Feueralarm Atomkraftwerk Krümmel nach Brand abgeschaltet

Das Kernkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein ist nach einem Feuer in einer Transformatoranlage abgeschaltet worden. Der Atomreaktor selbst war von dem Brand offenbar nicht betroffen. Auch Radioaktivität ist nach Angaben der Behörden nicht ausgetreten.


Im Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg ist am heutigen Donnerstag ein Brand in einer Transformatoranlage ausgebrochen. Wie die Polizei in Ratzeburg mitteilte, habe keine Gefahr für den Nuklearbereich des Atomkraftwerks bestanden. Wie das zuständige Kieler Sozialministerium am Donnerstag mitteilte, habe es auch keine radioaktive Freisetzung gegeben.

"Niemand wurde verletzt, es gab keine Gefahr für die Umwelt", sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Dennoch sei der Reaktor vorsorglich abgeschaltet worden. Nach Angaben der Kieler Staatskanzlei wurde auch das Kernkraftwerk Brunsbüttel wegen einer Netzstörung automatisch abgeschaltet. "Beide Kraftwerke sind in einem sicheren Zustand", teilte der Betreiber Vattenfall Europe Nuclear Energy mit.

Die Brandmeldung ging nach Angaben eines Sprechers der Polizei in Ratzeburg um 15.09 Uhr ein. Kurz vor 17 Uhr teilte ein Vertreter der Feuerwehr in Geesthacht mit, der Brand sei gelöscht. Ein Feuerwehr-Mitarbeiter vor Ort sagte zu SPIEGEL ONLINE, dass etwa 100 Feuerwehrleute den Brand bekämpft hätten. Die Arbeiten seien schwierig gewesen: "Das ist kein kleines Trafohäuschen am Straßenrand, sondern eine riesige Anlage." Vermutlich hätten im Innern große Mengen Öl Feuer gefangen. Vattenfall erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Ursache des Feuers ist bislang unklar."

Nach Augenzeugenberichten hüllten riesige schwarze Rauchwolken das Atomkraftwerk ein. Über die Trafostation wird der Atomstrom in das Netz eingespeist. Wann das Atomkraftwerk wieder ans Netz gehen kann, war zunächst offen.

Das Atomkraftwerk wird von der Kernkraftwerk Krümmel GmbH betrieben, die jeweils zur Hälfte Vattenfall Europe und E.on Kernkraft gehört. E.on Kernkraft verwies gegenüber SPIEGEL ONLINE darauf, dass die "Betriebsführung" für das KKW Krümmel bei Vattenfall liege und wollte deshalb keine Angaben machen.

Krümmel an der Spitze der deutschen Pannen-Statistik

Das Kernkraftwerk Krümmel liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Hamburg an der Elbe im Ortsteil Krümmel der Stadt Geesthacht in Schleswig-Holstein. Nach knapp zehn Jahren Bauzeit erfolgte am 14. September 1983 die erste kontrollierte Kernspaltung. Der Siedewasserreaktor mit einer Nettoleistung von 1346 Megawatt produziert jährlich 10,5 Milliarden Kilowattstunden Strom und liefert damit laut Vattenfall etwa 30 Prozent der insgesamt in Schleswig-Holstein erzeugten Strommenge.

Nach dem Jahresbericht des Bundesumweltministeriums hat es im vergangenen Jahr 15 "meldepflichtige Ereignisse" im Kernkraftwerk Krümmel gegeben. Damit liegt Krümmel bundesweit an der Spitze. Meldepflichtig sind auch schon kleine Zwischenfälle wie der zeitweilige Ausfall von Pumpen oder Stromsystemen. Immer wieder wurde über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Radioaktivität und der in der Umgebung von Geesthacht festgestellten Häufung von Leukämie-Erkrankungen diskutiert.

Bütikofer fordert "sofortige und umfassende Aufklärung"

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte eine "sofortige und umfassende Aufklärung" des Brandes. "Der Vorfall darf nicht heruntergespielt werden", sagte er in Berlin und fügte hinzu: "Die Atomlobby erzählt uns jeden Tag, die Gefahr der Atomkraft habe sich erledigt. Die Tatsachen widerlegen diese Propaganda."

Die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke war zuletzt im vergangenen Sommer kontrovers diskutiert worden. Vorausgegangen war ein schwerwiegender Störfall am 25. Juli im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark. Nach einem Blitzschlag in eine Hochspannungsleitung war es dort zu einem Kurzschluss gekommen, nur zwei der vier Notstromaggregate des Kraftwerks waren angesprungen. Die schwedische Atomaufsicht hatte den Vorfall als sehr ernst eingestuft.

Die deutschen AKW-Betreiber hatten daraufhin erklärt, ein Störfall wie in Forsmark sei hierzulande ausgeschlossen. Kernkraftgegner hatten dies jedoch in Frage gestellt. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, erklärte, die Betreiber leisteten ihrem eigenen Anliegen einen Bärendienst, wenn sie nach dem gravierenden Störfall reflexartig Entwarnung gäben.

mbe/AP/dpa



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