Echa Chemikalienbehörde fordert mehr Transparenz von der Industrie

Der EU-Chemikalienbehörde Echa fehlen regelmäßig erforderliche Informationen zur Sicherheitsbewertung potenziell gefährlicher Substanzen. Die Hersteller müssten nachbessern, heißt es in einem Bericht.

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Von Bernhard Pötter


Die chemische Industrie in Europa liefert den Behörden für die Sicherheitsüberprüfung ihrer Produkte in den meisten Fällen nicht die erforderlichen Informationen. Sowohl bei der Anmeldung von Stoffen als auch bei der Transparenz zu Tierversuchen monieren die Aufsichtsgremien der EU und der Mitgliedstaaten, dass in einem Großteil der Fälle wichtige Angaben fehlen. Das geht aus einem Bericht der EU-Chemikalienagentur Echa hervor, der am Donnerstag in Helsinki vorgestellt wurde.

"Es braucht Anstrengung von allen Akteuren, damit die Sicherheitsdaten, die die Firmen zur Verfügung stellen, dem Gesetz entsprechen", mahnte ECHA-Exekutivdirektor Björn Hansen.

Seit 2018 sind Unternehmen nach der europäischen Richtlinie zur Chemikaliensicherheit (Reach) verpflichtet, alle Chemikalien ab einer jährlichen Produktionsmenge von einer Tonne oder mehr bei der Echa zu registrieren. Diese Anmeldung begann 2010 mit den Stoffen, die in den größten Mengen gehandelt wurden. Seit vorigem Jahr gilt sie für alle Substanzen, die neu auf den Markt kommen. Die Sicherheitschecks führen die Firmen selbst durch und melden ihre Ergebnisse anschließend an die Behörde zurück.

Nachfragen bei 74 Prozent aller untersuchten Stoffe

Überprüft wird dabei etwa, ob die Stoffe Krebs erregen, das Erbgut verändern, sich in der Umwelt anreichern oder giftig sind. Von den insgesamt mehr als 21.000 bislang angemeldeten Wirkstoffen testet die Echa die eingereichten Unterlagen nur in Stichproben.

Seit Jahren fehlen bei den Untersuchungen wichtige Daten, gerade bei den gefährlichsten Stoffen, die die Kontrolleure besonders im Auge haben. 2018 untersuchte die Echa die Registrierdaten von 286 Produkten. In 211 Fällen, also bei 74 Prozent, bat sie die Hersteller um mehr Informationen darüber, ob die Produkte sicher angewandt werden. Auch bei den Anmeldungen von Tierversuchen gab die Kontrollbehörde nur in 30 Fällen grünes Licht - 168 Vorschläge dagegen entsprachen nicht den EU-Vorgaben, heißt es in dem Bericht.

Unter den Substanzen, über die die Echa mehr wissen will, sind zum Beispiel Xylole (leicht entflammbar, ätzend), Beta-Pinen (sehr giftig für Wassertiere) oder Decahydronaphtalin (ätzend und bei Einnahme potenziell tödlich).

"Die Datenlücken müssen geschlossen werden"

Für Tatiana Santos, Chemieexpertin beim EU-Dachverband der Ökoverbände (EEB), sind die Zahlen der Beleg dafür, dass "der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt bei fast drei Viertel aller 2018 überprüften Substanzen nicht gewährleistet ist. Die Behörden tappen bei den meisten Stoffen im Dunkeln, weil die Industrie es versäumt hat, die Sicherheit ihrer Produkte zu zeigen." Der Bericht der Echa und die Ermahnung, mehr zu tun, zeigten, "dass die Tage der laxen Regulierung vorbei sind".

Der europäische Dachverband der chemischen Industrie Cefic hat in einer Erklärung "anerkannt, dass die Datenlücken schneller und effektiver geschlossen werden müssen".

Auch der deutsche "Verband der chemischen Industrie" (VCI) erklärte, man suche "nach Wegen, die Qualität der Registrierungsdossiers (…) in einem geordneten und mit den Behörden abgestimmten Verfahren zu verbessern". Bereits Im Herbst 2018 hatten das deutsche Umweltbundesamt und das Bundesinstitut für Risikoforschung auf Defizite hingewiesen.

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann sagte, die Branche nehme die Kritik sehr ernst. Er verwies darauf, dass bei Beginn der Registrierung teilweise andere Bestimmungen gegolten hätten; diese nun anzupassen, koste bei insgesamt 94.000 Dossiers, die der Echa vorlägen, viel Zeit. Allerdings seien "absichtlich unvollständig abgegebene Dossiers unakzeptabel", so Tillmann.

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