Exekution des Saddam-Halbbruders Welche Fehler der Henker gemacht haben muss

Bei der Hinrichtung am Galgen trennte der Strick Saddam Husseins Halbbruder den Kopf ab. Wie konnte das passieren? Rechtsmediziner sagen: Je mehr der Delinquent wiegt, je tiefer er fällt und je dünner das Seil ist, desto größer ist die Gefahr der Enthauptung.


Es ist ein barbarischer Akt, der seit Jahrhunderten zum Instrumentarium der Rechtsgeschichte gehört. Menschen zu hängen, gehört zu den ältesten Hinrichtungsarten.

Es geht alles blitzschnell: Die Falltür öffnet sich, der Körper stürzt hinab, das Seil hält ihn auf. Dabei bricht die Halswirbelsäule. Gleichzeitig versiegt die Blutzufuhr zum Gehirn.

So auch bei Barsan al-Tikriti, Saddam Husseins Halbbruder. Er wurde heute Morgen gemeinsam mit dem Ex-Richter Award al-Banda hingerichtet. Doch der Strick durchtrennte sogar den Hals von al-Tikriti - sein Körper fiel zu Boden, der Kopf daneben.

Wie konnte das passieren? Laut der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin kommt es darauf an, wie tief der Erhängte fällt, wie schwer er ist und aus welchem Material das Seil besteht, das ihn tötet. Bei einer Fallhöhe von 10 bis 15 Metern reißt der Kopf ab. Das liegt an den enormen Kräften, die auf die Halswirbelsäule einwirken. Wenn sich die Schlinge nach einem Sturz aus großer Höhe zusammenzieht, entsteht ein riesiger Druck auf den Hals. Diese sogenannten zirkulären Seilkräfte wirken gemeinsam mit den senkrechten Zugkräften: Das plötzlich gespannte Seil hält den Kopf im Fall zurück, der Körper hingegen folgt der Schwerkraft. Übersteigen diese Kräfte eine gewisse Grenze, reißt der Kopf ab.

Bei der Hinrichtung von al-Tikriti muss dies oder Ähnliches passiert sein. Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin vermutet, dass Henker beim Erhängen "auf Nummer sicher gehen" wollen: Der Strick solle zum einen die Blutzufuhr abschneiden, zum anderen die Halswirbelsäule brechen. Aus diesem Grund wählen Henker oft eine größere Höhe als nötig. "Ein solcher Verrenkungsbruch ist immer tödlich, wenn der Mensch nicht sofort medizinische Hilfe bekommt", sagt ein Gerichtsmediziner von der Universität Freiburg.

Bei Selbstmorden ist die Höhe meist geringer; der Mensch stirbt dann an abgeschnürten Arterien und Venen - er ist aber noch zu retten, weil das Gehirn noch fünf bis sieben Minuten weiter arbeitet. Der Genickbruch soll das bei einer Exekution verhindern.

Dabei entscheidet auch das Gewicht des Delinquenten, wie stark die Kräfte sind, die auf seinen Hals wirken. Selbst bei geringer Fallhöhe könne der Kopf schon abgetrennt werden, wenn der Körper nur schwer genug ist, sagen Experten.

Ein wesentlicher Faktor ist auch das Seil. Wenn es dünn ist, wirkt es wie ein Draht, der Haut, Muskeln und Bänder durchtrennt.

hei



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