Schadstoffe EU schränkt Luftverschmutzung durch Kraftwerke ein

Gegen den Willen Deutschlands haben die EU-Staaten strengere Auflagen für Kohlekraftwerke durchgesetzt. Die Vorgaben sollen die Luftqualität verbessern und Gesundheitsrisiken senken.

Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz in Sachsen vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Lippendorf
DPA

Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz in Sachsen vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Lippendorf


Kraftwerke in Europa sollen künftig weniger Feinstaub, Stickoxide und andere gesundheitsgefährdende Schadstoffe in die Luft blasen. Das zuständige EU-Gremium einigte sich auf schärfere Vorgaben für die Anlagen - gegen den Widerstand Deutschlands.

Die Bundesregierung befürchtet, dass Braunkohlekraftwerke die neuen Grenzen nur mit sehr teuren Investitionen einhalten können, und stimmte deshalb dagegen. Trotzdem fand sich eine qualifizierte Mehrheit, wie die EU-Kommission mitteilte. Umweltschützer jubeln.

Beschlossen wurde, dass Großfeuerungsanlagen die beste verfügbare Technik einsetzen müssen, um Schadstoffe zu reduzieren. Neben Feinstaub und Stickoxiden zählen dazu Schwefeldioxid und Quecksilber.

400.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung in der EU

Ein Kommissionssprecher erinnerte daran, dass Luftverschmutzung für etwa 400.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in der EU verantwortlich gemacht werde. Großfeuerungsanlagen hätten einen Anteil von 46 Prozent am gesamten Ausstoß an Schwefeldioxid. Beim Stickoxid liege der Anteil bei 18 Prozent, bei Quecksilber bei 39 Prozent und beim Feinstaub bei vier Prozent.

Die neue Begrenzung sei also wichtig und seit 2011 vorbereitet worden, sagte ein Sprecher. Sie soll in Kraft treten, sobald sie von den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament nochmals geprüft und von der Kommission formal bestätigt wurde.

Deutschland kritisiert Beschränkung für Braunkohlekraftwerke

Deutschland begrüße den Großteil der Inhalte des Beschlusses, erklärte das Bundesumweltministerium in Berlin. Sie seien ein Fortschritt, weil künftig erstmals für alle EU-Länder Vorgaben gültig seien. Nur die Obergrenze von 175 Gramm Stickoxid pro Kubikmeter für Braunkohlekraftwerke sei nicht sachgerecht.

Das schätze auch das Umweltbundesamt so ein. Deshalb habe man gegen den Vorschlag gestimmt. Bei der Umsetzung der Beschlüsse gebe es "die Möglichkeit, im Einzelfall Ausnahmen zu erteilen", erklärte das Ministerium.

Grüne kritisieren Bundesregierung

Die Grünen warfen der Bundesregierung vor, die Interessen der Kraftwerksbetreiber über die Gesundheit der Bürger zu stellen. "Wieder einmal zeigt sich die Unterwürfigkeit von Union und SPD vor der fossilen Energielobby", erklärte die Bundesvorsitzende Simone Peter.

Umweltverbände begrüßten, dass andere EU-Länder sich durchsetzen. "Wir sind sehr froh, dass die neuen Standards trotz Deutschlands Gegenstimme beschlossen wurden", erklärte Viviane Raddatz vom WWF Deutschland. Andere Staaten hätten begriffen, wie wichtig es sei, Dreck aus Kraftwerksschloten besser zu filtern. Der Bund für Umwelt und Naturschutz kommentierte: "Die Bundesregierung ist mit ihrer Pro-Braunkohle-Haltung auf ganzer Linie gescheitert."

jme/dpa



insgesamt 68 Beiträge
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alex2k 28.04.2017
1. Na endlich mal!
Ich persönlich freue mich über solche Entscheidung. Erst wenn der Mensch gezwungen wird etwas zu machen wird er es auch machen. Sobald Kohle und Atomkraftwerke abgeschaltet sind, wird automatisch alles unternehmen, um mit regenerativen Energien 24/7 die Menschen mit Strom zu versorgen. Klar, könnte es etwas öfters zu "blackouts" kommen. Aber da müssen wir einfach eine Zeitlang durch :)
spaceagency 28.04.2017
2. Sauberes Deutschland
EU gegen den Willen Deutschlands. Das passt doch wunderbar ins Bild des Möchtegernvorreiters im Umweltschutz. Gegen höhrere Standards bei Kohlekraftwerke, gegen öhere Standards bei Autos, mit laschesten Tierschutzgesetzen, das Wasser des Rheins dass sich zwischen Basel und der holländischen Grenze ums 200 fache verschmutzt. Ich glaube der Deutsche sieht sich gerne als Umweltschützer und als Vorbild und ist es ganz und gar nicht
DerNachfrager 28.04.2017
3. Irgendetwas sagt mir dass die Lobby der Atomstaaten...
...da den Stift geführt hat.
Supertramp 28.04.2017
4. Dann müssen die Kohle Kraftwerk schnell vom Netz
Deutschland braucht sowieso regelbare Kraftwerke... was nicht Dampfturbinen wie AKW und Kohlekraft.mit politischen entscheidungen wie der sinnfreien 10 fachen Nabenhöhe Abstand zum nächsten Anwohner hat jeglichen Windkraft Ausbau zunichte gemacht. Auch veraltete Tiefflugschneisen die Windkraft frei in Deutschland bleiben müssen (falls es noch funktionierende Militär Flugzeug gibt) die Gleichstrom Trassen nach Norwegen und Schweden um Strom aus Wasserkraft anzubinden. Dann könnte man endlich die Pläne umsetzen pumpspeicher Kraftwerk in ehemaligen Kohlebergwerken einzurichten. Nur mit solchen Groß Projekten kann was voran gehen
citizen01 28.04.2017
5. Glauben die in Brüssel wirklich, daß diese Vorgaben in Süd/Osteuropa umgesetzt werden?
Erst wenn die Ziele EU-weit realistisch sind, sollte man mit Regulierungen arbeiten!
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