Forschung Der Mann, der Anti-Haftbeschichtungen haftbar macht

In Bratpfannen wird Teflon wegen seiner hervorragenden Anti-Haft-Eigenschaften eingesetzt. Diese sind aber von Nachteil, wenn die Fluorpolymere verklebt oder beschriftet werden sollen. Ein österreichischer Forscher hat ein Verfahren entwickelt, wie kleine Bereiche der Teflon-Oberfläche wieder "haftbar" gemacht werden können.

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Eigentlich klingt die Aufgabe, die sich Johannes Heitz von der Kepler Universität im österreichischen Linz gesetzt hat schlicht widersinnig: eine Teflon-Anti-Haftbeschichtung so zu modifizieren, dass Stoffe auf ihr haften können. Doch dem Forscher geht es darum, dass nur einige ausgewählte Teile der Beschichtung anderen Stoffen Halt bieten.

Johannes Heitz von der Universität Linz

Johannes Heitz von der Universität Linz

Johannes Heitz erklärt das am Beispiel von wasserabweisender Kleidung: "Dort müssen Nahstellen verklebt werden, dazu ist es wichtig, dass der Klebstoff auf beiden Folien haften kann." Und auch beim Einsatz von Teflon in der Mikroelektronik müssen elektrische Kontakte auf Oberflächen festhalten, auf denen wegen der Eigenschaften des Materials eigentlich nichts haften kann.

Um dieses Dilemma zu beseitigen existierten bislang zwei Verfahren, die allerdings eins gemein hatten; wenn mit ihnen gegen die Anti-Haftbeschichtung vorgegangen wurde, dann richtig. Das heißt, dass nur größere Flächen haftbar gemacht werden konnten. Mit dem neuen Verfahren aus Österreich soll dies nun anders werden. Auch Strukturen, die kleiner sind als 100 Mikrometer, können behandelt werden. "'Wir modifizieren das Material wirklich nur dort, wo verklebt oder beschichtet werden soll", sagt Johannes Heitz. "An allen anderen Stellen bleibt die Haupteigenschaften des Teflons, die geringe Haftung bestehen."

Aluminium haftet nur auf den behandelten Stellen der Teflonoberfläche .

Aluminium haftet nur auf den behandelten Stellen der Teflonoberfläche .

Um das zu erreichen wird die Oberfläche pulsierender UV-C Strahlung mit einer Wellenlänge von Wellenlänge 172 Nanometern ausgesetzt. Das UV-Licht kommt aus einer Excimer-Lampe. Da deren Strahlung in einer normalen Atmosphäre absorbiert werden würde, befindet sich die Lampe in einer Stickstoffumgebung. Das Materialstück, das behandelt werden soll, befindet sich in einem Vakuumraum, der über ein Fenster mit der Lampenkammer verbunden ist.

Neben Anwendungsfeldern in der Mikroelektronik sind die teilweise modifizierten Teflon-Oberflächen auch in der Medizintechnik interessant. Durch ihre Langlebigkeit in chemisch aggressiver Umgebung und die gleichzeitige verbesserte Möglichkeit zur Verarbeitung, können die UV-bestrahlten Fluorpolymeren bei künstlichen Blutgefäßen, Bypässen, Herzklappen oder künstlicher Haut verwendet werden. Auf der Außenseite könnte dann Körpergewebe haften, während innen Blutgerinnsel verhindert werden.



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