Mathematiker-Klischees Weltfremd, schrullig, schüchtern?

Mathematiker gelten als sehr spezielle Menschen. Aber wie sehen sie sich selbst? Acht Teilnehmer des weltgrößten Mathe-Kongresses berichten.

SPIEGEL ONLINE

Aus Rio de Janeiro berichtet


Scharfsinnig sind sie, ihr Denken ist rational ausgerichtet. Sie sind oft gute Musiker, aber emotional haben sie das eine oder andere Defizit. So lautet ein gängiges Klischee über Mathematiker und Mathematikerinnen.

Und es gibt natürlich tatsächlich einige, die zumindest auffallen. Der extrovertierte Cedric Villani zum Beispiel, der oft im Anzug und mit Spinnenbrosche unterwegs ist und an einen Dandy aus dem 19. Jahrhundert erinnert.

Oder der leider schon verstorbene Alexander Grothendiek, der die letzten Jahre seines Lebens zurückgezogen in einem Dorf in den Pyrenäen gelebt hat - quasi als Einsiedler.

Oder das russische Genie Gregori Perelman. Erst löste er das Jahrhundertproblem der Poincaré-Vermutung, um dann die Fields-Medaille dafür abzulehnen, hoch dotierte Angebote für Professuren auszuschlagen und sich aus dem offiziellen Wissenschaftsbetrieb zu verabschieden.

Oder der legendäre Ungar Paul Erdös, der mit Alltagsdingen schnell überfordert war und auch nicht dauerhaft an einem Arbeitsplatz sein wollte. Stattdessen verbrachte er seine Karriere damit, von Mathe-Institut zu Mathe-Institut zu reisen.

Fields-Medaille 2018

Ziehen die komplizierten Probleme aus Zahlentheorie, Geometrie oder Algebra womöglich ganz besondere Persönlichkeiten an? Gehen Wahnsinn und Genie gar Hand in Hand, wie einst Udo Lindenberg dichtete? Oder wird mancher Mathematiker im Laufe der Jahre vielleicht einfach nur ein wenig sonderbar?

Ich bin nun schon seit mehreren Tagen auf dem International Congress of Mathematics (ICM2018) in Rio des Janeiro unterwegs. Und ich muss sagen: Die meisten Teilnehmer passen kaum zum gängigen Klischee des weltfremden Grüblers. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass viele Teilnehmer noch relativ jung sind, weil sie gerade promovieren?

Wie sehen aber sich die Mathematiker selbst? Erfordert das Fach spezielle Persönlichkeiten? Oder bringt es sie hervor? Ich habe acht Teilnehmer des Kongresses befragt - lesen Sie hier ihre Antworten:

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Mathematiker: Sind sie besondere Menschen?
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