Forschung gegen Achselschweiß Dufte Idee

Mindestens 50 Bakterienarten tummeln sich in einer menschlichen Achsel. Deohersteller entwickeln immer raffiniertere Methoden, um den Schweißgeruch zu kaschieren. Die neuesten Duftstoffe manipulieren dafür sogar die menschliche Biochemie.

Von Anke Brodmerkel


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Riechen: Angriff auf den Achselschweiss
Die menschliche Achsel ist eine Brutstätte des Lebens. Millionen von Bakterien mindestens 50 verschiedener Arten tummeln sich in der dunklen, feuchtwarmen Höhle. Zu Zeiten, in denen die Menschen noch weniger über Sprache und mehr über Gerüche kommunizierten, hatten die winzigen Keime eine wichtige Aufgabe: Sie wandelten die im Schweiß enthaltenen Abbauprodukte des männlichen Hormons Testosteron um in Sexuallockstoffe. Nach Sandelholz duftendes Androstenol und das schon in geringsten Konzentrationen wahrnehmbare Androstenon sorgten dafür, dass unsere Vorfahren zueinander fanden und bald darauf neues Leben hervorbrachten.

Auch den Bakterien selbst bietet der menschliche Schweiß die perfekte Lebensgrundlage - zumindest die Sorte, die bei sexueller oder anders gearteter Erregung von den großen Knäueldrüsen in den Achselhöhlen und im Genitalbereich gebildet wird. Denn anders als der Kühlungsschweiß, der in den kleinen Knäueldrüsen entsteht und hauptsächlich Wasser und Salze enthält, ist die Flüssigkeit, die erwachsene Menschen bei Aufregung oder Angst ausschwitzen, reich an Fetten, Proteinen und Aminosäuren. Die Bakterien, allen voran Staphylokokken und Corynebakterien, ernähren sich davon. Allerdings gelingt es ihnen nicht, die Nährstoffe restlos abzubauen: Was sich als unangenehmer Körpergeruch bemerkbar macht, sind meist kurze, verzweigte Fettsäuremoleküle, die unsere Hautbewohner nicht weiter verwerten können.

Für unsere frühesten Vorfahren mag diese Duftmarke noch von Vorteil gewesen sein. Doch spätestens seitdem sich Mann und Frau auch auf andere Weise annähern können, versuchen die Menschen, gegen ihren Körpergeruch anzugehen. Schon um 1500 vor Christus sollen die Chinesen sich bemüht haben, mit einer Mischung aus Harzen und tierischen Fetten ihre Ausdünstungen zu übertünchen. Moderne Deos dagegen bekämpfen Schweißgeruch auf angenehmere Art. Antitranspirante etwa enthalten organische Aluminium- und Zirkoniumsalze, die bei Feuchtigkeit aufquellen und dann die Ausführgänge der Schweißdrüsen verstopfen. Auf diese Weise wird die Schweißproduktion um 20 bis 60 Prozent reduziert.

Ein Deo wirkt bei jedem anders

Reine Deodorants enthalten Parfümöle, die aber meist mehr können, als nur gut zu riechen: "Manche von ihnen sind in der Lage, das Wachstum der Bakterien einzudämmen oder Enzyme, die an der Entstehung der schlecht riechenden Moleküle beteiligt sind, gezielt zu blockieren", sagt Bernhard Banowski, der für Deodorants zuständige Produktentwickler bei der Düsseldorfer Firma Henkel. Um solche Multitalente zu finden, werden bei Henkel und in anderen Entwicklungslabors unterschiedlichste Parfümöle in Petrischalen auf das gängige Bakterienarsenal losgelassen. Hat man einen verheißungsvollen Kandidaten gefunden, muss er sich im Praxistest bewähren. Eingebettet in die Grundsubstanz eines Deos tragen Probanden ihn auf und stellen sich dann dem Sniff-Test. Speziell geschulte Mitarbeiter beschnuppern dabei kritisch die Ausdünstungen aus den Achseln der Versuchsteilnehmer.

"Bei solchen Tests zeigt sich auch, wie verschieden die Menschen auf ein bestimmtes Deo reagieren", berichtet Vera Matz von der Hamburger Firma Unilever. Kaum ein Deo wirkt nämlich bei allen Menschen gleich gut. Manchmal komme es sogar vor, dass die beiden Achselhöhlen ein und desselben Menschen unterschiedlich röchen, sagt Matz. Grund dafür ist die von Mensch zu Mensch und von Achsel zu Achsel variierende Mikrofauna - deren Vielfalt vermutlich noch immer nicht restlos entschlüsselt ist.

