Forscher: Sexuelle Perversion ist das Fundament der Ehe

Nur wer ein bisschen pervers ist, kann ein Leben lang verheiratet bleiben. Das ist die These des obersten deutschen Sexualwissenschaftlers.

Ehe: Die Perversität des Nasenflügels
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Ehe: Die Perversität des Nasenflügels

Frankfurt am Main - Paare, die jahrzehntelang zusammenleben, verbinde eine kleine Perversion, behauptet Professor Volkmar Sigusch. Nur so könnten sie ein erfülltes Sexualleben aufrechterhalten. Sigusch ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sexualwissenschaft (DGfS), die gerade ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Die Perversions-These soll ihn durch eine breit angelegte Untersuchung zum Thema "Liebe und Sex" leiten.

Dabei wird der Begriff "pervers" nicht im Sinne von "abnorm" gebraucht, sondern meint eine lebenslange Begeisterung für eine bestimmte Sache, "zum Beispiel für eine bestimmte sexuelle Spielart, das Geräusch des Atems, den Geruch oder auch die Form der Nasenflügel". Sigusch zufolge laufen solche Mechanismen immer unbewusst ab. Gerade deshalb könnten sie für das lebenslange gegenseitige Begehren eines Paares verantwortlich sein.

Zunehmend scheitere die Verbindung von Sex und Liebe jedoch, sagt Sigusch: "Der Wunsch, dass beides zusammenkommt, ist noch immer sehr stark, aber es gelingt immer seltener." Eine Ursache sei, dass sich die "moralische Grundanforderung" an eine Beziehung auf wenige Punkte reduziert habe: "Im Kern heißt die Regel: den anderen lieben und ihm treu sein." Weil die Begriffe aber so eng gekoppelt seien, funktioniere das eine nur mit dem anderen. Das heißt: Wenn das Gefühl des Verliebtseins nachlässt, haben viele Menschen nicht mehr das Gefühl, auch treu sein zu müssen.

Die steigenden Scheidungszahlen erklärt Sigusch auch mit der gestiegenen Lebenserwartung: "Die Ehe wurde zu einer Zeit erfunden, als die Menschen wenige Jahre miteinander lebten. Heute soll ein Paar viele Jahrzehnte miteinander auskommen. Das hält diese Institution nicht aus."

Das Internet sieht Sigusch nicht als Gefahr für das reale Sexualleben, im Gegenteil: "Über das Netz schaffen es viele Menschen, aus ihrer Einsamkeit herauszukommen." Erotische Chat-Rooms hätten auch den Zweck, einen realen Partner zu finden. Das Spielerische des Mediums, bei dem man schreibend nicht nur Name und Alter, sondern mühelos auch Geschlecht und Lebensgeschichte verändern kann, rege die Fantasie an und wirke im besten Fall auch im realen Leben befreiend.

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