Forscherskandal Klon-Star Hwang hat Studie komplett gefälscht

Jetzt ist der Skandal auch offiziell komplett: Der südkoreanische Gentechnik-Pionier Hwang Woo Suk hat seine als bahnbrechend gefeierte Studie vollständig gefälscht. Die Universität von Seoul teilte mit, Hwang habe nicht eine einzige für Patienten maßgeschneiderte Stammzelle hergestellt.


Seoul - Wie der amtliche Untersuchungsausschuss der Nationaluniversität in Seoul heute mitteilte, ergaben DNS-Tests, dass keine der von Hwang und seinem Team vorgestellten Stammzelllinien durch Klonen entstanden sei. Nachdem sich in der letzten Woche herausgestellt hatte, dass die Labor-Daten für neun der insgesamt elf Linien gefälscht waren, bestätigte eine Untersuchungskommission nun auch für die beiden letzten Stammzellen-Linien, dass sie von befruchteten Eiern stammten und nicht für Patienten maßgeschneidert wurden. Das teilte der für die Forschung zuständige Dekan der Universität, Roh Jung Hye, mit. Vor wenigen Tagen hatte die Nachrichtenagentur Yonhap bereits berichtet, die Studie sei nicht nur in Teilen, sondern komplett manipuliert worden.

Forscher Hwang: Keine einzige maßgeschneiderte Stammzelle hergestellt
REUTERS

Forscher Hwang: Keine einzige maßgeschneiderte Stammzelle hergestellt

Die im Mai im renommierten US-Fachblatt "Science" vorgestellte Studie des mittlerweile von seinem Professorenamt zurückgetretenen Hwang enthielt der Kommission zufolge nicht nur Fehler. Sie sei vielmehr wissentlich gefälscht worden. In der Studie versicherte Hwang, er habe erstmals maßgeschneiderte Stammzellen für elf Patienten hergestellt. Der Vergleich der Fotos von den Stammzellen ergab jedoch, dass mehrere Bilder dieselben DNA-Sequenzen zeigten.

Die Studie hatte damals Hoffnungen auf einen Durchbruch beim sogenannten therapeutischen Klonen geweckt. Experten hoffen, dass sich mit Stammzellen schwere Krankheiten wie Parkinson behandeln lassen. Eigens für Patienten maßgeschneiderte Stammzellen hätten zusätzlich den Vorteil, dass sie nicht abgestoßen würden.

Inzwischen gibt es auch Zweifel an Hwangs weiteren Arbeiten. Unter anderem hatte der Forscher 2004 die ersten geklonten embryonalen Stammzellen präsentiert sowie 2005 den ersten Klonhund, Snuppy. Hwang will den afghanischen Hirtenhund mit derselben Technik geschaffen haben, die 1996 bereits zum Klonschaf Dolly geführt hatte.



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