Viel Geld für die Forschung investiert

Sämtliche großen Hersteller von Deos stecken daher viel Geld in die Forschung, mit der sie unter anderem die unter den Achseln lebenden Keime näher kennenlernen und noch besser verstehen wollen. Unilever etwa beauftragte ein Team um Iris Brune vom Center for Biotechnology der Universität Bielefeld, das Erbgut des Corynebacterium jeikeium unter die Lupe zu nehmen. "Es ging darum, herauszufinden, welche Gene unter bestimmten Bedingungen an- und ausgeschaltet sind und wie sich die Gene für Enzyme des Fettstoffwechsels gezielt stilllegen lassen", sagt Brune.

Damit ein Deodorant seine Kapazität nicht so schnell verliert, haben die Hersteller unterschiedliche Strategien entwickelt, mit deren Hilfe die vielfach talentierten Parfümöle nur nach und nach abgegeben werden. "Manche von ihnen sind an Moleküle gekoppelt, die bewirken, dass die duftenden Substanzen nur ganz allmählich freigegeben werden", erklärt Dagmar Preis-Amberger, die Leiterin des Henkel Fragrance Centers in Krefeld. Unilever hingegen verpackt bei einigen seiner Deos die Parfümöle in wenige Mikrometer große Kapseln aus Maisstärke und dem Zuckeralkohol Mannitol. "Erst wenn die Kapseln mit Schweiß zusammentreffen, lösen sie sich auf und setzen die Wirkstoffe frei", erklärt Vera Matz. Das funktioniert allerdings nur bei wasserfreien Deosticks und Aerosolen.

350 Riechrezeptoren in der Nasenschleimhaut

Das Hamburger Unternehmen Beiersdorf hat noch einen anderen Ansatz gewählt: Sein erklärtes Ziel ist es, Fette und Proteine gar nicht erst auf die Haut gelangen zu lassen. Gelingt das, können sie dort auch nicht zersetzt werden und unangenehme Gerüche entwickeln. Die Wissenschaftler des firmeneigenen Forschungszentrums haben nun im Herbst ein Transportprotein ausfindig gemacht, das alle geruchserzeugenden Schweißkomponenten an die Hautoberfläche befördert. Mit ihrer im "Journal of Investigative Dermatology" veröffentlichten Studie sei es gelungen, eine Lücke im Verständnis der Vorgänge bei der Entstehung von Körpergeruch zu schließen, sagt Heiner Max, der Leiter der Beiersdorf-Forschungsabteilung Körperpflege. Die genaue Kenntnis des Transportproteins und seiner Funktion soll künftig Produkte ermöglichen, die gezielt dort ansetzen und so der Geruchsbildung frühzeitig entgegenwirken.

Das Deo der Zukunft könnte allerdings auch am anderen Ende der Duftkette wirken - in der Nase der umstehenden Personen. Man weiß inzwischen, dass in der Nasenschleimhaut 350 verschiedene Riechrezeptoren existieren, von denen jeder einzelne auf ein definiertes Set von Duftstoffen reagiert. Interessant dabei ist, dass sich die Riechrezeptoren durch bestimmte Duftstoffe blockieren lassen - der Maiglöckchenrezeptor etwa durch das Aldehyd Undecanal.

"In der Theorie ist es ganz einfach", sagt Hanns Hatt, Professor für Zellphysiologie an der Ruhr- Universität Bochum und einer der führenden Duftforscher weltweit: "Wir müssen nur die Rezeptoren aufspüren, die in Gegenwart der Fettsäuren aktiv werden, um dann Duftstoffe zu finden, die genau diese Rezeptoren blockieren. Und dann ab mit ihnen ins Deo." Das ist allerdings leichter gesagt als getan - und kostspielig dazu. Um nur einen der 350 Rezeptoren zu entschlüsseln, benötigen die Wissenschaftler etwa ein halbes Jahr Arbeit und 25.000 Euro. Und selbst dann, wenn das Geld zur Verfügung stünde - für die Deohersteller bliebe es ein Glücksspiel mit ungewissem Ausgang.


