Expeditionen: Forscher untersuchen rätselhaftes Entdecker-Wrack

Eine internationale Wissenschaftler-Gruppe untersucht in Panama das wahrscheinlich älteste jemals gefundene Wrack vor der Küste Amerikas. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sich um die Karavelle "Vizcaína" des Christoph Columbus gehandelt haben könnte.

Kanonen auf dem Wrackhügel von Nombre de Dios
Karl Vandenhole / DER SPIEGEL

Kanonen auf dem Wrackhügel von Nombre de Dios

Hamburg - Es wäre das erste Schiff des Entdeckers der Neuen Welt, das je aufgespürt wurde, und die besterhaltene Karavelle. Auf seinen insgesamt vier Reisen verlor Columbus neun Schiffe. Die "Vizcaína" gehörte zu einer Flotte von vier Schiffen, mit denen er im April 1502 zu seiner vierten und letzten Reise von Spanien aus aufbrach. Er wollte, kurz vor seinem Tod, noch beweisen, dass es in der Gegend des heutigen Panama doch eine Passage nach Indien und China gibt. Aber diese letzte Reise endete in einer Tragödie.

Halb blind und fast wahnsinnig verlor Columbus nach Kämpfen mit Indianern und einer Meuterei alle vier Schiffe. Nach rund einem Jahr in einer provisorischen Festung auf Jamaika konnte er sich nur noch zum Sterben nach Spanien retten.

Ein Sporttaucher entdeckte das Wrack in der abgelegenen Bucht von Nombre de Dios bei Portobelo vor mehreren Jahren, doch es wurde nie wissenschaftlich untersucht. Anfang vergangenen Jahres stellte ein Team von SPIEGEL und SPIEGEL TV eine internationale Wissenschaftler- Gruppe zusammen. Mit dabei sind die weltweit renommiertesten Unterwasserarchäologen, Donny Hamilton und Filipe Castro von der Texas A&M University, dazu der Chefarchäologe der panamaischen Regierung, führende Columbus-Experten aus Sevilla, ein Spezialist für C-14-Untersuchungen der Universität Kiel.

Erste Altersbestimmungen von Materialproben des Rumpfes ergaben, dass Holzteile, aus denen der Rumpf gebaut wurde, aus den Jahren von 1469 bis 1486 stammen dürften. Die "Vizcaína" sank nach historischen Dokumenten 1503. Olivenöl-Reste an Scherben von Tonkrügen stammen nach Lebensmittel-Analysen aus Andalusien, wo Columbus seine Schiffe ausrüsten ließ. Der Rumpf des Wracks ist nicht mit Metall beschlagen - nach 1509 mussten wegen des Schiffsbohrwurms "Teredo navalis" alle spanischen Schiffe für die Neue Welt von außen mit Metall beschlagen werden. Die Zahl der Kanonen an Bord passt zur Geschichte der "Vizcaína", die laut historischen Dokumenten aufgegeben wurde, weil sie, von Bohrwürmern beschädigt, nicht mehr seetauglich war. Es bleiben freilich noch Zweifel, die durch weitere Untersuchungen und letztlich eine Bergung in den nächsten Jahren geklärt werden sollen.

Mehr zu der Entdeckung des Wracks lesen Sie im neuen SPIEGEL und im neuen SPIEGEL-Buch "Die letzte Reise - Der Fall Christoph Columbus" (DVA) von Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges. Außerdem laufen zwei von SPIEGEL-TV produzierte Dokumentarfilme, der erste am Samstag kommender Woche um 20.40 Uhr auf Arte, der zweite am Sonntag, dem 26. September, um 19.30 im ZDF.

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