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Knochenanalyse von Urmenschen: Die ersten Feinmechaniker

Die obere Reihe zeigt Mittelhandknochen vom Daumen bei unterschiedlichen Menschenarten und beim Schimpansen (links). Die untere Reihe zeigt Bilder aus der Computertomografie der Daumen. Zur Großansicht
T.L. Kivell/ Science

Die obere Reihe zeigt Mittelhandknochen vom Daumen bei unterschiedlichen Menschenarten und beim Schimpansen (links). Die untere Reihe zeigt Bilder aus der Computertomografie der Daumen.

Die ältesten bekannten Werkzeuge sind 2,6 Millionen Jahre alt. Doch nun zeigt die Untersuchung von Urmenschenknochen: Unsere Vorfahren konnten wohl schon viel früher präzise Handarbeiten ausführen.

Die Vorfahren des Menschen nutzten möglicherweise schon viel früher Werkzeuge als bisher angenommen. Der vor gut drei Millionen Jahren lebende Australopithecus africanus und einige andere Vormenschen-Arten konnten mit ihren Händen wohl bereits präzise greifen und waren somit in der Lage, Steine als Werkzeuge zu benutzen. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Wissenschaftsmagazin "Science" nach der Analyse versteinerter Mittelhandknochen.

Die Untersuchung stützt Indizien dafür, dass schon diese Vormenschen Steinwerkzeuge einsetzten, etwa Schnittspuren an Tierknochen. Die ältesten bekannten Steinwerkzeuge sind etwa 2,6 Millionen Jahre alt. Manche Experten glauben, dass Homo habilis - der "geschickte Mensch" - als erste Art Steinwerkzeuge herstellte.

Fleisch schaben

Die Wissenschaftler hatten fossile Überreste dieser Vormenschen zusammen mit Steinwerkzeugen gefunden sowie mit Tierknochen, die Schnittspuren aufwiesen und auf ein Alter von 2,4 Millionen Jahren datiert werden. Sie glauben, dass diese Menschen mit scharfkantigen Steinen Fleisch von den Knochen schabten.

Allerdings haben Archäologen mittlerweile auch Schnittspuren an Knochen gefunden, die auf ein Alter von etwa 3,4 Millionen Jahren datiert werden - und damit wesentlich älter sind als die ersten Funde von Steinwerkzeugen.

Wann Menschen begannen, ihre Hände für den Gebrauch von Werkzeugen einzusetzen, ist unklar. An der äußeren Morphologie der Knochen sei dies schwer abzulesen. Bei vielen Vormenschen ähnelten manche Strukturen der Handknochen der menschlichen Hand, andere aber nicht, schreiben die Wissenschaftler um Matthew Skinner, der unter anderem am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig forscht.

Klettern am Baum

Skinner und Kollegen untersuchten die innere Struktur fossiler Mittelhandknochen bei gegenwärtigen und fossilen Homo sapiens-Menschen, bei Neandertalern, Affen und bei Vormenschen wie Australopithecus africanus. Dabei analysierten sie die Struktur des trabekulären Knochens. Das ist der schwammartige Anteil im Inneren eines Knochens. Anhand der Dichte und Struktur des trabukulären Knochens im Mittelhandknochen lässt sich auf die Stellung der Gelenke und damit auf die Nutzung der Hände schließen.

Die hohe Dichte des trabekulären Knochens bei den Vormenschen ähnele der bei den Affen, berichten die Forscher. Dies lege nahe, dass die Vormenschen ihre Hände noch nutzten, um in Bäumen herumzuklettern. Die Struktur des trabekulären Knochens hingegen erinnere eher an Neandertaler und den frühen Homo sapiens - beides geübte Werkzeugmacher.

