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Im Auto: Feinstaub an roten Ampeln gefährdet Gesundheit

Stau an der Ampel: Höchste Konzentration der Abgase Zur Großansicht
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Stau an der Ampel: Höchste Konzentration der Abgase

Mit dem Auto an Kreuzungen zu warten, kostet nicht nur Zeit. Es belastet auch die Gesundheit. Der Grund: Die Feinstaubmenge im Pkw steigt drastisch an.

Guildford - In Städten herrscht dicke Luft. Besonders an den Ampeln besteht für Verkehrsteilnehmer eine besondere Gesundheitsgefahr. Ob Autofahrer, Radler, Fußgänger oder auch Fahrgäste in Bussen - sie alle sind Nanopartikeln aus dem Straßenverkehr ausgesetzt. Die winzigen Teilchen dringen tief in die Lunge ein und steigern das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.

Eine englische Studie zeigt jetzt, dass Pendler durchschnittlich zwar nur zwei Prozent ihrer Fahrzeit vor Ampeln verbringen, dabei aber einem Viertel der bei der gesamten Fahrt anfallenden Schadstoffe ausgesetzt sind. Gerade beim Anfahren schnellen die Werte enorm in die Höhe, schreiben Anju Goel und Prashant Kumar von der University of Surrey in Guildford in der Zeitschrift "Atmospheric Environment".

Für ihre Untersuchung wollten die Wissenschaftler realitätsnah messen, welchen Konzentrationen Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit ausgesetzt sind. Dazu fuhren sie mit einem Ford Fiesta eine sechs Kilometer lange Strecke in der Kleinstadt Guildford mit insgesamt zehn Ampeln unter verschiedenen Bedingungen ab - etwa mit offenen oder geschlossenen Fenstern oder mit ein- oder abgeschalteter Lüftung. Dabei maßen sie die Konzentrationen der Partikel zwischen 5 und 560 Nanometern Durchmesser in Außen- und Innenluft.

Lüftung lieber aus

Das Ergebnis: An Ampeln stiegen die Teilchenkonzentrationen deutlich an - gerade beim Anfahren, wenn die Fahrzeuge mehr Treibstoff verbrennen. Dabei schnellte die Belastung der Innenluft im Vergleich zum fließenden Verkehr bis um den Faktor 29 in die Höhe. Generell maßen die Forscher an den Signalanlagen beim Durchstarten etwa sechsmal höhere Werte als beim Stehen. War die Lüftung ausgeschaltet, lag die Belastung der Autoinnenluft an den Ampeln weit unter jener der Außenluft.

Radfahrer werden frohlocken: Auch zahlreiche Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass die Luft in den Autos fast immer schlechter ist als in der Umgebung. Der Grund: In der Außenluft werden die Abgase sehr viel besser verdünnt, während sie sich im Inneren des Autos anreichern. Auch aus dem Tank oder dem Motorraum werden Schadstoffe durch Verdunsten freigesetzt.

Dicke Luft im Auto

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zähle Luftverschmutzung zu den zehn Hauptrisiken, berichtet Kumar. "Unsere Zeit im Auto ist in den vergangenen zehn Jahren ziemlich gleichgeblieben, aber mit mehr Fahrzeugen auf den Straßen werden wir beim täglichen Pendeln einer steigenden Luftverschmutzung ausgesetzt. Fahrer sollten sich der erhöhten Risiken an vielfrequentierten Ampeln bewusst sein", sagt er.

Sein Tipp: "Am besten senkt man die Belastung, indem man die Fenster schließt und die Lüftung abstellt." Sofern überhaupt möglich, solle man eine möglichst große Distanz zum Vorderfahrzeug lassen. Auch Fußgänger seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt, betont er. Sie sollten vielfrequentierte Ampeln nach Möglichkeit meiden.

Ampelanlagen veraltet

Die Studienresultate seien absolut plausibel, die Situation in Großbritannien ähnele der in Deutschland, sagt auch Verkehrsingenieur Manfred Boltze, der nicht an der Studie beteiligt war. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jährlich etwa 10.000 Menschen wegen verkehrsbedingter Feinstaubbelastung - rund dreimal mehr als durch Unfälle. "Das ist eine erhebliche Dimension", betont der Forscher von der Technischen Universität Darmstadt.

Zur Prävention fordert er für viele Städte eine Modernisierung der Ampelanlagen, damit der Verkehr besser fließt. Oft seien die Anlagen nicht miteinander vernetzt, und man benutze veraltete Steuergeräte und Software.

