Forschungszentrum Jülich Verschollener Atommüll soll in Zwischenlager sein

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen rätseln über den Verbleib von mehr als 2000 Brennelementkugeln aus dem Atomforschungszentrum Jülich. Nun scheint die Frage geklärt - nach Angaben des Zentrums befindet sich der Atommüll auf dem Gelände der Einrichtung.

Castor-Behälter in Jülich: Brennelementkugeln laut Forschungszentrum auf Gelände
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Castor-Behälter in Jülich: Brennelementkugeln laut Forschungszentrum auf Gelände


Essen - Die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung vermissten 2.285 Brennelementkugeln sind nach Angaben des Forschungszentrums Jülich nicht verschwunden, sondern befinden sich in einem Zwischenlager auf dem Gelände. Das sagte FZJ-Sprecherin Anne Rother den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe. Damit widersprach sie Spekulationen, wonach die hochradioaktiven Kugeln im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse lagern könnten.

Nach Angaben Rothers sind die vermeintlich verschwundenen Kugeln zerbrochen. Sie befinden sich demnach teilweise noch in dem Reaktorbehälter des ehemaligen Atomversuchskraftwerks in Jülich oder sind "lagerfähig einzementiert". Rother erklärte: "Bei den einzementierten Kugeln handelt es sich im Wesentlichen um Kugeln, die während der Betriebszeit des Versuchsreaktors zerbrochen sind und dem Forschungszentrum vom damaligen Betreiber zur Zwischenlagerung übergeben wurden." Daneben seien Kugeln für Forschungszwecke untersucht und ebenfalls einzementiert worden.

Der bisherige Verbleib in Jülich sei der Landesregierung Nordrhein-Westfalens bekannt gewesen. Dies dementieren nach Informationen der Zeitungen aber politische Kreise. Die Landesregierung hatte nach SPIEGEL-Informationen in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen erklärt, der Verbleib sei unklar. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) hatte das Forschungszentrum und die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor aufgefordert, "den Verbleib der Kugeln lückenlos zu dokumentieren".

Schulze ging davon aus, dass Brennelementkugeln "allem Anschein nach" im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse gelandet seien. Genau lasse sich das heute nicht mehr herausfinden, weil die in der Asse "eingelagerten Mengen nicht bekannt sind".

In der Asse durften allerdings nur schwach und mittelradioaktive Abfälle der Republik gelagert werden - keine Brennelemente. Das Land fordert von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Aufklärung über die Kugeln.

ulz/dapd/dpa

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insgesamt 40 Beiträge
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heuwender 03.04.2011
1. höret Leute
Zitat von sysopDie Behörden in Nordrhein-Westfalens rätseln über den Verbleib von mehr als 2000 Brennelementkugeln aus dem Atomforschungszentrum Jülich. Nun scheint der Verbleib des Atommülls geklärt - nach Angaben des Zentrums befindet er sich auf dem Gelände der Einrichtung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,754788,00.html
wer glaubt wird seelig,einfach lachhaft wie der Bürger belogen wird.
tschort 03.04.2011
2. Poor new world...
Wenn Tante Bertha ihre Brille verlegt hat, ist es halb so schlimm. Aber wenn ein Kernforschungszentrum 2.285 radioaktive Kugeln verlegt oder in der Nähe eines Wohngebiets "zwischenlagert", dann ist der Hund los. Diese Affäre beweist nochmals, für diejenigen die es nicht wahrhaben wollen, wie gefährlich die Atomenergie ist. Diese Technologie ist höchstriskant, insbesondere wegen des ungelösten Problems der Müllentsorgung. Wenn es stimmt, dass der Atommüll mindestens noch 25.000 Jahre strahlt, dann hinterlassen wir unseren Kindern einen Scherbenhaufen.
geotie 04.04.2011
3. Yohh
Sorgfalt ist alles! Wenn das schon bei der Entsorgung nicht klappt, wie soll das erst in Betrieb klappen? Das müsste doch ein gefundenes Fressen für alle Pro-Atomstrom-Mitglieder sein, besonders die sich noch immer scheuen nach Japan zu fliegen um dort mitzuhelfen und ein Held zu sein! Wurde deshalb vielleicht so sorglos damit umgegangen, weil das nach eurer Meinung die Strahlung nicht gefährlich ist? Warte auf Antwort!
c.PAF 04.04.2011
4.
Deswegen so einen Hype? Ich habe auch schon mal meinen Hausschlüssel verlegt. Ja und? Kann ja mal passieren... Sarkastische Grüße C.
hrenz, 04.04.2011
5. Wo sind den unsere THTR-Murmeln geblieben?
Ja wo sind sie den unsere THTR-Kugeln?, keiner will sich erinnern, ja sowas aber auch! In Geesthacht bei Krümmel waren auch ein paar davon, gelagert in einer Lagerhalle im Wald bei der GKSS so ca 284 Stück für Übungszwecke. Bei einem Brand in dieser Lagerhalle im Sept 1986, 4 Monate nach Chernobyl, Ursache wohl Schlampperei beim Umgang mit Lösungsmitteln, wurden auch diese 10 cm großen PAC-Grafitkugeln in Brand gesetzt und verseuchten die Umgebung mit radioativem Material, das in ca 0,8mm großen Glas-Pelletts in den Grafitkugeln eingebettet war. Das kann man heute noch im Sand der Umgebung nachweisen, (aber wer will das schon wissen) Peinlich, Peinlich sowas, da wollen wir doch die Bevölkerung nicht beunruhigen, das will sie doch gar nicht wissen das darf man doch vertuschen oder ? (sonst wäre damals schon das Aus fürs Atom gewesen) Gott sei Dank haben wir einen vorausschauender Behörden-Gehorsam!
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