Feueralarm Mamas Geschrei weckt Kinder besser als Feuersirenen

Ein piepender Feuermelder nervt Kinder nicht so sehr, wie er eigentlich sollte: Nur knapp jedes zweite Kind wird von der Sirene wach. Mutters Schrei wirkt da viel besser - zumindest meistens.

Von Franziska Badenschier


Ein Feuermelder soll Feuer melden. Doch Kinder scheinen das nicht zu verstehen. Nur wenige lassen sich von dem nervigen Gepiepe aus dem Tiefschlaf reißen. Und dass der Krach sie animieren soll, aus dem Bett und aus dem Zimmer zu flüchten, ist ihnen wohl auch nicht klar. Mamas aufgeregtes Geschrei wirkt viel besser, berichten Kinderärzte in dem angesehenen Fachblatt "Pediatrics".

Friedlich im Tiefschlaf: Das nervige Gepiepse eines Feuermelders weckt nur wenige Kinder auf, das Geschrei der Mutter aber fast alle
DPA

Friedlich im Tiefschlaf: Das nervige Gepiepse eines Feuermelders weckt nur wenige Kinder auf, das Geschrei der Mutter aber fast alle

"Der gewöhnliche Feuermelder-Alarm weckt während des Tiefschlafs die meisten Kinder nicht", schreiben Gary Smith und seine Kollegen vom Columbus Children's Research Institute im US-Bundesstaat Ohio und seine Kollegen. In ihren Versuchen wachten 14 von 24 Kindern bei dem Gepiepe nicht auf, und das, obwohl in den Versuchen der Ton 100 Dezibel laut war - viermal so laut wie bei normalen Feuermeldern, die man zu Hause hat.

Durch das Geschrei der Eltern, das ebenfalls mit 100 Dezibel in die Kinderzimmer schallte, wurden fast alle Kinder wach. Nur der siebenjährige Rhys schlief weiter, er überhörte auch die Feuersirene. Die Mutter, Nancy Baron, war davon "schockiert" und wollte sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Test real gewesen sei. Rhys Schwester Maddie wurde immerhin von den Rufen ihrer Mutter wach; die Sirene des Feueralarms überhörte sie jedoch auch. Acht weiteren der 24 Kinder ging es ebenso.

Feuermelder "versagen bei Kindern elendig"

Was bei Erwachsenen erfahrungsgemäß funktioniert - Sirene eines Feuermelder gleich Aufwachen gleich Fliehen -, "versagt bei Kindern elendig", wie Koautor Smith drastisch formuliert. Ein Feuermelder im Kinderzimmer reicht offensichtlich nicht. Ein zusätzlicher Feuermelder im Schlafzimmer der Eltern wäre sinnvoll: Da wirkt er immerhin - und die Eltern können schnell in die Kinderzimmer rennen und da wirkungsvoll Alarm schlagen.

Die Stimme der Mutter weckte die Kinder im Schnitt innerhalb von 20 Sekunden auf, innerhalb von durchschnittlich 38 Sekunden flüchteten sie aus dem Kinderzimmer, berichten die Forscher. Auf die Sirene reagierten die Jungen und Mädchen hingegen wesentlich langsamer – wenn sie denn überhaupt reagierten: Neun der 24 Kinder wurden von dem Feueralarm wach, allerdings erst innerhalb von drei Minuten. Bis sie flüchteten waren im Schnitt fünf Minuten vergangen.

An Smiths verhältnismäßig kleiner Studie nahmen 24 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren teil. Jeweils die Hälfte bekam in einem ersten Durchgang während einer Tiefschlafphase die Sirene des Feuermelders zu hören und im zweiten Durchgang den Schrei der Mutter. Zurerst rief sie den Vornamen des Kindes, dann "Wach auf! Komm aus dem Bett! Verlass das Zimmer!". Bei den anderen zwölf Kindern wurde das Prozedere in umgekehrter Reihenfolge getestet.

Rund 470 Kinder bei Wohnungsbränden in den USA gestorben

Warum fast alle Kinder vom Geschrei der Mutter aufwachen, nicht aber vom eigentlich unangenehmeren Alarmsignal des Feuermelders, konnten die Kinderärzte nicht genau klären. Vielleicht reagierten die Kinder auf den Ruf ihres Vornamens, mutmaßen die Forscher, vielleicht aber auch auf die Stimme der Mutter selbst oder darauf, dass die Frequenz von Mamas Klang niedriger ist als der des alarmierenden Piepstons.

Die US Fire Administration schätzt, dass im letzten Jahr 3300 Feuer rund 3380 Menschen getötet haben (ohne Feuerwehrmänner). 14 Prozent der Opfer seien Kinder unter zehn Jahren gewesen.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.