Das Ergebnis zeige, dass Australopithecus africanus in der Lage gewesen sei, Daumen und Finger einander gegenüberzustellen. Er konnte mit der Hand gewohnheitsmäßig und kraftvoll Grob- wie Präzisionsgriffe ausführen, wie dies für den Gebrauch von Werkzeugen nötig sei. Werkzeuge seien damit schon mindestens 500.000 Jahre früher eingesetzt worden, als ihre Herstellung nachgewiesen ist, nehmen die Forscher an.

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Von Anja Garms, dpa/boj

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insgesamt 5 Beiträge
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1. und die Vögel?
rot 24.01.2015
"Dies lege nahe, dass die Vormenschen ihre Hände noch nutzten, um in Bäumen herumzuklettern ". Ja womit denn sonst! Man staune,- das macht sogar der heutige Mensch noch so! Im übrigen ist die ganze Fragestellung mehr als überflüssig. Jeder Zuseher von diversen Tiersendungen im Fernsehen kann heute wissen, dass auch Schimpansen und sogar Makaken Werkzeug benutzen, sowie mehrere Vogelarten. Schimpansen sind dazu gute Werfer und nehmen auch Prügel zur Hand um eine größere Raubkatze zu bekämpfen, wenn anders nicht geht. Das haben die frühen Menschen vermutlich auch so gemacht, als sie noch gar keine Menschen waren sondern Affen, sonst wären sie wohl ziemlich früh ausgestorben oder das geblieben, was die heutigen Affen auch sind. PS: Werden jetzt auch Vogelschnäbel untersucht um die Menschwerdung der Vögel nachvollziehen zu können?
2.
reuanmuc 24.01.2015
Zitat von rot"Dies lege nahe, dass die Vormenschen ihre Hände noch nutzten, um in Bäumen herumzuklettern ". Ja womit denn sonst! Man staune,- das macht sogar der heutige Mensch noch so! Im übrigen ist die ganze Fragestellung mehr als überflüssig. Jeder Zuseher von diversen Tiersendungen im Fernsehen kann heute wissen, dass auch Schimpansen und sogar Makaken Werkzeug benutzen, sowie mehrere Vogelarten. Schimpansen sind dazu gute Werfer und nehmen auch Prügel zur Hand um eine größere Raubkatze zu bekämpfen, wenn anders nicht geht. Das haben die frühen Menschen vermutlich auch so gemacht, als sie noch gar keine Menschen waren sondern Affen, sonst wären sie wohl ziemlich früh ausgestorben oder das geblieben, was die heutigen Affen auch sind. PS: Werden jetzt auch Vogelschnäbel untersucht um die Menschwerdung der Vögel nachvollziehen zu können?
Es ist immer lustig, wenn Leute, die keine Ahnung haben, ihre selbstgefälligen Kommentare abgeben. Es ist ein kleiner Unterschied, ob Werkzeuge nur benutzt oder aber zweckgemäß hergestellt werden, wie Steinkeile. Das Benutzen herumliegender Gegenstände, um an Nahrung zu kommen, hat mit Intelligenz noch wenig zu tun. Das ist nur deshalb erstaunlich, weil der Mensch sich in seiner Einzigartigkeit immer nur selbst bewundert. Die gezielte Veränderung der Gegenstände bedeutete einen Sprung in der Evolution. Sehr wahrscheinlich fällt dieser Entwicklungsschritt mit dem aufrechten Gang zusammen. Die Freiheit, Beweglichkeit und visuelle Kontrolle der Hände und Finger förderte die Entwicklung des Gehirns zu höherer Differenzierung und zu differenzierter Motorik. Das war eine Voraussetzung für die Entwicklung der Sprachfähigkeit. Man muss sich einmal die Bewegung der Hände beim Sprechen bewusst machen!
3. Es ist schon lustig
gegenstrahler 24.01.2015
