Unter Asche begraben "Kleines Pompeji" in Frankreich entdeckt

Auf einer Baustelle in Frankreich haben Forscher Relikte aus der Römerzeit entdeckt. Weil Asche die Hinterlassenschaften konservierte, bezeichnen sie ihren Fund als "kleines Pompeji".

AFP

In Frankreich haben Archäologen eine bedeutsame Stätte aus der Römerzeit freigelegt und feiern sie als "kleines Pompeji". Die teilweise sehr gut erhaltenen Überreste - darunter prächtige Mosaike - wurden südlich von Lyon am Rhône-Ufer ausgegraben. "Es handelt sich wahrscheinlich um die außergewöhnlichsten Ausgrabungen aus der Römerzeit seit 40 oder 50 Jahren", sagte der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Benjamin Clément. "Wir haben unglaubliches Glück."

Das rund 7000 Quadratmeter große Areal befindet sich in der Gemeinde Sainte-Colombe. Auf der anderen Rhône-Seite liegt das Städtchen Vienne, das in der Römerzeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war. Die Archäologen sind nicht nur von der Größe des Areals beeindruckt, sondern auch von der Vielseitigkeit der Ruinen und ihrem guten Zustand.

Einstürzende Dächer und Stockwerke

Die Bewohner hätten die Gegend nach einer Reihe von Bränden fluchtartig verlassen und dabei ihr Hab und Gut zurückgelassen, sagte Clément. Einstürzende Dächer und Stockwerke begruben die Einrichtung und konservierten sie. Daher kommt auch die Bezeichnung "kleines Pompeji". Die Stadt Pompeji wurde im Jahr 79 durch einen Ausbruch des Vesuv zerstört.

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Römerfund in Frankreich: Begraben unter Asche

Am Rhône-Ufer entdeckten die Archäologen mehrere gut erhaltene Mosaike. In den Überresten eines besonders prächtigen Anwesens aus dem ersten Jahrhundert nach Christus fanden sie etwa ein Mosaik, das Bacchus zeigt, den Gott des Weins. Ein anderes stellt den lüsternen Hirtengott Pan dar. Dieses Mosaik wird gerade mit größter Vorsicht abgebaut, um es zu restaurieren und auszustellen.

Die römischen Überreste wurden auf einem Gelände entdeckt, auf dem neue Häuser gebaut werden sollen. Die Ausgrabungen begannen im April und sollten ursprünglich bis Mitte September dauern. Sie wurden aber bis Mitte Dezember verlängert, nachdem das französische Kulturministerium den Ort als "außergewöhnliche Entdeckung" einstufte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war im Vorspann von Reliquien die Rede. Korrekt muss es Relikte heißen. Wir haben den Fehler korrigiert.

jme/AFP



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