Walter Willems, dpa/khü

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Tja ...
quark@mailinator.com 13.02.2015
Vielleicht sollte der PKW in solchen Situationen auf Innenlüftung umschalten und nach dem Anfahren kurz das Belüftungssystem freiblasen ?
2. Ordentliche PKWs ...
aga100 13.02.2015
... haben ordentliche Filter, inkl. Aktivkohlefilter. Ich rieche noch nicht mal einen LKW vor mir. Die Teile muss man natürlich auch regelmäßig warten, bzw. austauschen, dann kann ich mir die Gefahr so groß nicht vorstellen.
3. Na das ist ja was Neues
mattoregiert 13.02.2015
bin entsetzt ,was nun ,wer holt mir morgens die Brötchen ?Geht noch oder folgt demnächst ein Bericht über das Mortalitätsverhalten der Stadtmäuse ,unter Berücksichtigung ihrer Brutstätten in Kreuzungsnähe.....
4.
Lyser 13.02.2015
Manoman, dafür war mal unbedingt ne teure Studie fällig...nicht, dass einem das mit nem bissl gesunden Menschenverstand eh klar sein sollte...
5. Yo
nolabel 13.02.2015
Innenbelüftung ist sehr sinnvoll, ich nutze das schon fast automatisch wenn draußen dicke Stau-Luft ist oder z.B. vor der Einfahrt in Elb- und andere Tunnel. Der Artikel bestätigt mein instinktives Verhalten.
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Verpestete Luft
Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid (CO) entsteht, wenn organische Stoffe wie Holz und Kohle, aber auch Benzin und Öl unvollständig verbrennen. Das farb-, geruch- und geschmacklose Gas ist ein Atemgift: Es verhindert den Transport von Sauerstoff durch die Blutbahn.

Die schlechtere Sauerstoffaufnahme kann sich auf das zentrale Nervensystem auswirken. Die ersten Vergiftungserscheinungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei einer stärkeren Vergiftung, wie sie bei Bränden auftreten kann, können Betroffene auch bewusstlos werden, im Extremfall führt eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zum Tod.

Um die Aufnahme im Alltag zu begrenzen, darf die Kohlenmonoxid-Konzentration in deutschen Städten innerhalb von 8 Stunden einen Mittelwert von 10 Milligramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten. Das Umweltbundesamt stellt auf seiner Homepage eine Deutschlandkarte mit den aktuellen Luftdaten zur Verfügung: http://www.env-it.de
Benzol
Benzol ist ein flüchtiger Kohlenwasserstoff, der Benzin beigemischt wird. Menschen atmen vor allem beim Betanken ihres Autos Benzol ein, da es aus dem Tank verdunstet. Der Stoff ist zudem Bestandteil der entweichenden Abgase. Die höchste Belastung existiert in der Nachbarschaft stark frequentierter Straßen, insbesondere in Straßenschluchten.

Benzol schädigt in einer hohen Konzentration die Leber, die Nieren und das Knochenmark. Allerdings sind auch geringere Konzentrationen auf Dauer schädlich, da Benzol krebserregend wirkt und den Keimzellen schadet.

Mehrere Maßnahmen haben in den letzten Jahren den Benzolgehalt in der Luft deutscher Städte reduziert. So wurde etwa die Benzolmenge im Benzin gesenkt, an Tankstellen sollen Saugrüssel die entweichenden Dämpfe absaugen.
Ruß
Ruß besteht aus elementarem Kohlenstoff. Er entsteht, wenn Dieselkraftstoff, Heizöl, Holz und Kohle nur unvollständig verbrannt werden. Vor allem veraltete Autos, das Heizen mit Holzöfen und die Kohleverbrennung führen zur Rußbelastung in Deutschland.

Durch Partikelfilter hat sich die Anzahl großer Rußpartikel in den letzten Jahren verringert. Problematischer sind allerdings die kleinen Rußpartikel: Als Teil des Feinstaubs können sie tief in die Lunge oder sogar in die Blutbahn eindringen. Kurzfristige Folgen sind Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, langfristig kann die Feinstaubbelastung auch zu Krebserkrankungen führen.

Neben der Gefahr für die Gesundheit schadet Ruß auch der Umwelt: Die dunklen Partikel heizen die Atmosphäre auf. Lagern sie sich auf Eisschilden ab, können diese ergrauen, die Schmelze beschleunigt sich.
Feinstaub
Unter Feinstaub oder Schwebstaub versteht man Teilchen, die so klein sind, dass sie nicht sofort zu Boden sinken und mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Feinstaub kann einen natürlichen Ursprung haben, so zählen etwa die Sporen von Bakterien und Pilzen als Feinstaub.

Gerade in Ballungsgebieten ist der Autoverkehr eine bedeutende Feinstaubquelle. Die Partikel entstehen bei der Verbrennung von Kraftstoff und durch Bremsen- oder Reifenabrieb. Hinzu kommt, dass die Autos Staub von der Straße aufwirbeln.

Je winziger die Feinstaubpartikel sind, desto tiefer können sie in die Atemwege eindringen, ultrafeine Partikel können über die Lungenbläschen auch ins Blut gelangen und sich im Körper verteilen. Feinstaub ist besonders schädlich, wenn der Körper längere Zeit den Partikeln ausgesetzt ist, auch wenn es sich dabei um relativ niedrige Konzentrationen handelt.

Um die Menschen in Ballungsgebieten vor Feinstaub zu schützen, existieren europaweite Grenzwerte. Wenn diese überschritten werden, treten Luftreinhalte- und Aktionspläne in Kraft. Ein Versuch, die Feinstaubwerte niedrig zu halten, sind Umweltzonen und Partikelfilter.


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