Kinofilm "Die Höhlen der Toten": 3-D-Tauchgang in die Unterwelt der Maya

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Ein Taucherteam unterwegs im wohl größten Unterwasser-Höhlensystem der Erde: Ein neuer Kinofilm zeigt die gefluteten Cenoten Mexikos erstmals in drei Dimensionen. Trotz kleiner Schwächen - die einzigartigen Bilder aus der Unterwelt der Maya sind beeindruckend.

Der erste Tote in den Höhlen der Toten ist kein Mensch. Ein Lichtstrahl streift über einen Felsvorsprung und trifft einen kleinen Affenschädel. Aus riesigen Augenhöhlen starrt er die Taucher an. Dann verschwindet er wieder in der Finsternis, in der er seit vielen Jahrhunderten liegt.

Die Szene aus dem Kinofilm "Verborgene Welten 3D - Die Höhlen der Toten" zeigt, dass die Höhlen auf Mexikos Halbinsel Yucatán einst das Zuhause vieler Tiere und Menschen waren. Dann ging vor rund 10.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende, die Meeresspiegel stiegen, und die mit dem Ozean verbundenen Höhlen versanken langsam im Wasser.

Das Resultat ist das wahrscheinlich größte Unterwasserhöhlensystem der Erde: Tausende Einbrüche im Kalksandstein führen zu Hunderten Kilometern gefluteter Höhlen. Es ist ein faszinierendes Gebiet für Sporttaucher und Archäologen. Knochen steinzeitlicher Tiere, jahrtausendealte Feuerstellen von Menschen, Knochen alter Maya: Es gibt kaum eine Cenote, in der es keine Spuren der Vergangenheit zu finden gibt.

Allerdings sind die Höhlen äußerst schwierig zugänglich. Nur speziell ausgebildete Taucher können sich in das unterirdische Labyrinth wagen, und selbst sie können sich dort im Nu verirren. "Verborgene Welten" verspricht nun eine gewisse Abhilfe: Erstmals wurden die Cenoten mit 3-D-Filmtechnik dokumentiert. Der Streifen ist seit Donnerstag in 37 deutschen Kinos zu sehen.

Tauchgang in eine bizarre Unterwelt

So viel vorab: Die Bilder lösen dieses Versprechen ein. Regisseur Norbert Vander gelingt es, den Betrachter in finstere Hallen voller bizarrer Tropfsteingebilde und Spuren aus ferner Vergangenheit zu ziehen. In einem der stärksten Momente des Films taucht eine Feuerstelle aus der Dunkelheit auf, die aussieht, als hätte sie gestern noch gebrannt. Eine Radiocarbonanalyse ergab jedoch, dass sie rund 8400 Jahre alt ist.

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19  Bilder
Cenoten: Die bizarre Unterwelt der Maya
Ebenso bemerkenswert sind die Aufnahmen aus der Las-Calaveras-Cenote, wo Forscher die Überreste von mehr als 125 Menschen gefunden haben. Deutsche Archäologen forschen gemeinsam mit mexikanischen Kollegen seit Jahren in dem Wasserloch - und noch immer "kratzen wir gerade erst an der Oberfläche", sagt Florian Huber vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Kiel, Leiter des im Film porträtierten Taucherteams. In praktisch jeder Cenote finde man Hinterlassenschaften aus der Maya-Zeit. "Das ist ein Paradies für Unterwasserarchäologen."

Ein echter Dokumentarfilm, wie die Facebook-Seite zum Film verspricht, ist dabei freilich nicht herausgekommen. So werden Aufnahmen aus unterschiedlichen, teils weit voneinander entfernten Cenoten als Bilder aus ein- und derselben Höhle präsentiert. Auch gibt es merkwürdige Brüche zwischen Film und Sprechertext.

So versucht der Erzähler, mit bedrohlichem Timbre und dramatisierenden Andeutungen ("Grusel erfasst mich. Ob uns dieser Ort auch wieder freigeben wird?") die mystischen Höhlen noch mystischer wirken zu lassen - was angesichts der Wucht der 3-D-Bilder gar nicht nötig wäre.

Der Erzähler sagt das eine, der Film das andere

Zudem strafen die Bilder den Sprechertext oft Lügen, wie beim letzten und längsten Tauchgang des Films. Die "Startcenote" etwa soll mitten im Dschungel liegen. Im Film aber sieht man die Forscher in ein unter Sporttauchern und Schnorchlern beliebtes Wasserloch hüpfen. Wer es kennt, weiß, dass es direkt an einer großen Straße liegt. Der wirkliche Ausgangspunkt des Tauchgangs aber lag ganz woanders.

