Fall in Bayern: Erste Mensch-zu-Mensch-Infektion mit Schweinegrippe in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut hat einen vierten Fall einer Schweinegrippe-Erkrankung in Deutschland bestätigt - bei einer Krankenschwester aus Bayern, die sich bei einem Mexiko-Reisenden angesteckt hat. Es ist der erste Fall einer Übertragung zwischen Menschen innerhalb Deutschlands.

Schweinegrippen-Test: Erste Infektion innerhalb Deutschlands
AFP

Schweinegrippen-Test: Erste Infektion innerhalb Deutschlands

München - In Deutschland hat sich erstmals ein Mensch mit der Schweinegrippe angesteckt, der zuvor nicht in Mexiko war: Das Robert Koch-Institut hat damit einen dritten Fall von Schweinegrippe in Bayern bestätigt. Dies teilten die beiden Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit und des Freistaates Bayern am Freitag mit.

Die Frau aus Niederbayern habe sich in den vergangenen Wochen nicht in Mexiko aufgehalten. Sie habe aber in Kontakt mit einer der bereits infizierten Personen gestanden, einem 37-jährigen Heimkehrer von einer Mexikoreise - und sich offenbar bei ihm angesteckt. Mittlerweile sei die Frau wieder gesund. Auch auf einen solchen Fall der Ansteckung seien die zuständigen Stellen vorbereitet. "Es werden alle Kräfte gebündelt, um in einem solchen Fall dem Patienten mit dieser Infektion zu helfen und den Infektionsweg zu klären", hieß es.

Die Frau ist eine Schwester im Kreiskrankenhaus Mallersdorf ist und hatte den Mann - den deutschlandweit ersten Schweinegrippe-Patienten - betreut. Er wurde mehrere Tage in Mallersdorf behandelt und am vergangenen Dienstag dann nach Regensburg ins Universitätsklinikum verlegt. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken des Landkreises Straubing-Bogen, Alois Lermer, hatte schon am Donnerstag bestätigt, dass die Schwester aus dem Landkreis Landshut deutliche Symptome zeigte und mit Grippemedikamenten behandelt wurde.

Die Laboruntersuchungen für einen Mallersdorfer Zimmernachbarn des 37-Jährigen liegen noch nicht vor. Er hatte mit dem Infizierte auf der Intensivstation gelegen und sei mit leichtem Fieber in der Klinik isoliert worden, hatte Klinikchef Lermer gesagt. Er soll nicht ganz eindeutige Grippesymptome haben.

Dem 37-Jährigen soll es laut dpa inzwischen besser gehen. Der Mann hat nach Angaben der Ärzte die eigentliche Grippe auskuriert, leidet aber an einer Folgeerkrankung, die mit einer chronischen Grunderkrankung zusammenhängt.

Insgesamt handelt es sich bei dem Fall der Krankenschwester um die vierte bestätigte Schweinegrippe-Infektion in Deutschland - drei in Bayern und einer in Hamburg.

Die Frage, wie einfach es bei der Schweinegrippe zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen kommt, ist für Experten besonders wichtig, um die Virulenz des neuen Erregers besser zu verstehen. Unter anderem macht die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Risikostufe davon abhängig, in wie vielen Regionen es Mensch-zu-Mensch-Übertragungen eines Erregers gibt. In Nordamerika ist dies bereits der Fall, ebenso in Mexiko. Derzeit gilt die zweithöchste Pandemie-Warnstufe 5; sie bedeutet, dass Übertragungen von Mensch zu Mensch noch örtlich begrenzt sind und die Staaten der Welt ihre Vorbereitungen auf den Ausbruch einer globalen Seuche abschließen sollen.

Eine baldige Erhöhung auf Stufe 6 wird nicht ausgeschlossen. Sie bezeichnet die Pandemiephase, in der die Infektionen weiter zunehmen und die gesamte Bevölkerung betroffen ist.

Elf Länder haben nach Angaben der WHO bislang insgesamt 331 Fälle von Schweinegrippe gemeldet. Dazu zählen neben Mexiko, den USA und Deutschland auch Österreich, Schweiz, Spanien, Holland, Großbritannien, Israel, Neuseeland und Kanada.

Die Zahl der Personen, die sich in Mexiko nachweislich mit dem Schweinegrippe-Virus A/H1N1 infiziert haben, liegt nach Angaben der WHO bei 156. Die Zahl der Toten habe sich jedoch nicht weiter erhöht. Bisher kamen in dem Land demnach neun Menschen durch die Schweinegrippe ums Leben. Ausländer seien nicht darunter.

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, hat die mexikanische Regierung angeordnet, dass über die verlängerten Mai-Feiertage alle öffentlichen Veranstaltungen eingestellt werden. Präsident Felipe Calderón forderte seine Landsleute auf, bis zum kommenden Dienstag zu Hause zu bleiben. In Mexiko-Stadt sind zudem alle Gaststätten, Bars und Restaurants geschlossen. Geschäfte, Supermärkte, Lebensmittelmärkte und Apotheken sind aber weiter geöffnet.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

jjc/dpa/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Schweinegrippe – Müssen wir Angst vor dem Virus haben?
insgesamt 6380 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
IsArenas 02.05.2009
Nein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
2.
Crackerjack 02.05.2009
Zitat von IsArenasNein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Hierzu ein von Herzen kommender Applaus.
3.
descartes101 02.05.2009
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Lächerlich. Das Grippevirus rekombiniert sich jede Saison neu, weshalb die Impfungen auch dann nicht mehr wirksam sind. Mal ist es virulenter, mal weniger. Jedenfalls sterben immer auch Menschen daran. Das ganze ist eine haltlose Hysterie, wahrscheinlich damit unsere tüchtigen Regierungen mal behaupten können, sie hätten eine Situation im Griff. Das ist natürlich besonders leicht bei einer Situation, die so oder so nicht eskaliert. Wenn ein hemorrhagisches Fieber wie Ebola durch die Ballungszentren zieht, dann lohnt es sich zuhause zu bleiben. Aber eine dämliche Papiermaske schützt niemanden vor Ansteckung. Das gleiche Prinzip wurde von den USA im kalten Krieg angewendet, wo man den Leuten erzählte, dass es helfe, sich im Falle eines Nuklearangriffs unter den Tisch zu hocken mit einer Zeitung über dem Kopf. Aua, aua. Seit damals hat sich wirklich nichts verändert.
4.
Hans58 02.05.2009
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Nein, wir müssen keine Angst haben, selbst wenn hier zum x-ten Male eine Diskussion über das Thema eröffnet wird.
5.
firefly 02.05.2009
Sie können sich ja gleich mal mit dem Papst zusammentun. Für den ist HIV auch kein Problem und alles nur Panik mache. Und Medikamente im Falle einer HIV-Infektion würde ich ihnen auch nicht empfehlen. Die wirken nämlich garnicht und dienen nur zum Geldschäffeln der Pharmaindustrie. /Ironie
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS
alles zum Thema Schweinegrippe
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -24-
Fotostrecke
Schweinegrippe: Furcht und Vorbereitung