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Exorzisten und Schwulen-Heiler: Dämonen auf dem Psychiaterkongress

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In Österreich brodelt ein Wissenschaftsskandal. Zu einem Fachkongress über Psychiatrie und Religion war ein Vertreter der These, dass Homosexualität heilbar sei, geladen - und ein katholischer Exorzist soll über Dämonenangriffe sprechen.

Der Exorzismus ist etwas aus der Mode gekommen in den vergangenen Jahrzehnten. Teufelsaustreibungen gelten in der Psychiatrie nicht als Mittel der Wahl, wenn es darum geht, Patienten zu behandeln, und Besessenheit ist heute eher eine Kategorie für Hollywood-Liebesdramen denn für diagnostische Manuale.

Filmszene aus "Der Exorzist" von William Friedkin: "Dämonische Angriffe auf einzelne Menschen?"
Warner Bros.

Filmszene aus "Der Exorzist" von William Friedkin: "Dämonische Angriffe auf einzelne Menschen?"

Auf der offiziellen Seite des Fachkongresses "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie", der im Oktober in Graz stattfinden wird, liest sich das allerdings anders. Spreche ein Patient nicht auf Therapie an, könne dies "ein Hinweis auf das Vorliegen einer übernatürlichen Ursache" sein, steht in der Zusammenfassung zu einem der geplanten Vorträge. "Wenn man dagegen die Berichte in den Evangelien und Lehre der Kirche hernimmt, so können diese Symptome als dämonische Angriffe auf einzelne Menschen erkannt werden."

Dämonische Angriffe als psychiatrische Diagnose? So mancher potentielle Teilnehmer des Kongresses, der unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) steht, kratzte sich verwundert am Kopf. Und zwar nicht nur wegen des Workshops "Gibt es Besessenheit jenseits der Psychose?", in dem der Exorzist der Erzdiözese Wien, Larry Hogan, gemeinsam mit dem österreichischen Psychiater Andreas Masching über die oben zitierten Thesen referieren soll.

"Heilung" von Homosexuellen?

Merkwürdig kam vielen auch ein weiterer Workshop vor, in dem es um die Behandlung "ichdystoner Sexualorientierung" gehen sollte. In Wahrheit, glaubt zum Beispiel der Mannheimer Verhaltenstherapeut Christof Wagner, geht es dem Referenten Markus Hoffmann um etwas ganz Konkretes: die "Heilung" von Homosexuellen nämlich.

Hoffmann leitet eine Gruppe namens "Wüstenstrom", Wagner zufolge "eine radikale religiöse Laiengruppe, die Konversionstherapien propagiert". Die zielen darauf ab, Schwule und Lesben in brave Heterosexuelle zu verwandeln. Diese zuweilen mit rabiaten Methoden verbundenen Ansätze werden vom wissenschaftlichen Mainstream seit vielen Jahren als ideologisch motiviert und potentiell gefährlich abgelehnt. Aus gutem Grund wurde Homosexualität schon vor Jahren aus den diagnostischen Manualen europäischer und US-amerikanischer Psychiater gestrichen - Homosexualität ist keine Krankheit, kann und sollte deshalb auch nicht mit Therapie angegangen werden.

Populär sind solche Versuche nach wie vor bei der religiösen Rechten in den USA, der Homosexualität als verdammenswerte Sünde gilt. Wagner, der selbst einmal einen Überblicksartikel über Konversionstherapien im Fachblatt "Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis" veröffentlicht hat, sieht jedoch einen Trend heraufziehen: "Ein paar Leute versuchen, das Thema nun durch die Hintertür auch nach Europa zu tragen." Und diesen Leuten sollte nun auf einem hochoffiziellen Kongress die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Fachgemeinde zuteil werden - für Wagner und viele seiner Kollegen ein Skandal.

"Wüstenstrom"-Vorsitzender Markus Hoffmann ist in Deutschland kein Unbekannter: Unter der Überschrift "Umschwulung zum Ehemann" fanden er und "Wüstenstrom" in einem Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Erwähnung - in dem Text ging es hauptsächlich um religiös motivierte Umpol-Organisationen in den USA. "Die Zeit" berichtete im Januar kritisch über "Wüstenstrom" - unter der Überschrift "Heilung in Gottes Namen".

Schwuleninitiative will nicht mitmachen beim Kongress

Nach der Kongressankündigung kam es in Österreich zu einer heftigen Debatte. Professoren schrieben empörte Briefe, die Fachgesellschaft ÖGPP drohte, die Schirmherrschaft zurückzuziehen. Der Landeshauptmann der Steiermark Franz Vowes, unter dessen "Ehrenschutz" die Veranstaltung steht, drohte ebenfalls mit Rückzug, sollte Hoffmanns Beitrag nicht aus dem Programm genommen werden. Eine eilig hinzugeladene Schwulen- und Lesbeninitiative, die als Gegengewicht zu Hoffmann einen Teilnehmer zu der Veranstaltung schicken sollte, weigerte sich schließlich, dem Konversionsprediger ein Forum zu bieten und sagte die Teilnahme ab.

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