die beiden das Leben.

Schon eine Ausstellung im vergangenen Jahr hatte gezeigt, was Forscher seit Jahrzehnten mutmaßen: Die sagenumwobene Schönheit jener Traumfrau der Antike gehört wohl eher zum Mythos als zur historischen Realität. Ihr ehemaliges Herrschaftszentrum hingegen verblüfft die Forscher noch heute. So fanden Unterwasserarchäologen im Hafenbecken von Alexandria Kleopatras versunkene Welt wieder.

hei/AFP/AP

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Kleopatra: Die Traumfrau der Antike

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