Verkehrschaos Warum der Strom am Flughafen Hamburg ausfiel

Ein Kurzschluss hatte den Hamburger Flughafen blockiert. Am Sonntag wurde der Betrieb eingestellt, Tausende Reisende saßen fest. Wie es zu dem Vorfall kam, hat nun die Betreiberfirma erklärt.

Leeres Vorfeld am Hamburger Airport
imago/Chris Emil Janßen

Leeres Vorfeld am Hamburger Airport


Zehntausende Reisende saßen in Hamburg fest: Ein Stromausfall hatte am Sonntag den Flughafen lahmgelegt und bei Reisenden für Unmut und lange Schlangen gesorgt. Der Flugbetrieb musste eingestellt werden, erst am Montagmorgen flogen wieder erste Maschinen.

Der Grund für den Stromausfall sei ein Kurzschluss in der Hauptstromversorgung gewesen, hieß es zunächst. Wie es dazu kam, teilte der Flughafen nun mit: Demnach habe eine schadhafte Isolierung an einem Kupferkabel den Kurzschluss ausgelöst.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) schreibe zwei unabhängig voneinander betriebene Stromsysteme für die Flugbetriebsflächen vor, hieß es in der Mitteilung. Mit dem öffentlichen Netz und dem eigenen Blockheizkraftwerk, bei dem Wärme aus Gasverbrennung in Energie umgewandelt wird, verfügt der Flughafen über diese beiden Systeme.

Wenn eines der beiden Systeme ausfällt, darf der Flughafen dauerhaft nicht weiter betrieben werden. Deshalb gingen am Hamburger Airport dann am Sonntag auch die Lichter aus. "Aus Sicherheitsgründen müssen das Hauptstromnetz und der Notstrom gleichzeitig laufen", sagt Flughafen-Sprecherin Katja Bromm.

42 Kabel auf 540 Metern Länge

"Innerhalb unseres eigenen Kraftwerkes gibt es mehr Generatoren als gefordert und somit eine Backup-Lösung. Der Kurzschluss traf jedoch mitten ins Herz des Blockheizkraftwerkes, sodass dieses komplett ausgefallen ist und nur noch ein System für das Pistensystem zur Verfügung stand", erläutert Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport. Zwar gab es also noch planmäßig Strom aus dem öffentlichen Netz. Aber wegen des Komplettausfalls des Notstroms und seines Backup-Systems mit allen sechs Generatoren musste der Betrieb dennoch eingestellt werden, so Bromm.

Laut einem Experten ist es in solchen Situationen nicht leicht, die schadhafte Stelle überhaupt erst einmal zu finden. Manchmal wirkten Kabel von außen intakt, dabei seien sie defekt. Zudem gäbe es sensible Stellen im System, die beide Stromkreisläufe beeinflussen könnten, wenn diese beschädigt würden.

Nachdem die Techniker des Flughafens die Ursache des Kurzschlusses gefunden hatten, wurden insgesamt 42 Kabel auf 540 Metern Länge großflächig ausgetauscht. Dadurch stand das Blockheizkraftwerk ab drei Uhr morgens wieder zur Verfügung.

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Hamburger Flughafen: Kein Strom, kein Flugbetrieb

Kleinere Privatmaschinen, die auf Sichtflug fliegen, waren nicht von dem Ausfall betroffen, berichtet ein Hobbypilot. Der Tower habe am Sonntagnachmittag ganz normal kommunizieren können.

Die Stromversorgung auf Flughäfen besteht aus sehr komplexen Systemen. Mehr als zwei Dutzend Techniker sind beispielsweise notwendig, um das 10.000-Volt-Versorgungsnetz am Flughafen Frankfurt zu überwachen. Er verbraucht jährlich in etwa so viel Strom wie alle Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen der Stadt Heidelberg zusammen.

Auch der größte Flughafen der Welt war schon betroffen

Dass Stromausfälle Flughäfen lahmlegen oder die Abläufe behindern, kommt immer mal wieder vor. Erst im April war es am Flughafen Schiphol in Amsterdam zu massiven Behinderungen gekommen, weil auch hier das Stromnetz zusammengebrochen war. Es kam zu zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen, auch 18.000 Haushalte waren ohne Strom.

Noch schlimmer erwischte es im Dezember 2017 den Flughafen Atlanta, den verkehrsreichsten der Welt. Damals saßen aufgrund eines Stromausfalls Tausende Passagiere im Dunklen oder konnten elektrische Türen nicht mehr passieren. Zudem hockten Passagiere stundenlang in ihren Maschinen und durften die Flugzeuge nicht verlassen. Grund für den Ausfall war ein Feuer in unterirdischen elektrischen Anlagen des Flughafens. Es dauerte fast zwölf Stunden, bis der Betrieb wieder normal lief.

Damals hatte der Flughafenverband ADV mitgeteilt, dass deutsche Flughäfen für solche Fälle bestens gerüstet seien. Bei einem Szenario wie in Atlanta sei lediglich von einem zeitlich beschränkten Ausfall in einem eng beschränkten lokalen Gebiet auszugehen. Zu dem Hamburger Vorfall äußerte sich der ADV bislang nicht.

Bei einem anderen Zwischenfall konnte der Flugbetrieb dagegen aufrechterhalten werden: Als Extremisten im März einen Brandanschlag auf acht Starkstromkabel in Berlin verübten, brachen Teile der Hauptstadtversorgung zusammen, Tausende Haushalte waren ohne Strom. Ausgefallene Ampeln sorgten für ein Verkehrschaos. Doch in Tegel gab es keine Einschränkung des Flugbetriebs. Laut dem Bekennerschreiben hätte der Flughafen aber auch ein Ziel des Anschlags sein sollen.

joe



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