Waffen: Frühmenschen jagten vor 500.000 Jahren mit Speerspitzen aus Stein

Wann heftete der erste Mensch einen bearbeiteten Stein auf einen Holzspeer, um Wild zu erlegen? Ein Fund in Südafrika zeigt, dass die Jagdtechnik deutlich früher zum Einsatz kam als bislang angenommen wurde. Zum Beweis griffen Forscher selbst zum Speer.

Stein-Speerspitzen: Frühe Aufrüstung Fotos
Jayne Wilkins

Hamburg - Schon vor einer halben Million Jahren jagten unsere Vorfahren offenbar Großwild mit aufwendig hergestellten Speeren - darauf deuten Funde aus Südafrika hin. Die bisher ältesten Hinweise auf Speere mit Steinspitzen waren etwa 300.000 Jahre alt, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science".

Die Wissenschaftler um die Paläoanthropologin Jayne Wilkins von der University of Toronto untersuchten mehr als 200 bearbeitete Steine aus eisenhaltigem Gestein. Die drei bis zwölf Zentimeter langen Fundstücke stammen aus einer etwa 500.000 Jahre alten Erdschicht nahe der Stadt Kathu in Südafrika. Entdeckt wurden sie bereits bei einer Grabung vor mehr als 30 Jahren - doch die nun durchgeführte Analyse brachte neue Erkenntnisse.

Denn Wilkins und ihre Kollegen haben verschiedene Indizien gesammelt, die darauf deuten, dass die Steine als Speerspitzen dienten: Im Gegensatz zu Werkzeugen zum Schneiden oder Ritzen wurden sie symmetrisch an beiden Seiten geschärft. Zudem wurde ein Teil davon offenbar an der Basis so bearbeitet, dass man sie besser an Holzstäben befestigen konnte.

Mit nachgebauten Speerspitzen experimentiert

Auch die Abnutzung der Steine spricht für ihren Einsatz als Speerspitzen. Dies prüften die Forscher unter anderem, indem sie aus dem gleichen Gestein selbst Speerspitzen fertigten und diese mehrmals mit einer Armbrust in Tierkadaver trieben. Die Gebrauchsspuren, die sich nach mehreren Durchgängen an den Steinen zeigten, ähnelten den Schäden an den gefundenen Steinspitzen.

Daraus folgern die Wissenschaftler, dass Menschen schon vor einer halben Million Jahren mit solchen Speeren jagten. Weil sowohl der Homo sapiens als auch der Neandertaler Speere mit Steinspitzen nutzten, könnte die Erfindung von einem gemeinsamen Ahnen stammen, schreiben sie. Beide Hominiden entwickelten sich vor etwa 800.000 bis 400.000 Jahren aus einem Vorfahren - vermutlich dem Homo heidelbergensis.

Erst kürzlich hatten US-Forscher im Fachjournal "Nature" von winzigen Steinklingen berichtet, die ebenfalls in Südafrika entdeckt wurden. Diese sogenannten Mikrolithe, die rund 71.000 Jahre alt sind, wurden mit Hitze behandelt und wahrscheinlich zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen wie etwa Speeren verwendet.

wbr/dpa

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Homininen und Hominiden
Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen-: und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
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Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.