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27. Februar 2013, 18:13 Uhr

Fachartikel zum Zweikörperproblem

Heiratsantrag auf Physiker-Art

Finden Sie diesen Heiratsantrag romantisch? Physiker schon: Mit einem Fachartikel, benannt "Zweikörperproblem: Eine Längsschnittstudie", hat ein Wissenschaftler um die Hand seiner Freundin angehalten. Und eine sachliche Antwort erhalten.

Rosen, Ringe, Romantik. Es existieren eine Reihe klassischer Zutaten für einen Heiratsantrag. Aber es gibt auch das: "Zweikörperproblem: Eine Längsschnittstudie". Einen kurzer Fachartikel, nach den üblichen Standards von Wissenschaftsmagazinen in Einleitung, Ergebnisse, Fazit und Danksagung eingeteilt.

Mit diesem Text, berichtet eine Frau auf Reddit, habe ihr Freund nach sieben Jahren um ihre Hand angehalten. "Er und ich sind beide Physiker", erklärt sie. Zwar publizierte Brendan, dessen Nachname in dem Text geschwärzt wurde, die Studie in kleinem Kreis schon am 23. März 2012. Seine Frau - Christie - hat sie allerdings erst vor einigen Tagen online gestellt.

Das Zweikörperproblem beschreibt, wie sich zwei Körper bewegen, die sich gegenseitig beeinflussen, und ist auf verschiedenen Ebenen anwendbar. Etwa auf Erde und Mond im Sonnensystem, aber auch auf Proton und Elektron in einem Atom. Dass meist mehr als nur zwei Körper an diesem Tanz teilnehmen, macht das Problem in der Regel deutlich komplizierter.

"Projekt Valentinstag"

Wie der Autor im Fachartikel erläutert, begann die Studie am 23. März 2005, dem regenreichsten Tag des Jahres. Dies sei ein glücklicher Umstand gewesen, da sich beide Körper außerordentlich für Hydrometeore (Regentropfen, Wolken, Schnee, Graupel - d. Red.) interessierten. So entwickelte sich aus dem Treffen, das nur eine flüchtige Interaktion hätte sein können, schließlich ein semi-gebundener Zustand.

In der kommenden Zeit wurde untersucht, wie sich Entfernung, Stress und Überraschung ("Projekt Valentinstag") auf das Zweikörperproblem auswirkten. Die gesammelten Daten, zusammengefasst in einer Grafik, deuten daraufhin, dass das Glück der beiden sicher zunehmen werde.

Nur ein klein wenig aus dem Studienrahmen ausbrechend, hat der Autor ans Ende des Fazits zwei Kästchen zum Ankreuzen angefügt. "Mit Blick auf die Ergebnisse macht der Autor Christie den Antrag, die Studie auf unbegrenzte Zeit fortzusetzen. Die Antwort sollte hier eingefügt werden."

In der veröffentlichten Studie ist das "Ja"-Kästchen angekreuzt.

Auch wenn der eine oder andere bemängeln mag, dass die Studie sich dem Zweikörperproblem nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit nähert - einen Beweis liefert sie auf jeden Fall: Physiker können sehr romantisch sein.

wbr

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