Fachartikel zum Zweikörperproblem: Heiratsantrag auf Physiker-Art
Finden Sie diesen Heiratsantrag romantisch? Physiker schon: Mit einem Fachartikel, benannt "Zweikörperproblem: Eine Längsschnittstudie", hat ein Wissenschaftler um die Hand seiner Freundin angehalten. Und eine sachliche Antwort erhalten.
Rosen, Ringe, Romantik. Es existieren eine Reihe klassischer Zutaten für einen Heiratsantrag. Aber es gibt auch das: "Zweikörperproblem: Eine Längsschnittstudie". Einen kurzer Fachartikel, nach den üblichen Standards von Wissenschaftsmagazinen in Einleitung, Ergebnisse, Fazit und Danksagung eingeteilt.
Mit diesem Text, berichtet eine Frau auf Reddit, habe ihr Freund nach sieben Jahren um ihre Hand angehalten. "Er und ich sind beide Physiker", erklärt sie. Zwar publizierte Brendan, dessen Nachname in dem Text geschwärzt wurde, die Studie in kleinem Kreis schon am 23. März 2012. Seine Frau - Christie - hat sie allerdings erst vor einigen Tagen online gestellt.
Das Zweikörperproblem beschreibt, wie sich zwei Körper bewegen, die sich gegenseitig beeinflussen, und ist auf verschiedenen Ebenen anwendbar. Etwa auf Erde und Mond im Sonnensystem, aber auch auf Proton und Elektron in einem Atom. Dass meist mehr als nur zwei Körper an diesem Tanz teilnehmen, macht das Problem in der Regel deutlich komplizierter.
"Projekt Valentinstag"
Wie der Autor im Fachartikel erläutert, begann die Studie am 23. März 2005, dem regenreichsten Tag des Jahres. Dies sei ein glücklicher Umstand gewesen, da sich beide Körper außerordentlich für Hydrometeore (Regentropfen, Wolken, Schnee, Graupel - d. Red.) interessierten. So entwickelte sich aus dem Treffen, das nur eine flüchtige Interaktion hätte sein können, schließlich ein semi-gebundener Zustand.
In der kommenden Zeit wurde untersucht, wie sich Entfernung, Stress und Überraschung ("Projekt Valentinstag") auf das Zweikörperproblem auswirkten. Die gesammelten Daten, zusammengefasst in einer Grafik, deuten daraufhin, dass das Glück der beiden sicher zunehmen werde.
Nur ein klein wenig aus dem Studienrahmen ausbrechend, hat der Autor ans Ende des Fazits zwei Kästchen zum Ankreuzen angefügt. "Mit Blick auf die Ergebnisse macht der Autor Christie den Antrag, die Studie auf unbegrenzte Zeit fortzusetzen. Die Antwort sollte hier eingefügt werden."
In der veröffentlichten Studie ist das "Ja"-Kästchen angekreuzt.
Auch wenn der eine oder andere bemängeln mag, dass die Studie sich dem Zweikörperproblem nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit nähert - einen Beweis liefert sie auf jeden Fall: Physiker können sehr romantisch sein.
wbr
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 27.02.2013 – 18:13 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 32 Kommentare
- Quiz: Das Rätsel um die Pi-Manie
- "Zweikörperproblem: Eine Längsschnittstudie"
- Heiratsantrag-Studie: Beiträge auf Reddit
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT WISSENSCHAFT
-
Klimawandel
Erderwärmung: CO2, Treibhauseffekt und die Folgen - alle Nachrichten und Hintergründe -
Satellitenbilder
Blick von oben: Entdecken Sie die Schönheit der Welt - im Satellitenbild der Woche -
Artensterben
Kampf um die Vielfalt Wie der Mensch die Natur ausbeutet - und einen Massentod unter Tieren und Pflanzen verursacht -
Numerator
Rechenkunst: Zahlen und Logik - die Kolumne über die Wunderwelt der Mathematik -
Graf Seismo
Geheimnisvoller Planet: Erde, Wasser, Luft - die Kolumne über die größten Rätsel der Geoforschung
