F-35 Lightning: Neuer US-Kampfjet kostet Unsummen

Mit viel Aufwand hat das US-Militär jahrelang den "Joint Strike Fighter" entwickeln lassen - jetzt liegt die Rechnung für den neuen Kampfjet F-35 Lightning II auf dem Tisch. Sie ist so gewaltig, dass sie die Debatte um die Zukunft der US-Luftstreitkräfte neu anheizen dürfte.

Washington - Eine solche Rechnung flattert selbst dem US-Kongress nicht alle Tage auf den Tisch: Fast eine Billion Dollar (650 Milliarden Euro) sollen Anschaffung und Unterhalt des neuen Kampfflugzeugs F-35 Lightning II kosten. Der Grund seien Preissteigerungen, Verzögerungen und Probleme bei der Herstellung. In einem am Dienstag vorgestellten Bericht wird vorgerechnet, dass die Kosten des Projekts allein im vergangenen Jahr um 23 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro) gestiegen sind.

Dem Rechnungshof des Kongresses zufolge kostete alleine die geplante Anschaffung von 2458 Flugzeugen für die drei Teilstreitkräfte fast 300 Milliarden Dollar (195 Milliarden Euro). Weitere 650 Milliarden Dollar (423 Milliarden Euro) würden für den Flugbetrieb und den Unterhalt der Maschinen in den nächsten Jahrzehnten veranschlagt. Hauptauftragnehmer ist Lockheed Martin Aeronautics in Fort Worth in Texas.

Die F-35, auch als "Joint Strike Fighter" bekannt, soll im Unterschied zu bisherigen Kampfjettypen sowohl bei der Luftwaffe als auch bei der Marine und dem Marine Corps zum Einsatz kommen. Der neue Jet soll ab 2012 in Dienst gestellt werden und gleich mehrere sehr unterschiedliche Kampfflugzeuge ersetzen: die Mehrzweckflieger F-16 und F/A-18, das Erdkampf-Flugzeug A-10 Thunderbolt, den Senkrechtstarter AV-8B Harrier II und die F-111. Um allen Aufgabengebieten gerecht zu werden, soll die F-35 in unterschiedlichen Versionen produziert werden.

Bei der Anhörung des Rechnungshofs wurden sowohl das Militär als auch Lockheed Martin dafür kritisiert, schon die Entwicklungsphase des Jets gestartet zu haben, noch bevor wichtige Technologien ausgereift waren. Die Produktion habe begonnen, ohne dass die Sicherheit des Flugzeugs in Testflügen ausreichend geprüft wurde. Die F-35 soll auch an Verbündete der USA verkauft werden, die sich um Gegenzug mit umgerechnet rund drei Milliarden Euro an den Entwicklungskosten beteiligt haben.

F-117 wird in Rente geschickt

Zugleich wurde bekannt, dass die US-Luftwaffe die F-117 Nighthawk, den weltweit ersten Tarnkappenjet, ausmustern will. Der Bomber, der ab 1986 in Dienst gestellt wurde, kam unter anderem in Panama, Afghanistan, dem Kosovo und Irak zum Einsatz. Derzeit wird die F-117 durch die neue F-22 Raptor ersetzt. Die letzten Flüge von F-117 sollen am 21. April von der Holloman Airbase im US-Bundesstaat New Mexico starten. Sieben der insgesamt 59 insgesamt produzierten F-117 sind abgestürzt.

Verglichen mit ihrem Nachfolger ist die F-117 ein billiges Flugzeug: Der Stückpreis lag bei 45 Millionen Dollar - während die F-22 rund 200 Millionen Dollar (129 Millionen Euro) kosten soll. Dennoch halten die Top-Kommandeure der Air Force die F-22 für unverzichtbar und fordern vehement die zügige Einführung der neuen Jets sowie eine Aufstockung der geplanten Stückzahlen.

Das US-Verteidigungsministerium hat für 2009 aber nur vier zusätzliche F-22 genehmigt, so dass die jetzt bereitgestellten Mittel für insgesamt 187 Raptor-Exemplare ausreichen. Im Pentagon ist man von der F-22 offenbar weniger begeistert als an der Luftwaffenspitze. Nach Meinung von Vize-Verteidigungsminister Gordon England sollten mehr F-35 für Luftwaffe, Navy und Marine Corps angeschafft werden. Das Mehrzweckflugzeug stelle den Stabschefs "effektivere Fähigkeiten" zur Verfügung, als wenn man die Ausgaben durch den Kauf von mehr F-22 auf eine einzelne Truppengattung - nämlich die Air Force - konzentrieren würde.

Kritik an F-22 und F-35

Kritik gibt es freilich an beiden Flugzeugtypen. So wird bemängelt, dass seit dem Ende des Kalten Krieges und in Zeiten asymmetrischer Kriegführung kein Bedarf mehr für einen reinen Luftüberlegenheitsjäger besteht, als der die F-22 ursprünglich konzipiert wurde. Das gleiche Argument wurde oft gegen den Eurofighter ins Feld geführt, der ebenfalls noch zu Zeiten des Kalten Krieges konzipiert wurde und die Geschwader des Ostblocks in Schach halten sollte.

Zudem können sowohl die F-22 als auch die F-35 wegen der Form ihres Rumpfs, der Stealth-Eigenschaften besitzt, keine besonders große Menge an Waffen im Innern transportieren. Zwar können Raketen und Bomben auch extern aufgehängt werden, was aber sowohl die Tarnkappen-Eigenschaften als auch die Aerodynamik schmälert. Die F-35 hat im Unterschied zur F-22 und den meisten anderen modernen Kampfflugzeugen nur ein Triebwerk, was das Risiko eines Absturzes durch einen Triebwerkschaden erhöht.

mbe/AP

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