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Frühmenschen-Speiseplan: Neandertaler mochten auch Grünzeug

Warum sind die Neandertaler ausgestorben? Eine Theorie lautet, dass die Frühmenschen vegetarische Kost verschmähten und damit einen strategischen Nachteil gegenüber dem Homo sapiens hatten. Doch eine neue Studie bringt diese Annahme ins Wanken.

Neandertaler (Nachbildung im Neanderthal-Museum): Gekochte Pflanzen gegessen Zur Großansicht
dpa

Neandertaler (Nachbildung im Neanderthal-Museum): Gekochte Pflanzen gegessen

Bis heute ist unklar, warum die Neandertaler vor etwa 30.000 Jahren ausgestorben sind, als sich der moderne Mensch in ihrem Lebensraum ausbreitete. Eine Theorie: Der Homo sapiens sei dank seiner flexibleren Ernährung, die neben Fleisch auch vegetarische Kost umfasste, überlegen gewesen: Durch die pflanzliche Nahrung habe er mehr Energie aufnehmen können als die Neandertaler. Letztere hätten sich dagegen überwiegend vom Fleisch großer Tiere ernährt und andere Nahrungsmittel wie Meeresfrüchte, kleinere Tiere oder Nüsse gemieden.

Dieser Annahme widerspricht jetzt aber eine neue Studie. Drei US-Forscherinnen haben mikroskopische Untersuchungen an Zähnen durchgeführt, die von Neandertalerskeletten aus Belgien und dem Irak stammen. Schon zu Lebzeiten der Frühmenschen bildete sich an ihren Zähnen Zahnstein, der durch die Einlagerung von Mineralien in Zahnbelag entsteht. Zahlreiche Nahrungsbestandteile hätten darin die Jahrtausende überdauert, schreiben Amanda Henry vom Center for Advanced Study of Hominid Paleobiology in Washington und ihre Kolleginnen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Untersuchungen offenbarten Stärkekörnchen aus einem breiten Spektrum pflanzlicher Kost: Wildgräser, Hülsenfrüchte, Wurzeln und Knollen. Die Struktur einiger dieser Partikel weise eindeutig auf die Einwirkung von Hitze durch Kochen hin - sowohl bei den fossilen Zähnen aus Belgien als auch bei den Funden aus dem Irak.

Daraus leiten die Wissenschaftlerinnen die Schlussfolgerung ab, dass die Neandertaler sehr wohl in der Lage gewesen seien, pflanzliche Nahrungsquellen ihrer jeweiligen Umwelt zu nutzen und durch Zubereitung leichter genießbar zu machen. Das hätten sie offensichtlich auch regelmäßig getan. Somit bestehe diesbezüglich kein prinzipieller Unterschied zum modernen Menschen.

mbe/dapd/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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1. komische Theorie
Lochblech.19 28.12.2010
Zitat von sysopWarum sind die Neandertaler ausgestorben? Eine Theorie lautet, dass die Frühmenschen vegetarische Kost verschmähten und damit einen strategischen Nachteil gegenüber Homo sapiens hatten. Doch eine neue Studie bringt diese Annahme ins Wanken. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,736737,00.html
Tss, war schon immer eine schräge Theorie, als wenn die Feldhasen und sonstige Kleintiere schlagartig ausgestorben und danacch wieder auferstanden sind.
2. Beeren, Nüsse, Löwenzahn sicher immer
mitbestimmender wähler 28.12.2010
Irgendwie logisch das neben der Jagdsaison und sonst was Nebenbei gegessen wurde. Evtl. schon vom Medizinmann angeordnet. Sicher hat sich viel auch rumgesprochen was fein schmeckt. Ein Neandertaler freute sich sicher unbeschreiblich auf die Beerenzeit oder die Nusszeit.
3. Neandertaler
selesch 28.12.2010
Die Theorie des Aussterbens find Ich sowieso bedenklich, Als der „moderne Mensch“ Amerika besiedelte. Was ist da von den dort lebenden Maschen übrigblieben?
4. Der moderne Mensch ist Aasesser,
vantast64 28.12.2010
nur möchte er dieses unschöne Wort nicht auf der Speisekarte finden. Da spricht er lieber von "Lammkeule" und "Jägerschnitzel". Daß es auch ohne Tierabfälle mit ihren Quälereien geht, wissen Vegetarier und Veganer schon lange.
5. .
Miguelito 28.12.2010
Zitat von vantast64nur möchte er dieses unschöne Wort nicht auf der Speisekarte finden. Da spricht er lieber von "Lammkeule" und "Jägerschnitzel". Daß es auch ohne Tierabfälle mit ihren Quälereien geht, wissen Vegetarier und Veganer schon lange.
Hirnverbrannter Schwachsinn, Aasfresser fressen bereits verenendetes Viech, das bereits halb umgegangen ist. Der Mensch ist Allesfresser. Er braucht für eine gesunde Ernährung sowohl Fleisch als auch pflanzliche Kost. Vegetarier und Veganer sehen nicht von ungefähr meist kränklich aus oder älter als sie eigentlich sind. Im übrigen tun sie der Tierwelt nicht einmal etwas gutes: Wenn keiner mehr Schweinefleisch ist, dann werden eben keine Schweine mehr gehalten ... die Hausschweine wären damit zum Aussterben verurteilt. Dito mit den anderen Tieren. Oder noch schlimmer: Man schlachtet die Rinder nur noch für schöne Lederschuhe, ißt aber das leckere Fleisch nicht. Was für eine Verschwendung!
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Knochenfunde: Ein Fitzelchen Neandertaler in uns

Homininen und Hominiden
Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen-: und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
Denisova-Mensch (50.000 Jahre)
In der Denisova-Höhle in Russland wurden Anfang des Jahrtausends ein Fingerknochen, ein Zahn und ein Zehenknochen gefunden, die offenbar zu keiner bislang bekannten Art gehören. Diese lebte zu Zeiten des Homo neanderthalensis und des Homo sapiens. Noch wurde der Art kein eigener Name verliehen.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo naledi (Alter unbekannt)
In der Rising-Star-Höhle in Südafrika entdeckten Forscher über 1500 Fossilien, die sie 15 Individuen zuordneten. Sie gehören zu einer bislang unbekannten Art, dem Homo naledi. Dessen Alter ist noch unbekannt und damit auch seine Einordnung in den Stammbaum der Menschheit. Die Fundstelle bei Johannesburg könnte die älteste Grabstätte der Geschichte sein.


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