Sein Ziel soll sein, einen Durchgang vom Höhlensystem ins Meer zu finden. Der Erzähler kündigt das als Suche mit ungewissem Ausgang an. Als die Taucher dann aber im Ozean an die Oberfläche stoßen, ist das Kamerateam praktischerweise schon an genau der richtigen Stelle, um das Team beim Auftauchen zu filmen. In diesen Momenten wird deutlich, dass der Film manches eher inszeniert als dokumentiert. Produzent Peter Baaten räumt ein, dass an manchen Stellen die Dramaturgie wichtiger gewesen sei als ein strenger dokumentarischer Anspruch: "Der Film ist eher Docutainment."

Das aber kann durchaus informativ und unterhaltend sein. So erfährt man etwa, dass Tropfsteine nicht nur als schlanke Säulen daherkommen, sondern die Form gewaltiger Glocken annehmen können. "Hells Bells" nennen die Forscher die beeindruckenden Gebilde. Man erkennt, wie gefährlich es sein kann, in den Höhlen zu tauchen. Und man bekommt eine Ahnung davon, wie es in der Welt der Maya ausgesehen hat.

Das liegt zum einen an den Passagen, in denen heutige Nachfahren der Maya in prachtvollen Kostümen historische Szenen nachstellen - etwa das mesoamerikanische Beispiel oder die Opferung von Gefangenen. Ihre bunte Aufmachung dürfte durchaus realistisch sein: Sie entspricht dem Kleidercode der Maya, der aus historischen Steinbildnissen und Malereien bekannt ist.

Seine größte Wirkung bezieht der Film allerdings aus den einzigartigen 3-D-Aufnahmen. Sie sind mit Hilfe der weltweit kleinsten, aber immer noch 80 Kilogramm schweren 3-D-Unterwasserkamera entstanden - und unter teils harten Bedingungen für die Taucher. Zudem handele es sich um eine "Low-Budget-Produktion", sagte Produzent Baaten bei der Premiere des Films in Hamburg. Die genaue Summe wollte er nicht verraten. "Aber bei der BBC wäre dafür vermutlich niemand vom Schreibtisch aufgestanden."

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Ist doch klar...
Charlie Whiting 17.08.2013
...warum hier etwas Dramatik inszeniert wird (deutet im Text auch ein Zitat an). Der Film soll keine Vorlesung sein und der Zuschauer soll sich ja nicht langweilen. Ist er doch gewohnt, dass bei solchen Szenarien in einem Spielfilm noch spätestens 2 Minuten ein Riesenkrake angreift. Mich stört das also nicht und werde mir den Film ansehen. Witzig fand ich den Hinweis, dass sich die Kamera von aussen bedienen lässt. Ist schon klar, dass da erst die Kamera ist und dann nochmal ein Spezialgehäuse drumherum. Trotzdem...von innen bedienen...? :-)
2. Liest sich wie...
Layer_8 17.08.2013
Zitat von sysopEin Taucherteam unterwegs im wohl größten Unterwasser-Höhlensystem der Erde: Ein neuer Kinofilm zeigt die gefluteten Cenoten Mexikos erstmals in drei Dimensionen. Trotz kleiner Schwächen - die einzigartigen Bilder aus der Unterwelt der Maya sind beeindruckend. Filmkritik "Verborgene Welten 3D - Die Höhlen der Toten" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/filmkritik-verborgene-welten-3d-die-hoehlen-der-toten-a-916935.html)
...als würde in diesem Film viel zu viel gelabert bei grandiosen Bildern.
3. Wie...
sbi 17.08.2013
...stellt man den das mesoamerikanische Beispiel nach?
4. Sintflut
winterwoods 17.08.2013
"Dann ging vor rund 10.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende, die Meeresspiegel stiegen, und die mit dem Ozean verbundenen Höhlen versanken langsam im Wasser. " Leider wird das immer wieder voneinander abgeschrieben - aber es stimmt nicht. Viele Funde belegen, dass der Klimawandel und die folgende Überflutung weiter Erdteile um 10.000 BC sehr plötzlich geschehen sein musste. Belege dafür finden sich weltweit. Sehr wahrscheinlich ist der Mythos der Sintflut auf dieses Ereignis zurückzuführen.
5.
Greed 17.08.2013
Sehr schade das dieser Film nur in so wenigen Kinos gezeigt wird
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AP
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