Neue Suchtstoffe: Regierung verbietet 26 Designerdrogen

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Designerdrogen: "Missbrauch eindämmen"

Neue synthetische Drogen überfluten Europa. Jetzt hat das Bundeskabinett ein Verbot für 26 der gefährlichen Substanzen auf den Weg gebracht. Ob es wirkt, ist fraglich: Die Designerware wird immer wieder leicht verändert.

Hamburg/Berlin - Vier Jahre nach dem Verbot der Modedroge "Spice" sagt die Bundesregierung Dutzenden Designerdrogen den Kampf an. Das Kabinett hat eine Verordnung auf den Weg gebracht, mit der 26 Substanzen verboten werden sollen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Der Bundesrat muss aber noch zustimmen, damit das Verbot in Kraft treten kann.

Die Designerdrogen kommen in der Regel als kleine bunte Tütchen auf den Markt und tragen Namen wie Extreme Summer, Fly Cherry oder Manga XXL. Diese wie Cannabis dämpfenden oder wie Ecstasy aufputschenden Drogen würden immer wieder chemisch leicht abgewandelt.

Frühere Verbote greifen deshalb nicht. Suchtpotential und Gesundheitsgefahren seien aber vergleichbar mit bisher schon verbotenen chemischen Verbindungen. "Ziel ist es, den Missbrauch dieser Stoffe einzudämmen, die Gesundheit Einzelner und der Bevölkerung zu schützen und die Strafverfolgung zu erleichtern", so das Ministerium.

Badesalz oder Duftkissen

Die Drogen werden oft als Kräutermischungen verkauft. Das sind getrocknete Pflanzen in Tütchen, die mit den künstlich hergestellten Lösungen beträufelt worden sind. Auch als Badesalz oder Duftkissen werden die Drogen verkauft. Meist vertreiben Händler sie übers Internet.

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, hatte bereits vergangenen Monat gesagt: "Bei sogenannten Designerdrogen gibt es steigende Umsatzzahlen." Doch vieles rund um Konsum und Markt dieser künstlich hergestellten Drogen liegt im Dunkeln.

Auch nach dem Verbot von "Spice" waren immer wieder Stoffe dieser Art verboten worden. Mit "Spice" waren die Designerdrogen in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit geraten. Es war zum Beduften von Räumen verkauft worden. Entgegen den Empfehlungen auf der Packung wurde es aber geraucht. Die erstmals in England aufgetauchte Kräutermischung war in Drei-Gramm-Tütchen zum Taschengeldpreis von 30 Euro angeboten worden. Der Konsum solcher Substanzen ist nicht mit herkömmlichen Drogentests nachweisbar.

boj/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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1.
exterminate 22.05.2013
Dumm, dümmer, Bundesregierung. Die Bürgerlinge werden auch in 100 jahren noch ihre bescheuerte repressive Drogenpolitik betreiben und von der "drogenfreien Gesellschaft" phantasieren, statt endlich den Konsum zu akzeptieren, den Besitz zu entkriminalisieren und ihren Aufwand in eine vernünftige, ehrliche Prävention zu stecken, die vor realen Gefahren warnt und Safer-Use-Regeln ausgibt, anstatt nur zu verteufeln.
2. Badesalze
onkel_apollo 22.05.2013
Ich glaube bei den verbotenen Designerdrogen geht es nicht um "Kräutermischungen" sondern um "Badesalze" wie sich dem Foto entnehmen lässt. Gerade diesen weißen Pülverchen aus dubiosen Laboratorien, deren Herkunft selten nachvollzogen werden kann, bergen extreme Gefahren. Da zu schreiben, dass die Gefahren mit denen der nachgeahmten Drogen gleichauf liegt ist wohl eher eine Verharmlosung! Bei diesen "Badesalzen" wird versucht Speed, Kokain und Ecstasy in ihrer Wirkung nachzubilden. Durch diese Bemühungen und den Umstand, dass immer wieder ein Stoff verboten wird und dieser durch anhängen eines Moleküls wieder ein anderer, noch nicht verbotener Stoff ist, weiß man nie genau, was drin ist, wie die Wirkungen sind und schon gar nicht, wie die Langzeitfolgen sind. Die "Kräutermischungen" sind tatsächlich Kräutermischungen die jedoch mit Canabinoiden versetzt sind um Wirkungen ähnlich dem Canabis hervorzurufen.
3.
1948-2008 22.05.2013
Zitat von sysoppicture alliance/ ZBNeue synthetische Drogen überfluten Europa. Jetzt hat das Bundeskabinett ein Verbot für 26 der gefährlichen Substanzen auf den Weg gebracht. Ob es wirkt, ist fraglich: Die Designerware wird immer wieder leicht verändert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/extreme-summer-fly-cherry-manga-designerdrogen-werden-verboten-a-901283.html
Alle Drogen legalisieren, das wäre die einzig vernünftige Lösung ! Soll doch jeder nehmen, was er will - Alkohol und Nikotin sind schließlich auch legal, und tausende sterben daran, jedes Jahr. Wer Drogen will, der bekommt sie auch, legal, illegal, scheißegal !
4. Strafverfolgung erleichtern....
R4mbo 22.05.2013
heißt Elend schaffen, Konsumenten wegsperren und als Kriminelle brandmarken. Die Prohibition ist gescheitert, einzige Humane und wirksame Alternative ist die legalisierung von Cannabis. Spice
5. Je mehr verboten wird...
heresias 22.05.2013
...umso interessanter wird es doch für alle Betroffenen. In der Gesetzgebung macht man den gleichen Fehler wie in der Medizin: Symptombekämpfung. Wenn nicht der Käse in den Kühlschrank gestellt wird, bringt es auch nichts die Mauselöcher zu stopfen.
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