Felsmalereien Das geheimnisvolle Freilichtmuseum von Ughtasar

Steinböcke, Leoparden, Krieger, Bären oder Ziegen: Rund 4000 Jahre sind die geheimnisvollen Felsmalereien im Kaukasus alt - und seit kurzem werden sie erstmals wissenschaftlich erfasst. Nun präsentieren die Forscher Ergebnisse ihrer Arbeit.

A. Reichenberger

Die Uralt-Kunstwerke im armenischen Hochland sind nicht einfach zu erreichen. Man muss sich vorkämpfen in eine erloschene Vulkanlandschaft mit tausenden Basaltbrocken. Dort sind die Felsbilder von Ughtasar auf Höhen von 2000 bis 3500 Metern verstreut - auf einer Fläche von mindestens 40 Hektar. Auf vielen der dunklen Gesteinsbrocken finden sich bronzezeitliche Bilder, etwa von Steinböcken, Leoparden, Kriegern, Bären oder Ziegen. Bekannt sind sie im Grundsatz schon seit Jahrzehnten - doch die wissenschaftliche Aufarbeitung steckt noch in den Kinderschuhen.

Deutsche Forscher sollen nun helfen, das zu ändern. Die 4000 Jahre alten Felsmalereien seien sowohl gestalterisch wie auch handwerklich gekonnt in Szene gesetzt und gut erhalten, erklärt Sachsen-Anhalts Chefarchäologe Harald Meller. Was die Bilder so einzigartig mache, sei nicht nur ihre hohe Anzahl, die über mehrere Jahrhunderte entstanden sein müsse. "Die Tiere und Menschen sind sehr eindeutig aufs Charakteristische beschränkt"

Die deutschen Forscher wollen ihren armenischen Kollegen dabei helfen, die Felsmalereien bei der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt zu bekommen. Ein gutes Dutzend Vermessungsingenieure, Archäologen und Grabungstechniker hatte die Felsbilder von Ughtasar im vergangenen Sommer näher untersucht. Sogar mit einem ferngesteuerten Mini-Helikopter hatten die Experten das Gebiet vermessen und fotografiert. Bisher sind etwa 500 von tausenden Felsmalereien dokumentiert.

Ausstellung im Auswärtigen Amt

Derzeit zeigen die Archäologen Fotos dieser Arbeit in Berlin. In der Ausstellung unter dem Titel "Bilder für die Ewigkeit - Petroglyphen im Hochland Armeniens" im Auswärtigen Amt sind viele Bilder der Felsmalereien zum ersten Mal für breiteres Publikum zu sehen.

Das Auswärtige Amt trägt einen großen Teil der Projektkosten. Eine Sprecherin erklärte, die prähistorische Felskunst sei ein wesentlicher Teil des kulturellen Erbes Armeniens. Wenn alles klappt, will das Land mit Hilfe der deutschen Wissenschaftler binnen der nächsten zehn Jahre den Weltkulturerbe-Titel beantragen. "Dazu müssen die zentralen Fragen beantwortet werden, was es alles für Motive gibt und wie sie zueinander stehen", sagt Archäologe Meller.

Bislang seien die Forscher mit Deutungen der Motive noch sehr zurückhaltend, weil der Bestand zunächst weiter erforscht werden müsse. Meller schätzt, dass sein Team bei einem erneuten Projekt in diesem Sommer noch einmal mehr als 500 Felsmalereien dokumentieren wird.

"Armenien hat sicher gute Chancen auf den Welterbetitel, weil es in dieser Region im Gegensatz zu Europa oder den USA noch nicht viele Welterbestätten gibt", sagt Doris Hartmann vom Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe der Universität Paderborn. Für einen Welterbe-Antrag sei allerdings viel Vorarbeit notwendig, um die Besonderheiten einer Stätte herauszustellen. Die Unesco fordere sehr umfangreiche Anträge. Es gebe bereits mehrere Welterbestätten mit Felsmalereien, beispielsweise in Frankreich oder Spanien. Dass nun die armenischen Felsbilder wissenschaftlich aufgearbeitet würden, sei ein gutes Anliegen, so Hartmann.

chs/dpa



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rompipalle 24.05.2013
1. Nun,ob 4000 Jahre wirklich....
Als prähistorisch angesehen werden muss -ich habe bei dieser Aussage gewisse Zweifel. Es reicht aus,ein mal die nördlich Seiden Straße zu bereisen.Dort sind viele Dinge zu bestaunen die auch an die 4000 Jahre heran kommen. Aber ein jeder definiert sich die Welt und die Bedeutung von Zeit wie es ihm passt.
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