Archäologie-Check Wie realistisch war der Tatort aus Wien?

Archäologen graben in einem Wald nahe Tschechien nach Artefakten aus dem Neolithikum. Sie suchen steinzeitliche Opferstätten, finden aber ein Projektil: Hatte der "Tatort" aus Wien einen wissenschaftlichen Kern? Der Faktencheck.

Buddeln nach der Wahrheit: Eisner (Harald Krassnitzer) erhofft sich Tipps von der Archäologin
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Buddeln nach der Wahrheit: Eisner (Harald Krassnitzer) erhofft sich Tipps von der Archäologin


Die Vergangenheit ruht nicht, selbst wenn sie zwei Meter unter der Erde vergraben liegt: Die Ermittler Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) versuchen sich im "Tatort" aus Wien an der Aufarbeitung eines Mordes aus der Zeit des Prager Frühlings - geschehen nahe des österreichisch-tschechischen Grenzflusses Thaya, wo der Geheimdienst vor 50 Jahren Flüchtlinge gestellt hatte.

In ihren Ermittlungen stolpern die Kriminalisten aus der Hauptstadt über ein Team von Archäologen. So ein Zufall: Die Mitarbeiter der Universität Wien haben am Flussufer ihre Zelte aufgeschlagen. Sie graben nach einer steinzeitlichen Opferstätte und Spuren aus dem Neolithikum - und finden eine Gewehrkugel. Derart viele Zufälle werfen Fragen auf.

Würden Archäologen tatsächlich ausgerechnet am Ufer eines österreichisch-tschechischen Grenzflusses nach neolithischen Spu ren suchen?

Das kann durchaus sein, die Umgebung von Wien war neolithisch besiedelt. Ob dabei Siedlungsspuren oder gleich eine Opferstätte entdeckt werden kann, ist unter Archäologen allerdings umstritten. Bislang ist aus der Region keine Opferstätte mit Tempel bekannt. Es gibt aber einige Befunde, denen man eine rituelle Funktion zuschreibt und die auf einen Opferplatz hinweisen.

Ist der Projektilfund archäologisch oder erkennungsdienstlich relevant?

Keins von beidem: Archäologen würden eine solche Kugel wohl eher für den Abfall eines Jägers halten, als für den noch fehlenden Beweis einer Bluttat - zumal die Ausgrabungsstätte ja im Wald liegt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich ein Ausgräber derart gut mit Munition auskennt, dass er auf Anhieb erkennen würde, welcher Herkunft diese ist. Für einen Laien können Projektile etwa einer Kalaschnikow und eines Jagdgewehres kaum voneinander unterscheidbar sein.

Was für ein Zeitalter war das Neolithikum?

Es ist die Jungsteinzeit (fachsprachlich aus altgriech. neos "neu", "jung" und lithos "Stein"). Die Epoche beschreibt den beginnenden Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen. Das Neolithikum begann vor rund 12.000 Jahren und endete mit der regional einsetzenden Verarbeitung von Kupfer. Die Epoche wird erst durch die Bronzezeit abgelöst.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass die Archäologen eine Patronenhülse gefunden hätten. Tatsächlich handelte es sich aber um das Projektil, also die von der Schusswaffe abgefeuerte Kugel. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

nik, Mitarbeit: Angelika Franz

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insgesamt 41 Beiträge
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oneil57 09.03.2015
1. Gut gemachter Tatort.
Man hätte aus diesem Thema noch etwas mehr rausholen können, aber bis auf den zeitweise schwer verständlichen Dialekt, ein gut gemachet Tatort.
mr.denali 09.03.2015
2. Projektil statt Hülse
Es wird aber ein Projektil, statt der von ihnen erwähnten Hülse gefunden. Diese ähneln sich ebenfalls, aber vielleicht nicht in dem Maße, wie das Patronenhülsen tun.
Susi Sorglos 09.03.2015
3.
Selbst wenn es alles archäologischer Blödsinn gewesen wäre: Der Tatort soll unterhaltsamer Zeitvertreib sein. Und das ist hier gelungen.
curiosus_ 09.03.2015
4. Dadurch, dass ...
...man es ständig wiederholt wird aus einem Projektil trotzdem keine Patronenhülse.
rosaberg 09.03.2015
5. ohne Untertitel
sprachlich und damit auch inhaltlich nicht zu verstehen. Meine Geduld hat keine 10 Minuten ausgereicht, danach bin ich zu 3Sat gezappt und wurde 2x nacheinander mit Kabaret belohnt.
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