Früherkennung Hirnscan verrät Alzheimer Jahre vor dem Ausbruch

Ein neues Verfahren soll Alzheimer schon Jahre vor dem ersten Auftreten ernster Symptome erkennbar machen. US-Wissenschaftler haben eine Software vorgestellt, die den Stoffwechsel im Gehirn misst - und die Früherkennung der Vergessenskrankheit ermöglicht.


Dem Vergessen auf der Spur: Neue Verfahren helfen das Gehirn zu vermessen
AP

Dem Vergessen auf der Spur: Neue Verfahren helfen das Gehirn zu vermessen

Erst bleibt der Schlüssel in der Wohnung liegen, dann verläuft man sich im Einkaufszentrum, schließlich vergisst man Namen und Gesichter selbst von Verwandten. Die Alzheimersche Krankheit ist eine fortschreitende Demenzerkrankung und betrifft weltweit Millionen vor allem älterer Menschen.

Als erstes Anzeichen für den Ausbruch des Leidens gilt eine Abnahme der Stoffwechselaktivität im Hippocampus, einer Gehirnregion, die für das Lernen und Gedächtnisfunktionen verantwortlich ist. Forscher um Lisa Mosconi von der New York University haben nun ein Verfahren entwickelt, das die Messung dieser Abnahme erlaubt und so die Früherkennung von Alzheimer um Jahre vorverlegen soll. Die Wissenschaftler nutzen dabei die sogenannte Positronen-Emissionstomographie (PET), um dem Gehirn bei der Arbeit zuzusehen.

Bei der PET wird Patienten eine Traubenzuckerlösung injiziert, die mit einer schwach radioaktiv markierten Substanz versehen ist. Die Verteilung der Radioaktivität kann dann gemessen werden und lässt Rückschlüsse auf die Stoffwechselvorgänge im jeweiligen Gewebe zu: Je stärker konzentriert die Radioaktivität auftritt, desto aktiver ist das entsprechende Areal.

Der Hippocampus ist eine kleine Struktur, deren Form an ein Seepferdchen erinnert und die auf PET-Scans bislang nur schwer zu identifizieren war - auch deshalb, weil die genaue Form und Lage je nach Patient recht unterschiedlich sein kann.

Stoffwechselrate exakt vermessen

Um dieses Problem zu lösen, entwickelten Mosconi und ihre Kollegen ein spezielles Programm namens "HipMask", dessen Arbeitsweise sie nun auf einer Tagung der Alzheimer's Association vorstellten. "HipMask" nutzt Daten von zahlreichen Scans unterschiedlicher Patienten, die zu einer Art Durchschnittsform übereinander gelegt werden. Mit Hilfe dieser Schablone gelingt es, den Hippocampus zuverlässig und automatisch zu identifizieren.

Die Forscher haben so die Stoffwechselrate des Hippocampus bei 53 Patienten erfasst, die zum Untersuchungszeitpunkt keine Anzeichen einer neurodegenerativen Krankheit zeigten. Bei 25 der Probanden lag der Stoffwechselwert um 15 bis 40 Prozent unter dem Durchschnitt - und eben diese Patienten entwickelten Jahre später tatsächlich eine kognitive Störung, die als eine Vorstufe der Alzheimerschen Krankheit gilt.

"Momentan können wir mit großer Genauigkeit bis zu neun Jahre vor dem Einsetzen der ersten Symptome zeigen, wer Alzheimer entwickeln wird", erklärten die New Yorker Wissenschaftler. Sie hoffen nun mit Hilfe von "HipMask" mehr über den Frühverlauf der Krankheit zu erfahren und bald eher als bisher mit einer Behandlung anfangen zu können.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.