Forschungsskandal: Hwang bezahlte Mafia für Mammut-Proben

Die Vorgänge um Südkoreas gefallenen Klon-Star Hwang Woo Suk werden immer bizarrer. Jetzt hat der Wissenschaftler zugegeben, die russische Mafia für die Beschaffung von Mammut-Gewebe bezahlt zu haben. Er habe die Urtiere klonen wollen.

Seoul - Erst war er der gefeierte Star der Stammzellforschung, dessen Experimente als spektakuläre Durchbrüche galten. Inzwischen wurden die wichtigsten Fachbeiträge des Südkoreaners Hwang Woo-Suk als Fälschungen entlarvt. Derzeit muss sich der Wissenschaftler vor Gericht für die Veruntreuung von Spenden und Forschungsgeldern in Höhe von insgesamt rund 2,4 Millionen Euro verantworten. Doch was nun in dem Prozess in Seoul herausgekommen ist, lässt die ohnehin schon spektakuläre Betrugsgeschichte noch unfassbarer klingen.

Mammuts (Simulation): Gewebeproben von der russischen Mafia gekauft
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Mammuts (Simulation): Gewebeproben von der russischen Mafia gekauft

Hwang hat in einer Befragung am Dienstag (Ortszeit) eingeräumt, mit Teilen seiner Fördergelder die russische Mafia bezahlt zu haben. Die Kriminellen hätten ihm Gewebeproben von Mammuts beschaffen sollen. Sein Ziel sei es gewesen, die ausgestorbenen Riesen zu klonen, sagte Hwang. Drei Mal habe er das versucht, sei aber gescheitert.

Hwang hatte schon früher ausgesagt, dass sein Team solche Versuche unternommen und dabei Mammutgewebe aus dem russischen Permafrostboden benutzt hat. Dass er die Proben aber mit Hilfe des organisierten Verbrechens beschafft hatte, war neu. "Einiges von dem Geld wurde dafür ausgegeben, die russische Mafia zu kontaktieren", sagte Hwang vor Gericht. Auf den entsprechenden Quittungen habe man das natürlich nicht so verbuchen können. "Wir haben es deshalb als Geld für Versuchskühe ausgewiesen."

Fälschungs-Prozess: Pardon und Unschuldsbehauptung

Im Streit um die Echtheit seiner Forschungsergebnisse im Bereich der menschlichen Stammzellen gibt Hwang dagegen nicht klein bei. Er hatte 2004 in einem Artikel im renommierten Fachblatt "Science" behauptet, erstmals überhaupt menschliche embryonale Stammzellen geklont zu haben. Experten der Seoul National University hatten das als Fälschung bezeichnet. "Snuppy", der weltweit erste geklonte Hund, aus dem Labor Hwangs soll hingegen keine Fälschung gewesen sein.

Hwangs Anwälte versuchen nun aber, per Gerichtsbeschluss die entsprechenden Proben zu bekommen. Sie wollen beweisen, dass Hwangs Behauptungen der Wahrheit entsprochen haben. Hwang hatte sich zwar entschuldigt ("Ich bitte um Verzeihung.") - sieht sich aber weiterhin als Opfer eines Komplotts: Alles, was als Fälschung entlarvt worden sei, sei ihm von seinen Kollegen untergeschoben worden.

In einem Ende Juni angekündigten neuen Labor - das vollständig aus privaten Mitteln finanziert werden soll - will Hwang künftig wirklich jene Klonexperimente durchführen, die in der Vergangenheit nur Lug und Betrug gewesen sein sollen. Je nach dem Urteil des Gerichts wird er aber vorher ins Gefängnis müssen.

mbe/rtr/AP

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