© Technology Review, Heise Zeitschriften Verlag, Hannover

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Seite 1
fritzes_flitze 17.01.2010
1. Na Klasse, noch ...
... mehr inkompetentes Herumgefummel an einer Sache, die die Natur -- als nahezu perfekte Schöpferin, die sich sicherlich was dabei "gedacht" hat -- so und nicht anders vorgesehen hat. Dabei gibt's 'n Euro mehr in der Tasche des Shareholders. Dufte, in zweierlei Hinsicht. Mann, wird echt Zeit, das endlich ein fetter Komet auf dieses beknackte Jammertal knallt. Mit etwas Glück hat die absolut talentfreie Bombastnase Emmerich ja doch Recht.
gugugy 17.01.2010
2. Es geht auch ohne Parfüm
Es geht auch parfümfrei. Regelmäßiges Waschen des Körpers schützt vor Schweißgeruch. Es gibt dazu etliche parfümfreie Waschlotionen, leider mehr auf dem US-Markt als im Chemie-Standort Deutschland. Parfüm sorgt dafür, dass sich Bakterien vermehren und dem entsprechend heftig ihr "Kampfgas", was wir als Schweißgeruch kennen, ablassen. Aber das verheimlichtt die Industrie und deshalb werden dann auch solche Märchen verbreitet wie in dem Artikel "Forschung gegen Achselschweiß: Dufte Idee". Und damit sollen dann Verbraucher noch noch stärker in dem Wahn bestärkt werden, ein zivilisiertes Leben ohne Deos und Rasierwasser etc. sei gar nicht mehr möglich und sie sollen obendrei auch noch vergessen, dass die auf unserer Haut existierenden Bakterien auch eine Schutzfunktion ausüben. Wer die aber vernichtet mit solchen Chemiebomben, wie im Artikel beschrieben, sollte sich nicht wundern, wenn er bald chronisch unter Ekzemen leidet; von den vielen möglichen anderen Erkrankungen, die durch solche duftenden Chemikalien verursacht werden, hier einmal ganz zu schweigen.
My2Cents 17.01.2010
3. Einfach nur gut waschen...
Absolut! Ich kann nicht verstehen, dass sich Menschen immer so zukleistern und damit sogar ihre natürlichen Funktionen eindämmen müssen. Ich stinke nicht, selbst nach einem Training. Ab in die Dusche mit möglichst wenig Duschschaum und das Thema ist gegessen. Meine Freundin liebt mich trotzdem - oder gerade deswegen... ---Zitat von Bericht--- Interessant dabei ist, dass sich die Riechrezeptoren durch bestimmte Duftstoffe blockieren lassen. ---Zitatende--- WAHNSINN!!! Jetzt kann ich also bald nicht der sicher durch Straßen, Bahnen und Discos gehen, ohne dass mich andere Menschen unabsichtlich betäuben?!? Na großartig! >:(
Carl 17.01.2010
4. Viel Duft um nichts
Zitat von sysopMindestens 50 Bakterien-Arten tummeln sich in einer menschlichen Achsel. Deohersteller entwickeln immer raffiniertere Methoden, um den Schweißgeruch zu kaschieren. Die neuesten Duftstoffe manipulieren dafür sogar die menschliche Biochemie. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,671389,00.html
Ein echtes Scheinproblem. Auf kaum einem anderen Gebiet wird wohl mit eigentlich völlig Überflüssigem so viel Geld verdient wie bei der Bekämpfung von Achselschweiß durch geruchsüberlagernde Deodorantien. Das 'Problem Achselschweiß', bis hin zu echter Hyperhidrose, läßt sich mit äußerst preisgünstigen Aluminiumchloridprodukten, die als hochwirksames Antitranspirant das Schwitzen selbst unterbinden, innerhalb weniger Tage, höchstens Wochen, so durchschlagend und dauerhaft lösen, daß um knapp 10 Euronen für ein Fläschchen (nach einiger Zeit bei nur noch einmaliger over-night-Nachbehandlung im Abstand von je 3 bis 6 Monaten) die liebe Achsel für 2 - 3 Jahre ihre völlige Ruhe hat. Solche Mittel gab es schon vor dem Krieg in Apotheken und Drogerien, ihre Existenz blieb aber leider bis heute ein "Geheimtipp" und ist nie in das Bewußtsein der breiten Massen gedrungen.
Hercules Rockefeller, 17.01.2010
5. Wer alles nicht denkt ist erschreckender
Zitat von fritzes_flitze... mehr inkompetentes Herumgefummel an einer Sache, die die Natur -- als nahezu perfekte Schöpferin, die sich sicherlich was dabei "gedacht" hat -- so und nicht anders vorgesehen hat. Dabei gibt's 'n Euro mehr in der Tasche des Shareholders. Dufte, in zweierlei Hinsicht. Mann, wird echt Zeit, das endlich ein fetter Komet auf dieses beknackte Jammertal knallt. Mit etwas Glück hat die absolut talentfreie Bombastnase Emmerich ja doch Recht.
Das sich "die Natur" auch etwas gedacht haben wird, als sie "beschloß", dass sie selbst verändert werden kann, dass können sich viele eben nicht denken, weil für sie ja "die Natur" denkt und nicht sie selber... Einen Eisblock können Sie nicht trinken, doch wenn Sie ihn auftauen, dann schon. Wenn "die Natur" nicht wollte, dass man Eisblöcke schmelzen kann, dann hätte sie "als nahezu perfekte Schöpferin (weshalb "Schöpferin"?)" verhindert, das Eisblöcke schmelzen.
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