Zitat von reuanmucEs ist immer lustig, wenn Leute, die keine Ahnung haben, ihre selbstgefälligen Kommentare abgeben. Es ist ein kleiner Unterschied, ob Werkzeuge nur benutzt oder aber zweckgemäß hergestellt werden, wie Steinkeile. Das Benutzen herumliegender Gegenstände, um an Nahrung zu kommen, hat mit Intelligenz noch wenig zu tun. Das ist nur deshalb erstaunlich, weil der Mensch sich in seiner Einzigartigkeit immer nur selbst bewundert. Die gezielte Veränderung der Gegenstände bedeutete einen Sprung in der Evolution. Sehr wahrscheinlich fällt dieser Entwicklungsschritt mit dem aufrechten Gang zusammen. Die Freiheit, Beweglichkeit und visuelle Kontrolle der Hände und Finger förderte die Entwicklung des Gehirns zu höherer Differenzierung und zu differenzierter Motorik. Das war eine Voraussetzung für die Entwicklung der Sprachfähigkeit. Man muss sich einmal die Bewegung der Hände beim Sprechen bewusst machen!
wenn Leute aus Artikeln herauslesen, was gar nicht drin steht und dann auch noch meinen sich selbstgefällig über andere mokieren zu können. In dem Artikel steht kein Wort vom Herstellen von Werkzeugen, wie Steinkeilen. Zitat aus dem Artikel: Er konnte mit der Hand gewohnheitsmäßig und kraftvoll Grob- wie Präzisionsgriffe ausführen, wie dies für den Gebrauch von Werkzeugen nötig sei. Werkzeuge seien damit schon mindestens 500.000 Jahre früher eingesetzt worden, als ihre Herstellung nachgewiesen ist, nehmen die Forscher an.
4.
reuanmuc 24.01.2015
Zitat von gegenstrahlerwenn Leute aus Artikeln herauslesen, was gar nicht drin steht und dann auch noch meinen sich selbstgefällig über andere mokieren zu können. In dem Artikel steht kein Wort vom Herstellen von Werkzeugen, wie Steinkeilen. Zitat aus dem Artikel: Er konnte mit der Hand gewohnheitsmäßig und kraftvoll Grob- wie Präzisionsgriffe ausführen, wie dies für den Gebrauch von Werkzeugen nötig sei. Werkzeuge seien damit schon mindestens 500.000 Jahre früher eingesetzt worden, als ihre Herstellung nachgewiesen ist, nehmen die Forscher an.
Je früher Gegenstände benutzt werden konnten, desto früher konnten sie zu Werkzeugen bearbeitet werden. Dass keine früheren Werkzeuge gefunden wurden, bedeutet nicht, dass es keine gab. Bearbeitete Holzgegenstände werden nicht konserviert. Kleingeistige Argumente ändern daran nichts.
5. Da fragt sich nur,
gegenstrahler 24.01.2015
Zitat von reuanmucJe früher Gegenstände benutzt werden konnten, desto früher konnten sie zu Werkzeugen bearbeitet werden. Dass keine früheren Werkzeuge gefunden wurden, bedeutet nicht, dass es keine gab. Bearbeitete Holzgegenstände werden nicht konserviert. Kleingeistige Argumente ändern daran nichts.
wer der Kleingeist ist!
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Homininen und Hominiden
Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen-: und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
Denisova-Mensch (50.000 Jahre)
In der Denisova-Höhle in Russland wurden Anfang des Jahrtausends ein Fingerknochen, ein Zahn und ein Zehenknochen gefunden, die offenbar zu keiner bislang bekannten Art gehören. Diese lebte zu Zeiten des Homo neanderthalensis und des Homo sapiens. Noch wurde der Art kein eigener Name verliehen.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo naledi (Alter unbekannt)
In der Rising-Star-Höhle in Südafrika entdeckten Forscher über 1500 Fossilien, die sie 15 Individuen zuordneten. Sie gehören zu einer bislang unbekannten Art, dem Homo naledi. Dessen Alter ist noch unbekannt und damit auch seine Einordnung in den Stammbaum der Menschheit. Die Fundstelle bei Johannesburg könnte die älteste Grabstätte der Geschichte sein.


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