Knochen-Fund in China Forscher streiten über eigenartige Steinzeit-Menschen

Sind es Überreste einer bisher unbekannten menschlichen Spezies - oder nur Homo-sapiens-Fossilien? Zwei Funde aus China zeigen nach Meinung ihrer Entdecker "anatomisch einzigartige" Menschen. Sie nennen sie "Rotwildhöhlen-Menschen". Andere Experten sind skeptisch.

Curnoe et al

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Die Wiege der Zivilisation stand, so zumindest der bisherige Forschungsstand, in Vorder- und Kleinasien, wo vor rund 10.000 Jahren die ersten Siedlungen entstanden. Doch auch in China haben Menschen zu dieser Zeit womöglich Gefäße getöpfert, um etwa Reiskörner darin aufzubewahren. Aber lebten ihre Vorfahren nur 1000 bis 4000 Jahr davor noch in der Nachbarschaft zu Menschen einer anderen, primitiveren Spezies?

Ein Forscherteam, das im Wissenschaftsmagazin "PLoS One" seine Analyse zu Fossilien aus zwei Höhlen in Südwestchina veröffentlicht hat, hält dies für möglich. "Ich glaube, wenn man genau abwägt, deuten die Belege eher in die Richtung, dass die 'Rotwildhöhlen-Menschen' eine neue evolutionäre Linie darstellen", meint Darren Curnoe von der University of New South Wales. "Sie sehen anders aus als alle modernen Menschen - egal, ob diese aus heutigen Zeiten stammen oder vor 150.000 Jahren in Afrika lebten." Allerdings schränkt er ein: "Wir haben keine neue Spezies benannt und auch nicht vor, dies zu tun."

Die Funde stammen aus der Longlin- und Maludong-Höhle in Südwestchina. Weil in Letzterer auch viele Knochen einer großen Rotwildart gefunden wurden, haben die Forscher den griffigen Namen für die Frühmenschen gewählt.

Flaches Gesicht, vorstehender Kiefer

Die Rotwildhöhlen-Menschen hätten kurze, flache Gesichter gehabt, breite Nasen, stark hervortretende Augenbrauenwulste und einen vorstehenden Kiefer. Dazu kämen dicke Schädelknochen, große Backenzähne und ein mittelgroßes Gehirn. Curnoe und seine Kollegen sehen dies als eine einzigartige Mischung aus modernen Merkmalen und archaischen, wie sie von Frühmenschen aus einer Zeit vor Hunderttausenden Jahren bekannt sind.

Es könnte eine archaische Gruppe von Menschen gewesen sein, die erstaunlich lange überlebt habe, schreiben die Forscher in ihrem Fachartikel. Eine klare Einordnung wagen sie allerdings nicht. Dennoch ist ihr Verdacht erstaunlich, da die Funde so jung sind - sie lagen lediglich 11.500 und 14.300 Jahre im Boden. Die Neandertaler starben dagegen vor rund 30.000 Jahren aus.

Das gleichzeitige Vorkommen verschiedener menschlicher Spezies sei auch aus Afrika bekannt, argumentieren die Wissenschaftler. Doch diese Funde sind bis zu zehnmal so alt, gibt der nicht an der Studie beteiligte Forscher Jean-Jacques Hublin zu bedenken. Hublin, Direktor der Abteilung für menschliche Evolution am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, steht der These von der bisher unbekannten Art äußerst skeptisch gegenüber. "Ich bin überrascht, dass sie diese Behauptung überhaupt so aussprechen", sagt Hublin SPIEGEL ONLINE. "Um eine neue menschliche Spezies zu definieren, benötigt man sehr starke, überzeugendere Belege."

Bei fossilen Funden moderner Menschen könnten immer einige Merkmale etwas eigenartig aussehen, gibt er zu bedenken. Die Rekonstruktion von Gesicht und Schädel könnte nicht optimal sein. Möglicherweise seien auch Verformungen im Boden nicht spurlos an den fossilen Knochen vorübergegangen.

Mehr Klarheit könnte eine Erbgutanalyse liefern, wie sie etwa beim Denisova-Menschen gelang. Doch ob die möglich ist, muss sich erst zeigen. Zwar sind die Funde vergleichsweise jung, doch im wärmeren Klima in Südwestchina könnte sich ein großer Teil des Erbguts bereits zersetzt haben.

