Frühmensch Forscher finden eine Million Jahre alten Ur-Spanier

Schon vor über einer Million Jahren lebten Frühmenschen in Nordspanien. Darauf deuten Funde spanischer Wissenschaftler hin: ein Unterkieferknochen samt einiger Zähne, primitive Steinwerkzeuge und Tierknochen mit Schnittspuren.


Burgos - Eudald Carbonell kennt das Höhlensystem von Atapuerca im Norden Spaniens wie wohl kein anderer. Der Paläoanthropologe von der Universität Rovira i Virgili in Tarragona fahndet dort seit 30 Jahren nach den Wurzeln der Westeuropäer.

Gefundener Unterkiefer: Die Forscher vermuten, dass Frühmenschen aus Afrika über den Nahen Osten nach Westeuropa gekommen sind
DPA / EIA

Gefundener Unterkiefer: Die Forscher vermuten, dass Frühmenschen aus Afrika über den Nahen Osten nach Westeuropa gekommen sind

Im vergangenen Jahr haben Carbonell und seine Kollegen einen ganz besonderen Fund gemacht, über den sie nun im Fachmagazin "Nature" berichten: Einen Unterkieferknochen, in dem noch mehrere Zähne steckten. Unweit davon stießen die Forscher auch auf Steinwerkzeuge und Tierknochen. Mit verschiedenen Methoden datierten sie die Geländeschicht, in der die Fossilien gefunden wurden, auf ein Alter von rund 1,1 Millionen Jahren.

Die Forscher fanden 32 Werkzeugstücke, so dass sie vermuten, dass diese an der Fundstelle gefertigt wurden. Fünf der Steinwerkzeuge waren Ausschuss, 23 waren noch nicht ganz fertig. Mit den zwischen drei und sieben Zentimetern großen, zugeschlagenen Gesteinssplittern trennten die Frühmenschen das Fleisch von den Tieren und versuchten die Knochen aufzuritzen, um an das Knochenmark zu kommen. Hinweise darauf liefern charakteristische Schnittspuren an Tierknochen in der Fundstätte. Das Material für die Werkzeuge hatten die Frühmenschen von einem nur wenige Kilometer entfernten Steinvorkommen bezogen, vermuten die Forscher.

Der Unterkieferknochen aus Nordspanien ist anderen Funden, beispielsweise 1,7 Millionen Jahre alten Fossilien aus Georgien, ähnlich. Daher vermuten die Forscher, dass die Frühmenschen aus Afrika kommend über den Nahen Osten nach Westeuropa vorgedrungen sind, lange bevor der moderne Mensch, Homo sapiens, vor rund 100.000 Jahren seinen Weg aus Afrika nach Europa und Asien antrat.

Bislang galt ein rund 800.000 Jahre altes Fossil, das im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls in Atapuerca ausgegraben worden war, als ältester Überrest eines in Europa lebenden Menschen. Die Funde werden dem Homo antecessor zugeordnet, der unter zahlreichen Forschern als Vorfahr des Neandertalers und des modernen Menschen gilt.

chs/ddp/AP



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