Früharabische Schriften: Forscher entziffern Gravuren auf Holzstäbchen

Briefe, Verträge, Urkunden: Auf kleinen Holzstäbchen haben Fachleute 2000 Jahre alte Schriften aus Arabien entschlüsselt - und den Ursprung alter Sprachen datiert. Die Botschaften zeigen, dass auch die Vorfahren vor allem Alltagsprobleme beschäftigten.

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Früharabische Inschriften: Schwierige Botschaften aus der Vergangenheit

Jena - Heute zeigen rote Zahlen auf dem Kontoauszug, dass wir Schulden haben. Doch wie merkten sich Menschen im 7. Jahrhundert, wer bei ihnen in der Kreide steht? Sprachforschern der Universität Jena ist es jetzt nach eigenen Angaben erstmals gelungen, 2000 Jahre alte arabische Inschriften auf zigarrengroßen Holzstäbchen zu entziffern. Sie liefern damit nicht nur Einblicke in geschäftliche -sondern auch in persönliche Beziehungen der Menschen aus der vorislamischen Zeit. Arabische Schriften aus der Zeit sind bislang kaum erforscht.

Peter Stein von der Universität Jena und seine Kollegen haben auf 400 Holzstäbchen aus einer Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek in München in sechs Jahre langer Arbeit Texte aus der vorislamischen Zeit entschlüsselt. Die Inschriften wurden in den achtziger Jahren in einer antiken Ruinenstätte im Norden des Jemen entdeckt. Es handelte sich nach Angaben der Forscher um Briefe, Verträge, Urkunden und Etiketten von Warenlieferungen - alles in den Stäbchen eingraviert.

Holz als Speichermedium

"Die Mehrzahl dieser Nachrichten wurde in sabäischer Sprache verfasst, außerdem liegen uns Stücke in Minäisch vor", sagt Stein. Sabäisch war die Sprache eines antiken Königreichs im Gebiet des heutigen Jemen. Minäisch wurde in einem der damaligen Nachbarstaaten gesprochen.

Die Forscher fanden dabei heraus, dass die Menschen in Arabien auch damals Geldsorgen plagten: Ein Geschäftsmann ließ sich auf einem der Holzstäbchen notieren, dass er sich Geld leihen musste, um Schulden bezahlen zu können.

Auf den im Wüstensand gefundenen Holzstäbchen fanden die Wissenschaftler aber auch Orakelsprüche und Texte, die offensichtlich von Schülern als Schreibübungen verfasst wurden. Leider seien von den Korrespondenzen stets nur einzelne Briefe konserviert worden, die andernorts aufbewahrten Antworten auf die Schreiben fehlten.

Alte Schriftkultur

Anhand der hölzernen Dokumente konnten die Wissenschaftler nach eigenen Angaben nun auch das Alter der altsüdarabischen Schriftkultur erstmals genauer datieren. Danach dürfte die Schrift in Südarabien bereits im späten 2. Jahrtausend vor Christus eingeführt worden sein. Das sind mehr als zwei Jahrhunderte früher als die Forscher bislang angenommen haben. Laut Stein und seinen Kollegen sind die Untersuchungen jedoch noch längst nicht abgeschlossen, da noch nicht alle Inschriften entziffert worden sind.

Überlieferungen aus dieser Zeit sind rar, denn das meiste wurde mündlich weitergegeben wurde. Noch heute ist es ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur, Texte auswendig zu lernen: Menschen, die den Koran frei sprechen können, werden sehr geachtet. Zudem gibt es weltweit kaum Experten, die diese Inschriften lesen und übersetzen können.

nih/dapd

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Und was sagt uns das?
blaudistel 12.07.2011
Die Probleme sind die gleichen geblieben :)
2. Verwirrend
Ulrich Hartmann 12.07.2011
Der Artikel macht mich etwas ratlos: Stammen die Inschriften nun aus dem 7. Jahrhundert oder sind sie 2000 Jahre alt? Und wieso sollen sie etwas über Vorgänge verraten, die sich noch einmal weit über 1000 Jahre früher abgespielt haben? Die Schrift auf dem Bild erinnert übrigens sehr an die, die wir heute noch als hebräische Schrift kennen (und die vor 2000 Jahren kaum anders aussah): es sind z.B. Buchstaben zu sehen, die Lamed, Taw, Mem oder Kaf bis aufs Haar gleichen.
3. Meine Meinung
meinmein 12.07.2011
Warum sollten die Inhalte uralter Texte weniger banal sein, als die Inhalte heutiger Texte? Ich kritisiere z.B. immer wieder die Suche nach einem Ur-Urtext der Bibel, in der Hoffnung, die wahre Bedeutung der Hl. Schrift kennenzulernen. Im Grunde sind das alles bloß Variationen desselben Märchens.
4. Rauchen vernebelt das Hirn
Keyser Söze 12.07.2011
Zitat von blaudistelQuatsch, die Araber sind kulturell unterlegen - es kann sich dabei nur um Kopien judäischer Texte handeln, wahrscheinlich aus Höhlen um das Tote Meer herum entwendet !
Gratuliere. Sie haben den Durchblick. Genau so und nicht anders muss es gewesen sein. Da kopieren sich also die Araber Ihrer Meinung nach profane judäische Texte aus Höhlen vom Toten Meer und bewahren sie tausende von Kilometern entfernt im Jemen auf. Und ganz nebenbei revolutionieren Sie die Welt der Wissenschaft und stellen die These auf, dass ums Tote Meer Sabäisch und Minäisch gesprochen wurde. Die Meinung irgendwelcher Wissenschaftler, die sich sechs Jahre lang die Arbeit machen, die Texte zu entschlüsseln, wischen Sie mal eben so zur Seite. Ihre Komplexe möchte ich wirklich nicht haben.
5. Hehe, nett :
HappyLuckyStrike 12.07.2011
Zitat von Keyser SözeGratuliere. Sie haben den Durchblick. Genau so und nicht anders muss es gewesen sein. Da kopieren sich also die Araber Ihrer Meinung nach profane judäische Texte aus Höhlen vom Toten Meer und bewahren.....
wieder mal ein Teffer ;)
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