Felskolosse Das Rätsel von Costa Ricas Steinkugeln

In einem Tal Costa Ricas sind Dutzende Steinkugeln verstreut - manche mit einem Durchmesser von über zwei Metern. Woher die Felsobjekte kommen, weiß trotz zahlreicher Spekulationen niemand. Jetzt will ein Forscher das Geheimnis lüften.

John Hoopes mit Steinkugel: "Keinerlei schriftliche Zeugnisse"
John Hoopes

John Hoopes mit Steinkugel: "Keinerlei schriftliche Zeugnisse"


Indiana-Jones-Fans sind die mächtigen Murmeln bestens vertraut: Zu Beginn des Films "Jäger des verlorenen Schatzes" gerät der Action-gestählte Archäologieprofessor um ein Haar unter eine jener Steinkugeln, von denen es in Costa Rica etwa 300 gibt.

John Hoopes, Anthropologe an der University of Kansas, will das Geheimnis der teils über zwei Meter großen Felskolosse nun lüften. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Steinkugeln. Gerade erst ist er von einer Reise aus Costa Rica zurückgekehrt, auf der er gemeinsam mit Kollegen im Auftrag der Unesco untersucht hat, ob die Kugeln künftig als Welterbe gelten sollen.

Obwohl sie schon lange erforscht werden, weiß man bislang erstaunlich wenig über die Kugeln - außer dass sie Hunderte, wenn nicht Tausende Jahre alt sein müssen. "Die ersten Berichte über sie tauchten Ende des 19. Jahrhunderts auf", sagt Hoopes. "Man wusste nichts von ihnen, bis die United Fruit Company im Süden Costa Ricas Platz für Plantagen schaffte."

Die größten bekannten Kugeln haben einen Durchmesser von 2,40 Metern und sind mehr als 16 Tonnen schwer. Die meisten liegen im Diquis Delta und auf der Isla del Caño im südlichen Teil des mittelamerikanischen Landes. Laut Hoopes könnten die ersten runden Brocken im 7. Jahrhundert entstanden sein, die meisten aber sind wohl jünger als 1000 Jahre. Eine genaue Datierung sei schwierig. Man nutze die Radiokarbonmethode für Funde, die man nahe den Kugeln entdeckt habe. Die Kugeln selbst sind aus massivem Felsgestein.

Besuche von Außerirdischen?

"Ein Problem der Methode ist, dass man so immer nur etwas über die letzte Verwendung der Kugel erfährt", sagt der Forscher. Sie könnten durchaus noch Hunderte Jahre älter sein. "Es ist sehr schwer zu sagen, wann genau sie hergestellt wurden."

Über die Herkunft der Steinkugeln wurde in der Vergangenheit allerhand geschrieben. Mancher verbindet sie mit dem versunkenen Kontinent Atlantis. Andere stellten sie in Zusammenhang mit Stonehenge oder den Steinskulpturen auf den Osterinseln. "Diese Mythen basieren auf wilden Spekulationen über fiktive alte Zivilisationen oder Besuche von Außerirdischen", klagt Hoopes.

Tatsächlich habe man nahe der Kugeln typische Keramik aus der präkolumbischen Zeit gefunden, so der Wissenschaftler. Bearbeitungsspuren hätten auch verraten, wie die Kugeln hergestellt wurden: durch Beschlagen und Schleifen mit Steinen. Auf einer eigens eingerichteten Website sammelt der Forscher Informationen zum Thema.

Zu welchem Zweck Menschen einst die Felsbrocken in nahezu perfekt runde Form brachten, weiß Hoopes bislang nicht. "Die Leute, die sie erschaffen haben, haben keinerlei schriftliche Zeugnisse hinterlassen."

hda

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