Wahrnehmung: Forscher suchen die attraktivste Stimme

Stimmung in der Stimme: Wann klingt jemand besonders anziehend? Zur Großansicht
Corbis

Stimmung in der Stimme: Wann klingt jemand besonders anziehend?

Gehaucht und hoch, aber nicht zu kindlich: Das ist laut einer Studie das Rezept für eine attraktive weibliche Stimme. Bei Männern ist dagegen Bass gefragt. Die Erklärung für die Stimm-Vorlieben verorten die Forscher im Tierreich.

Es ist ein kurioser Satz, der dort immer wiederholt wird: "I owe you a yoyo" ("Ich schulde dir ein Jo-Jo"). Mal wird er mit tiefer, ruhiger Stimme vorgetragen, mal zart gehaucht, mal hoch, fast kreischend. Gesprochen hat ihn kein Mensch, erzeugt wurde die Lautfolge mit einem Programm. Nur so konnten die Forscher um Yi Xu vom University College London exakt kontrollieren, wie der Satz gesprochen wird. An der Studie, bei der insgesamt 42 Männer und Frauen Wortfolgen anhörten und beurteilten, war auch ein Forscher der RWTH Aachen beteiligt.

Xu und Kollegen wollten mit Hilfe des Jo-Jo-Satzes herausfinden, welche Stimmqualitäten als besonders attraktiv empfunden werden. Im Fachmagazin "Plos One" berichten sie, das zartes Hauchen und eine hohe Tonlage Frauenstimmen begehrenswerter erscheinen lassen. Männerstimmen werden dagegen als anziehend bewertet, wenn tief, aber nicht zu rau und auch leicht gehaucht gesprochen wird.

Groß und gefährlich

Wie die Wissenschaftler berichten, tragen viele Lautäußerungen von Säugetieren und Vögeln eine von zwei Botschaften. Mit rauen, tiefen Lauten warnen sie andere davor, ihnen näherzukommen - das tun knurrende Hunde ebenso wie brüllende Löwen. Diese Laute signalisieren zusätzlich, dass das Tier recht groß ist - schließlich ist ein größerer Gegner ja im Zweifel auch gefährlicher.

Mit klaren, hohen Tönen dagegen signalisieren sie, dass von ihnen keine Gefahr droht und der Zuhörer gerne näherkommen kann. In diesen Lauten liegt zudem die Botschaft, dass das Tier relativ klein, also auch weniger gefährlich, ist.

Die Forscher vermuten, dass eine höhere Tonlage und ein hauchendes Sprechen bei Frauen dementsprechend eine kleinere Statur widerspiegeln und dies von Männern als attraktiv empfunden wird. Wird die Stimme zu hoch und damit zu kindlich, beurteilten die Zuhörer sie jedoch als weniger attraktiv.

Bei Männern wiederum signalisiert eine tiefere Stimme, dass der Sprecher groß ist. Allerdings fanden die Frauen die Männerstimme attraktiver, wenn diese den Satz auch etwas hauchte. Das Hauchen könnte ein Mittel sein, das Drohpotential, das in einer tiefen Stimme stecke, abzumildern, meinen die Wissenschaftler.

wbr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Eine Stimme sagt mehr als 1000 Worte
cassandros 25.04.2013
Zitat von sysopCorbisGehaucht und hoch, aber nicht zu kindlich: Das ist laut einer Studie das Rezept für eine attraktive weibliche Stimme. Bei Männern ist dagegen Bass gefragt. Die Erklärung für die Stimm-Vorlieben verorten die Forscher im Tierreich. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/forscher-suchen-die-attraktivste-stimme-a-896547.html
Die attraktivste Stimme der Welt hat die Frau von der Lottozentrale, die mir mitteilt, daß ich 1 Million gewonnen habe. Ich warte auf ihren Anruf!
2.
neu_ab 25.04.2013
Zitat von sysopCorbisGehaucht und hoch, aber nicht zu kindlich: Das ist laut einer Studie das Rezept für eine attraktive weibliche Stimme. Bei Männern ist dagegen Bass gefragt. Die Erklärung für die Stimm-Vorlieben verorten die Forscher im Tierreich. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/forscher-suchen-die-attraktivste-stimme-a-896547.html
Solche Studien befördern die Diskriminierung abweichender Stimmlagen. Ich finde, die Unterscheidung (=Diskriminierung) in Grade von Attraktivität, auch bei Stimmen, für menschenverachtend. Sexuelle Präferenzen sind nicht natürlich, sondern anerzogen, genauso wie Geschlechterrollen. Ich hoffe, daß da ein runder Tisch schon an diesem Problemkomplex arbeitet.
3.
Zitrone! 25.04.2013
Hat sich mal jemand die Stimmbeispiele angehört? Ich finde die alle gruselig und vor allem völlig unnatürlich. Fraglich, inwieweit sich daraus etwas für echte Stimmen folgern lässt ...
4. Falsche Betonung?
wieeinspatz 25.04.2013
Die Betonung hätte auf "Yo-Yo" liegen sollen und nicht auf "I owe you". Alle Stimmen klingen unnatürlich.
5.
bafibo 25.04.2013
Zitat von Zitrone!Hat sich mal jemand die Stimmbeispiele angehört? Ich finde die alle gruselig und vor allem völlig unnatürlich. Fraglich, inwieweit sich daraus etwas für echte Stimmen folgern lässt ...
Allerdings, so unsympathisch kann man kaum klingen, daß daß man es mit natürlicher Stimme nicht noch besser hinbekäme. Und wo ist der Artikel vor yo-yo geblieben?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS
alles zum Thema Anthropologie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 20 Kommentare