Forscher-Witze "Nature" veröffentlicht verschrobene "Simpsons"-Top-10

Evolutionswitze, Fermats letzter Satz und ein heimisches Perpetuum Mobile: "Die Simpsons" stecken voller Anspielungen für Forscher und Nerds. Dem Wissenschafts-Magazin "Nature" war der Kinostart des "Simpsons"-Films daher eine kuriose Top-10 der Wissenschaftsmomente wert.


Sie hält sich am liebsten in Museen auf, mag Naturwissenschaften und tritt jetzt in ganz große Fußstapfen: In "Die Simpsons - der Film", der gestern anlief, hält die kluge Lisa einen Vortrag namens "Eine irritierende Wahrheit" (im Original: "An Irritating Truth") - die Anspielung auf Al Gores oscarprämierten Klimawandelfilm "An Inconvenient Truth" ist nicht eben subtil. Aber ist der grellgelbe Zeichentrickfilm deswegen ein Thema für die Wissenschaftsgemeinde?

"Simpsons"-Produzent Al Jean im "Nature"-Interview: Hawking als Gaststar und Mathe-Witze im Gepäck
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"Simpsons"-Produzent Al Jean im "Nature"-Interview: Hawking als Gaststar und Mathe-Witze im Gepäck

Immerhin Stephen Hawking, Stephen Jay Gould und Albert Einstein hatten als Comicfiguren schon ihre Gastauftritte in der Fernsehserie - das entgeht auch dem Laienpublikum nicht. Bei Naturwissenschaftlern und Mathematikern genießt die zweidimensionale Trickfilmstadt Springfield gar den Ruf, vor versteckten Anspielungen auf die akademische Welt geradezu zu strotzen - bis hin zu "atemberaubend obskuren mathematischen Beweisen". Das konstatiert immerhin die Wissenschaftszeitschrift "Nature", eines der renommiertesten Blätter überhaupt.

In ihrer aktuellen Ausgabe gibt die Zeitschrift - in der normalerweise Spitzenforscher über ihre neuesten Ergebnisse berichten und ein Nachrichtenteil als Echolot des menschlichen Erkenntnisfortschritts fungiert - den "Simpsons" gleich zwei volle Seiten Raum: Al Jean, Produzent und Chef-Drehbuchschreiber der Serie, wird dort interviewt.

Dabei lernt der geneigte "Nature"-Leser nicht bloß, dass Jean selbst an der Elite-Uni Harvard Mathematik studiert hat, sondern auch, woran die "Nature"-Macher sich bei "Die Simpsons" reiben: Die kluge, sozial häufig etwas abseits stehende Lisa ist ihre Identifikationsfigur. Die klischeehafte Darstellung von Wissenschaftlern ist, nun ja, vielleicht einfach zu nah an der Realität. Professor Frink, der dickbebrillte, leicht irre Universalgelehrte der "Simpsons"-Heimatstadt Springfield, avanciert zumindest in der Popkultur zur ikonografischen Darstellung des Forschers an sich - und hängt in Universitäten und Forschungsinstituten an unzähligen Pinnwänden und Türrahmen.

Drehbuchschreiber nur ein Haufen Eierköpfe?

"Generell stellen wir Forscher so dar, als wären sie abgeschottet, hätten ein schlechtes Sozialleben und sagten komische Sachen", erläutert "Simpsons"-Produzent Al Jean bereitwillig. "Von meiner begrenzten Erfahrung in der akademischen Welt her, würde ich nicht sagen, dass dies völlig daneben liegt." Dabei haben mehrere "Simpsons"-Schreiber selbst Naturwissenschaften oder Mathematik studiert. "Seid ihr im Herzen ein Haufen Eierköpfe?", will der Interviewer wissen - nachdem Jean einige seiner Lieblings-Mathe-Witze aus den vergangenen 400 Folgen von "Die Simpsons" erzählt hat.

Wie speziell die Verehrung für eine Mainstream-Fernsehserie sein kann, offenbart dann eine Hommage der Redaktion, die sich sonst mit Genomen und Geoforschung, Teilchenphysik und toten Sauriern beschäftigt: Am Ende des zweiseitigen Interviews findet sich eine "Top 10 der Wissenschaftsmomente bei den 'Simpsons', ausgewählt von der 'Nature'-Redaktion". Dergleichen Listen sind zwangsläufig subjektiv.

Doch die Auswahl des "Nature"-Teams spricht tatsächlich dafür, dass Al Jean und seine Kollegen mit charmant-sonderbaren Figuren wie Professor Frink ganz richtig liegen: Laien fällt es zuweilen schwer, die Lieblingswitze der Wissenschaftsredakteure zu verstehen - geschweige denn, darüber zu lachen.

Lesen Sie selbst - und stimmen Sie am Ende ab: Die Top-10 der Wissenschaftsmomente in "Die Simpsons" nach Meinung der renommiertesten Forschungszeitschrift.

stx



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