Frankreich Erste Gesichts-Transplantation für chronisch Entstellten

Erstmals wurden einem Patienten, der kein Unfallopfer ist, Teile eines fremden Gesichts verpflanzt. Ein französisches Ärzteteam verhalf einem 27-Jährigen, der durch eine Erbkrankheit entstellt war, zu einer neuen Mund-, Nasen- und Kinnpartie.


Jahrelang hatte der 27-jährige Patient unter seinem Gesicht gelitten, das die sogenannte Recklinghausen-Krankheit entstellt hatte. Am vergangenen Sonntag war es so weit: Ein Expertenteam um Laurent Lantieri von der Universitätsklinik Henri-Mondor in Créteil bei Paris operierte den jungen Mann 15 Stunden lang.

Sie verpflanzten Nase, Lippen, Kinn und Teile der Wangen. "Unserem Patienten geht es gut", sagte Lantieri. Sein Team hat die Erlaubnis der Behörden, innerhalb von drei Jahren insgesamt fünf solcher Transplantationen vorzunehmen.

Die weltweit erste großflächige Gesichtstransplantation hatte der 38-jährigen Isabelle Dinoire im November 2005 in der französischen Stadt Amiens ein neues Aussehen gegeben. Den unteren Teil ihres Gesichts hatte ihr der eigene Hund zerfetzt. Im vergangenen Februar zeigte sie sich erstmals vor laufenden Kameras. "Mein Leben hat sich geändert", sagte Dinoire damals, "ich habe ein Gesicht wie alle anderen. Ich kann wieder selbst essen und die Lippen bewegen."

Die aufsehenerregende Operation führte offenbar zu einem langfristigen Erfolg: Im November 2006 gaben Dinoires Ärzte bekannt, dass die Patientin ihr neues Gesicht immer besser bewegen und auch spüren könnte.

Im April 2006 erhielt der chinesische Bauer Li Guoxing in Xian eine Teil-Gesichtstransplantation. Der 30-Jährige war von einem Bären angegriffen und entstellt worden. Die Operation vom Wochenende ist nun weltweit die dritte bekannt gewordene Gesichtstransplantation - und die erste, in der kein Unfallopfer operiert wurde, sondern ein dauerhaft Entstellter.

Die Recklinghausen-Krankheit, unter der der französische Patient leidet, wurde nach dem deutschen Arzt Friedrich von Recklinghausen benannt, der sie 1882 erstmals beschrieben hatte. In der Fachsprache wird sie auch Neurofibromatose genannt und trifft etwa eines von 3000 Neugeborenen. Durch das Leiden färbt sich die Haut unregelmäßig, es entstehen sogenannte Café-au-lait-Flecken. Im gesamten Nervengewebe und in der Haut bilden sich Tumore. Diese sind meist gutartig, bei wenigen Patienten entarten sie jedoch und geraten außer Kontrolle. Eine Behandlung der Ursachen gibt es nicht.

Erst im Dezember hatten spanische Ärzte die weltweit erste Verpflanzung zweier Hände bei einer Patientin vorgenommen.

hei/AFP/dpa



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