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Seite 1
snigger 15.03.2012
1. fyi
Zitat von sysopCurnoe et alSind es Überreste einer bisher unbekannten menschlichen Spezies - oder nur Homo-sapiens-Fossilien? Zwei Funde aus China zeigen nach Meinung ihrer Entdecker "anatomisch einzigartige" Menschen. Sie nennen sie "Rotwildhöhlen-Menschen". Andere Experten sind skeptisch. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,821513,00.html
... ein chinesischer anthropologe sucht im regierungsauftrag einen beweis dafür, daß die chinesische (eigentlich .... asiatische) rasse nicht direkt vom homo sapiens abstammt sondern vom homo erectus. ... die implikationen, die sich aus diesem beweis ergeben würden, würden den zweiten weltkrieg übrigens zu einer kneipenschlägerei deklassieren ...
Celegorm 15.03.2012
2.
Zitat von snigger... ein chinesischer anthropologe sucht im regierungsauftrag einen beweis dafür, daß die chinesische (eigentlich .... asiatische) rasse nicht direkt vom homo sapiens abstammt sondern vom homo erectus. ... die implikationen, die sich aus diesem beweis ergeben würden, würden den zweiten weltkrieg übrigens zu einer kneipenschlägerei deklassieren ...
Sie haben den Artikel offenbar nicht gelesen, die Spekulation besteht aus einer parallel existierenden Menschenform, (bei sehr sensationslüsterner Interpretation) äquivalent zum Neanderthaler. Die neben dem damaligen Homo sapiens gelebt hat. Dass diese noch heute existiert oder gar die Grundlage der asiatische Bevölkerung ist hat niemand im Ansatz behauptet. Zumal man sich fragen könnte, was die Chinesen davon hätten, zu behaupten, sie würden von etwas abstammen, das stirnwulstig durch Höhlen schlich als nebenan der Mensch bereits das Töpferhandwerk beherrschte. Übrigens, der Hauptautor ist ein Darren Curnoe von der University of New South Wales. Nicht gerade ein Musterchinese. Aber Hauptsache irgendein wirres Verschwörungsszenario postuliert, was?
HeisseLuft 15.03.2012
3. Das ist der Beweis!
Zitat von sysopCurnoe et alSind es Überreste einer bisher unbekannten menschlichen Spezies - oder nur Homo-sapiens-Fossilien? Zwei Funde aus China zeigen nach Meinung ihrer Entdecker "anatomisch einzigartige" Menschen. Sie nennen sie "Rotwildhöhlen-Menschen". Andere Experten sind skeptisch. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,821513,00.html
Der Yeti existiert! Die letzten 11.000 Jahre wird er dann auch überstanden haben! :-)
HeisseLuft 15.03.2012
4. Homo yeti
Zitat von snigger... ein chinesischer anthropologe sucht im regierungsauftrag einen beweis dafür, daß die chinesische (eigentlich .... asiatische) rasse nicht direkt vom homo sapiens abstammt sondern vom homo erectus. ... die implikationen, die sich aus diesem beweis ergeben würden, würden den zweiten weltkrieg übrigens zu einer kneipenschlägerei deklassieren ...
... und wenn man erst behauptet, die Chinesen würden vom Yeti abstammen ... ach nee, lieber nicht, die sind ja Atommacht. ;-)
fnu 15.03.2012
5. Skeptiker
Berufs-Skeptikern ist anzuraten auch Ihrem Skeptizismus gegenüber skeptisch zu sein. Bei allem Respekt Professor Hublin, "Bei fossilen Funden moderner Menschen könnten immer einige Merkmale etwas eigenartig aussehen" und wer etwas anderes behauptet wird von Ihnen persönlich auf den wissenschaftlichen Scheiterhaufen geworfen? Ich habe das Bild der drei Affen vor Augen. "Was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf schaue nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf höre nicht; was nicht dem Schönheitsideal entspricht, davon rede nicht; was nicht dem Schönheitsideal entspricht, das tue nicht" Streiche "Schönheit" setze "Schulwissenschaft" lächerlich...
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