Ultrafeinstaub Straßenverkehr verursacht Großteil gefährlicher Luftpartikel

Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub: Einige Komponenten sind besonders klein, über ihre Herkunft war bisher wenig bekannt. Forscher haben nun neue Ergebnisse zum Ultrafeinstaub vorgelegt.

Auspuffrohre eines Diesel-PKW
DPA

Auspuffrohre eines Diesel-PKW


Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, Umweltplaketten, strengere Auflagen beim Schadstoffausstoß: Deutschland hat ein Feinstaub-Problem. Denn die kleinen Partikel in der Luft können schädlich für die Gesundheit sein. Dabei gilt: Je kleiner ein Partikel, desto tiefer kann es in die Lunge eindringen.

Finnische Forscher haben nun erstmals untersucht, wie winzige Partikeln mit einer Größe von 1,3 bis 3 Nanometern, also einem Millionstel Millimeter, entstehen. Teilchen dieser Größe gelten als Ultrafeinstaub.

Demnach verursacht der Straßenverkehr einen Großteil der winzigen Partikel, wie die Forscher im Fachblatt "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) schreiben.

Die Untersuchungen zeigten außerdem, dass Ultrafeinstaub bis zu 54 Prozent aller Partikel in der Luft ausmacht. Die Wissenschaftler hatten die winzigen Luftteilchen in der finnischen Hauptstadt Helsinki gemessen - einmal in einer Vorstadtstraße und dazu in einer innerstädtischen Straßenschlucht.

Schmutzigste Orte Deutschlands im Jahr 2016

NO2: Messstationen, die den Grenzwert für Stickoxide überschritten haben
Feinstaub Mittel: 50 Messstationen mit der höchsten Feinstaubbelastung im Jahresmittel
Feinstaub Tage: 50 Messstationen mit der höchsten Feinstaubbelastung nach Tagen über dem Grenzwert

Quelle: Umweltbundesamt
Grenzwert eingehalten
überschritten
stark überschritten


Dabei stellten sie fest, dass die Windrichtung bei der Ultrafeinstaubbelastung eine wichtige Rolle spielt. Bläst der Wind von der Fahrbahn in Richtung der Messinstrumente, liegt die Anzahl der erfassten Nanopartikel erheblich höher. In der Nähe der Vorstadtstraße war der Anteil der winzigen Partikel in der Luft deshalb besonders groß.

Eine Fahrt über die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden zeigte, dass ein Großteil des Ultrafeinstaubs von Motoren in die Luft geblasen wird. Starker Seitenwind führte dazu, dass die Abgase schnell fortgetragen wurden. Auf der Brücke sammelten sich nur die Partikel der Luft über dem Meer. "In dieser Zeit waren sowohl die Konzentration als auch der Anteil der Nano-Aerosole drastisch reduziert", schreiben die Wissenschaftler.

Klaus Wirtz, Luftexperte beim Umweltbundesamt, ist von den Messergebnissen nicht überrascht. "Es ist nicht verwunderlich, dass im Abgas kleinere Partikel vorhanden sind." Allerdings seien diese Partikel sehr kurzlebig, weil sie sich an andere Partikel binden oder weil sie Kondensationskeime für Tröpfchen werden.

Bundesumweltamt

Zudem seien Messunsicherheiten bei Partikel dieser Größe vergleichsweise hoch. Auf die Untersuchungen von Gesundheitsschädigungen durch Abgase hätten die neuen Erkenntnisse keine Auswirkungen. Bei solchen Tests werde gemessen, welche Dosis eines Stoffgemischs welche Wirkung hat. Die winzigen Partikel sind da schon mit eingerechnet.

Dennoch steht fest, dass Straßenverkehr zum Gesundheitsrisiko werden kann. Neben Feinstaub haben auch weitere Bestandteile von Abgasen aus Verbrennungsmotoren schädliche Auswirkungen: So können Stickoxide Atemwege und Lungen schädigen, außerdem tragen sie zur Entstehung von saurem Regen und bodennahem Ozon bei. Ein weiterer Faktor ist der Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlenstoffdioxid.

koe/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.