Evolution Wie das Klima die Form der Nase beeinflusst

Größe und Form der menschlichen Nase sind nicht einfach Zufall, sondern haben sich evolutionär entwickelt. Forscher erklären, warum es in bestimmten Gebieten von Vorteil ist, eine schmale oder eine breite Nase zu haben.

Wie hat die Evolution unsere Nasen geformt?
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Wie hat die Evolution unsere Nasen geformt?


Groß, klein, breit, schmal, kurz, stupsig, hakenförmig oder mit Höcker: Wie die Nase eines Menschen ausgebildet ist, kommt auch darauf an, in welchen Gebieten seine Vorfahren lebten, schreiben Wissenschaftler im Fachblatt "PLoS Genetics".

"Wir erforschen die Evolution des modernen Menschen und wie die Unterschiede bei der Hautfarbe, der Haarfarbe und im Gesicht erklärt werden können", sagt Mark Shriver von der Pennsylvania State University, einer der Autoren der Studie.

Um herauszufinden, ob Wärme und Feuchtigkeit entscheidend für die Evolution der Nase waren, nahmen die Wissenschaftler Maß an mehr als 450 Probanden mit Vorfahren aus Westafrika, Südasien, Ostasien und Nordeuropa.

Mithilfe von 3D-Bildern stellten die Forscher unter anderem fest, wie breit die Nasenlöcher sind, wie weit sie voneinander entfernt sind, wie lang die Nase insgesamt ist und wie hoch. Sie fanden heraus, dass sich die Form der Nasen zu stark unterscheiden, als es durch bloßen Zufall zu erklären wäre.

Demnach gibt es einen Zusammenhang zwischen der Form der Nase und Temperaturen sowie Luftfeuchtigkeit. So sind breite Nasen in warm-feuchtem Klima verbreitet, während die Nasen in kalt-trockenem Klima eher schmal sind.

Warum die Form der Nase wichtig ist

Und das aus gutem Grund, sind die Forscher überzeugt: Die Nase sorgt dafür, dass die Luft, die wir einatmen, erwärmt wird. Das beugt Infektionen vor. Enge Nasenlöcher leiten die Luft so in die Nasen, dass sie besonders effizient befeuchtet und erwärmt werden kann.

Menschen mit schmalen Nasenlöchern hatten deshalb in kalten Gebieten bessere Überlebenschancen und konnten sich besser fortpflanzen, vermuten die Forscher. Das könnte über lange Zeit dazu geführt haben, das immer weniger Bewohner in diesen Gebieten eine breite Nase hatten.

Eine komplexe evolutionäre Entwicklung

Die Umwelteinflüsse sind jedoch nicht der einzige Faktor, der die Form der menschlichen Nase beeinflusst hat, räumen die Forscher ein. Viel hänge eben doch vom Zufall ab. So können sich bestimmte Merkmale zufällig durchsetzen, zum Beispiel wenn die Population besonders klein ist.

Neben dem Zufall könnte auch Attraktivität eine Rolle gespielt haben. So könnten Menschen bei der Partnerwahl bei der Nase ganz genau hingeschaut haben, je nachdem, ob man eine breite oder eine schmale Nase anziehender findet. Über die Zeit könnte sich die Nasenform durchgesetzt haben, die im Allgemeinen als attraktiv angesehen wurde.

Dennoch sind die Forscher überzeugt, dass das Klima bei der Evolution der Nase eine besondere Rolle gespielt hat. Solche Studien über die menschlichen Anpassungen seien wichtig, um zu verstehen, warum Krankheiten wie Sichelzellenanämie, Laktoseintoleranz oder Hautkrebs in bestimmten Populationen häufiger sind.

Die Wissenschaftler schlagen beispielsweise vor, dass es sich lohnen könnte zu untersuchen, ob Menschen ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen haben könnten, wenn sie in anderen Gebieten wohnen, als ihre Vorfahren.

koe/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
dreamrohr2 17.03.2017
1.
es ist altbekannt, dass die Umwelt (dazu gehört auch das Klima) nicht nur die Nase, ja sogar die Form des Gesichts, aber im Grunde, die gesamten Lebewesen geformt und beeinflusst haben. Auch die Größe des Menschen ist deshalb so wie sie ist, + - paar cm, der Erdanziehung zuzuschreiben, im Zusammenspiel mit den Genen.
Westley 17.03.2017
2. Laktoseintoleranz ist keine Krankheit
Laktoseintoleranz beim Erwachsenen ist der evolutive Normalzustand. Erst die Milchwirtschaft hat dazu geführt, dass sich die Mutation der Laktosetoleranz in einigen Regionen durchgesetzt hat. Sichelzellenanämie ist wahrscheinlich auch keine Krankheit, sondern in Malariagebieten ein Evolutionsvorteil. https://de.wikipedia.org/wiki/Sichelzellenanämie
mapcollect 17.03.2017
3. Nichts neues
Es ist lange bekannt, dass Ethnien in wärmeren Regionen größere Akren haben um besser Wärmeenergie abgeben zu können. Es gibt sehr viele regionale evolutionäre Anpassungen des menschlichen Körpers - ist aber ein heikles Thema. Kaum ein Forscher möchte sich mit solchen "rassischen" Forschungen in die Nesseln setzen.
cassandros 17.03.2017
4.
Zitat von dreamrohr2es ist altbekannt, dass die Umwelt (dazu gehört auch das Klima) nicht nur die Nase, ja sogar die Form des Gesichts, aber im Grunde, die gesamten Lebewesen geformt und beeinflusst haben. Auch die Größe des Menschen ist deshalb so wie sie ist, + - paar cm, der Erdanziehung zuzuschreiben, im Zusammenspiel mit den Genen.
Wieso waren dann die ersten Hominoiden, die durch die Savanne wanderten, nur so 1 m bis 1,20 m groß? War damals die Erdanziehung anders? Wieso sind Rehe viel kleiner als Rothirsche? Die Erdanziehung kann es wohl nicht sein.
Lykanthrop_ 17.03.2017
5.
Ganz interessant. Vielleicht sollte man auch Mal die biologischen Ursachen für das menschliche Sozialverhalten Untersuchen. Der reflektorische Gewinn wäre erheblich größer, als bei dieser Studie.
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